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Alltagskultur: Çele Roze Xizir / Xeylas
Geschrieben am Mittwoch, 08. Oktober 2008 von Baran Ruciyar

Kultur

Als Chele Roze Xizir wird im Zentraldêrsim der Zeitraum von Ende Januar bis Mitte Februar bezeichnet, während in anderen Gegenden wie Adiyaman, Chorum, Kayseri, Haci Bektas, Sivas nur der Monat Februar als Xizir-Fastenzeit bekannt ist.

Die Fastenzeit beträgt drei bis fünf Tage, ist also nicht einheitlich. In Mezgirt/Dêrsim wird Chele Roze Xizir in verschiedenen Gegenden jeweils mit einem anderen Namen bezeichnet, je nach Sprachzugehörigkeit der Bewohner und der ansässigen heiligen Stämme, wobei die Bedeutung dieser Tage bei allen aber die gleiche bleibt.

Demnach wird dieser Zeitraum

a) von heiligen Stämmen Xizirê Seyîd Kek,

b) von den Kirmanckisprachigen Xizirê Dêrsiman und

c) von den Kirdaskisprachigen (Kurmanci) Xizirê Kurmancan genannt.

 

Alle drei Gruppen fasten nicht zum gleichen Zeitpunkt, sondern mit einem Abstand von je einer Woche.Das Fasten in diesem Monat wird mit einem den Imam Hassan und den Imam Hussein betreffenden Ereignis begründet. Sie waren als kleine Kinder verschollen gewesen und der Prophet Muahmmad (deren Großvater) soll gesagt haben: „ wer meine Enkelkinder findet, dem wird ein Platz im Paradies zuteil“, und er gelobte, dass er zum Dank drei Tage fasten werde, falls die Kinder gefunden würden. Die Kinder wurden wieder ausfindig gemacht, seitdem wird anlässlich dieses Ereignisses gefastet. Der Xizir soll nach Aussagen aller Befragten vom heiligen Wasser getrunken haben, wonach er ein unsterblicher und gutwilliger Engel wurde.

 

Das heilige Wasser wird auf Kirmanckî Owa Zemzem und auf türkisch Abu Kevser oder Abu Hayar genannt. In der Mythologie der Dêrsimer kommt der Xizir in einer Gestalt vor, die zusammen mit einem anderen Heiligen siebenhundert Jahre lang nach der besagten heiligen Quelle gesucht und trotz des Aufgebens seiner Gefährten die Suche weiter fortsetzt und schließlich erfolgreich beendet haben soll. Die in Not geratenen Menschen rufen seinen Namen und bitten ihn zu Hilfe. Es ist ähnlich wie in Deutsch der Ausruf „Lieber Gott , hilf mir“. Viele Junge Mädchen fasten mindesten einen Tag lang und trinken an dem Abend kein Wasser, in der Hoffnung, von jenem jungen Mann zu träumen, der ihnen Wasser einschenken und dann nach dem dort herrschenden Glauben ihr zukünftiger Ehemann wird.

 

In der letzten Nach von Roze Xizir wird noch Galikek gespielt, worauf in der kurdischen Gesellschaft großen Wer gelegt wird (die türkischen Aleviten kennen dieses Spiel nicht, woraus zu schließen ist, dass diese Tradition kurdischen Ursprung ist). Für dieses Spiel verkleiden sich zwei Männer als altes Ehepaar, wobei die Frau aber in der Kirmanckisprache als Veyvike (Braut) bezeichnet wird. Das alte Ehepaar, begleitet von einigen männlichen Jugendlichen als Musiker und Mithelfer, besucht im Dorf jeden Haushalt.

 

 


Quelle: Firat, Gülsün: Sozioökonomischer Wandel und ethnische Identität in der kurdisch-alevitischen Region Dersim Vorwort: Günther Schlee. 1997.


Çele Roze Xizir / Xeylas

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