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Politik der Besatzermächte: "Kriminalitätsmaschinen" Dorfschützer
Geschrieben am Sonntag, 07. September 2008 von Baran Ruciyar

Politik in Kurdistan

Um den Aktivitäten der PKK etwas entgegenzusetzen, hatte die Regierung ganz nach dem Vorbild der Hamidiye-Regimenter 20.000 so genannte „Dorfschützer" geschaffen. Diese sind Dorfbewohner, die bezahlt und bewaffnet werden, um die Widerständler zu bekämpfen. Theoretisch geschieht das folgendermaßen:

Man meldet sich bei der Dorfschutzwache auf „freiwilliger" Grundlage, Verweigerung wird jedoch als Unterschützung der Guerilla ausgelegt. Bei Verweigerung folgt als Strafe Deportation und Zerstörung von Haus und Dorf. Im Frühjahr 1995 wurde die Anzahl der Dorfschützer auf 45.000 bis 50.000 geschätzt, jüngste Schätzungen gehen von 95 – 10.000 Dorfschützern aus. Die meisten Dorfbewohner nehmen diese Aufgabe nicht gerne auf sich und haben Angst vor Vergeltungen seitens der PKK. Anderseits fürchten sie die Gewalt der Sicherheitstruppen, wenn sie nicht der Aufforderung des Staates nachkommen.

 

Doch im Eigentlichen hat dieses System ihr Ziel verfehlt - die Dorfschützer sind aus bestimmten Stämmen rekrutiert worden und viele von ihnen haben die vom Staat gelieferten Waffen zum Eigennutz gemacht, um ihren traditionellen Blutfehden mit anderen Stämmen nachzugehen. Weiterhin haben sich viele Dorfschützer daran gewöhnt, der örtlichen Bevölkerung ihren Willen aufzuzwingen. In einem Bericht des türkischen Außenministeriums heißt es „die Behörden sind teilweise überfordert und sind nicht in der Lage, diese 'Kriminalitätsmaschinen' zu kontrollieren".

Sie sind mit automatischen Gewehren bewaffnet und mit Funkgeräten ausgerüstet. In den Gefechten spielen sie inzwischen eine aktive Rolle. In den Gebieten Sason, Merdin, Botan und Hakkari kam es öfters vor, dass die zivile Bevölkerung von Korucus (Dorfschützern) angegriffen und geplündert wurde. Das zeigt Ähnlichkeiten zu den Hamidiye-Regimentern. Unter Kurden werden sie "Dschas" - Verräter - genannt.

Insgesamt gab es laut dem türkischen Außenminister Abdulkadir Aksu im Jahre 2006 57.757 Dorfschützer in Nordkurdistan.


Die Allokation der Dorfschützer im Jahre 2006:

Diyarbakir: 5 187
Şırnak: 6 756
Batman: 2 887
Bingöl: 2 511
Bitlis: 3 730
Mardin: 3 323
Muş: 1 860
Siirt: 4 661
Van: 7 320
Hakkari: 7 614
Tunceli: 368
Adıyaman: 1 485
Ağrı: 1 838
Ardahan: 91
Elazığ: 2 083
Gaziantep: 555
Iğdır: 362
Kilis: 33
Kahramanmaraş: 2 236
Kars: 558
Malatya: 1 365
Şanlıurfa: 934

Seit das Korucu-System im Jahre 1985 ins Leben gerufen wurde, haben türkische Offiziere folgende Verbrechen der Korucus registriert:

2.384 Korucus wurden wegen Terror gegen das Volk angeklagt.
934 Korucus wurden wegen Fremdbesitzerexzessen angeklagt.
234 Korucus wurden wegen persönlichen Anschuldigungen angeklagt.
420 Korucus wurden wegen Schmuggelns verhaftet.

Insgesamt haben 4.972 übergehende Dorfschützer direkt oder indirekt Misstaten begangen, 853 übergehende Dorfschützer wurden verhaftet und inhaftiert.

Offiziellen Dokumenten zufolge wurden 20.319 weiteren Dorfschützern "Nachlässigkeit in der Ausführung ihrer Pflichten" vorgeworfen. Weitere Tausende wurden beschuldigt oder kamen vor Gericht wegen folgender Delikte: 565 Morde, 375 Fälle von Erpressung, 117 Entführungen von Frauen und Mädchen, 14 Vergewaltigungen, 165 Fälle von Drogenschmuggel, 125 Viehdiebstähle, 140 Fälle von Eigentumsbeschädigung, 117 Zusammenstöße zwischen Stämmen sowie 2.900 Fälle der Hilfestellung an die PKK. Die Dunkelziffer der Fälle, die wegen Einschüchterung nicht an die Behörden gemeldet wurden, ist potentiell um einiges höher.

Ihre Taten bleiben unbestraft, solange sie ihren Opfer PKK- Sympathie auch nur vorwerfen können. Für die türkische Regierung ist es ein selbstverursachter Tod oder Tat, wenn die Dorfbewohner mit der PKK auch nur sympathisieren. So bleiben die meisten Straftaten der Dorfschützer unbestraft, und sie können dann da weitermachen, wo sie aufgehört haben.

 

Den letzten Angaben (siehe Quellenangabe) zufolge, sieht die türkische Regierung vor 10 000 weitere Korucus im Jahre 2008 anzustellen, ein Teil der bisherigen Korucus dieses Jahr in die Rente gehen wird. Bei den letzten Operationen der türkischen Militärs haben zahlreiche "Korucu Einheiten" daran teilgenommen - und mehrere wurden getötet - immer betonten die kurdischen Medien, dass diese gezwungen werden, gegen die PKK-Guerilla zu kämpfen. Daraufhin wurden der YÖP zufolge 60 von ihnen von den türkischen Militärs in Gewahrsam genommen.

 


Quellen: Özgür Politika, 6., 16. und 30.12.99. Internationales Komitee zur Freilassung der in der Türkei inhaftierten kurdischen Parlamentarier - CILDEKT. Turkish Daily News, 7.1.00; IMK
Conection Türkei – Wie die Türkei gerüstet wird 1997 Berlin. Ahmet Şık, Radikal - 29.11.2002. Radikal Gazetesi - 27/07/2006: Korucular suç makinesi gibi.
www.asyl.net (letzter Besuch am 02/03/08)
http://www.haber7.com/haber.php?haber_id=293074/10-bin-yeni-korucu-alinacak (letzter Besuch am 04/03/08) http://www.karalahana.net (letzter Besuch am 03/03/08) http://www.yeniozgurpolitika.org/?bolum=haber&hid=28751 (letzter Besuch am 03/03/08)http://yeniozgurpolitika.com/%20index.html?bolum=haber&hid=8799 (letzter Besuch am 03/03/08)http://www.vegernu.com/Rupel5.html (letzer Besuch am 03/03/08) 

"Kriminalitätsmaschinen" Dorfschützer

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