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Diaspora: Çorum-Enklave
Geschrieben am Samstag, 22. März 2008 von Baran Ruciyar

Diaspora

Über die genaue Ankunft der Kurden in den Pontus-Bergen, gibt es verschiedene, sich voneinander stark differierende Theorien.



Einige Forscher sind der Ansicht, dass die Kurden bereits im 16. Jahrhundert aus Zentral- und Westkurdistan nach Anatolien und Pontus emigrierten. Unter anderem neigt der kurdische Historiker Mihemed Emîn Zekî Beg[1] zu der Ansicht, dass kurdische Stämme aus Kifrî bereits im 16. Jahrhundert nach Çorum auswanderten[2], auch der Kurdologe Prof. Dr. M. Izady führt die Emigrationsgeschichte der Kurden in Pontus auf das 16. Jahrhundert zurück, während die anderen am 18. Jahrhundert (ca. 1750) festhalten. Nach dem lang andauernden Krieg gegen die Safaviden war die osmanische Wirtschaft zusammengebrochen. Der als Held dargestellte Sultan Selim gelang es nicht die Ökonomie des Landes zu verbessern. Es heißt: „unter anderem wurden die nicht dichtbevölkerten Gebiete für die nomadischen Stämme zu bewirtschaften zu verfügungsgestellt, um Einkommensquellen für die Staatskasse zu beschaffen". Diese Politik wurde auch von seinem Nachfolgern gegen die kurdischen Stämme weiterhin angewendet. Resultierend aus dieser Deportierungspolitik der Osmanen kamen die ersten Kurden Mitte des 18. Jahrhunderts in den Pontus-Bergen an. Die Deportationen dieser Stämme sind aber eigentlich Teil eines Plans der ethnischen Umgestaltung des Pontus´, um die Majorität der Pontus-Griechen dort zu vermindern. Darum wurden einige der nomadischen kurdischen Stämme in Çorum und umliegenden Bezirke angesiedelt.

Nach dem Ethnologen Cevdet Türkay wurden 16 Stämmen nach Çorum deportiert. In seiner Arbeit über die Stammespolitik der Osmanen zählt er folgenden auf:

Şêx Bizin: Nam-î deger Ekrad-i Lek (Lek-Kurden), er stuft sie unter den „nomadischen" Stämmen ein.

Dieser Stamm ist, jedoch unter den Namen Şêx Bizinî in Nordkurdistan und in der Türkei bekannt. Ihre Zahl in Çorum ist im letzten Jahrhundert drastisch gesunken, es gibt nur noch folgende Şêx Bizinî Dörfer in Çorum-Laçin:

 

Çamlıpınar
Karasoku
Alahacı

 

 Weitere Stämme sind: Mîlan, Reshwend, Sherdî, Kavi, Canbegan, Baddili, Qochgirî, Zirkan und Atmanîkan. Diese bevölkern ca. 60 Dörfer in der gesamten Provinz und sind alle kurmancîsprachig, wobei die Hälfte von ihnen alevitischer und der andere Hälfte Anhänger des sunnitischen Islams sind.


[1] Sein Argument; der Vater von dem kurdisch-islamischen Gelehrter Şeyhülislam Ebussuud Efendi war aus Isklip und trüg den Nachnamen El-Iskilibi.
[2] Tatsächlich gibt es in Maraş, Kayseri, Adana und Osmaniye Stämme der Lek-Kurden, die ihren Ursprung nach Kîfrî zurückführen.
 

Çorum-Enklave

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