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Familie/Frauen: Adela Khanum
Geschrieben am Dienstag, 16. September 2008 von rinret

Gesellschaft

Die kurdische Gesellschaft kennzeichnet sich durch eine strikte patriarchaische Hierarchie. Dass es doch hin und wieder auch Frauen an die Spitze der Gesellschaft geschafft haben, beweist und sie Zeittafel der Geschichte. Einer von ihnen lebte zu Beginn es 20. Jahrhunderts und ihr Name war Adela Khanum.

Adela Khanum kam aus einer einflussreichen kurdischen Familie aus dem Fürstentum Ardalan, welches einst ein bedeutendes Zentrum der kurdischen Kultur, Kunst und Literatur im Iran war. Zu Zeiten Adela’s war hatte dieses Fürstentum jedoch schon seine Macht verloren und deren Herrscher war durch eine Gouverneur ausgetauscht. Die Familie der Wesire, wozu Adela gehörte, konnten jedoch ihre Macht behaupten. So begleitete ihr Vater eine angesehene Position in Teheran. Die Fürstenfamilien von Ardalan und die Jaff (Caff), die beide das Machtzentrum dieser Region darstellten und die auch durch verschiedene Eheschließungen miteinander verbunden waren. So war es nicht verwunderlich, dass auch Adela mit einem Jaff verheiratet wurde. Ihr Ehemann wurde das Oberhaupt der Begzade der Jaff, Usman Pascha, der in Halabja lebte.
Halabja war damals ein kleiner verschlafener Ort, der keine Besonderheiten aufwies. Adela dagegen kam aus Sine, der Hauptstadt des ehemaligen Fürstentums Ardalan. Angefangen von dem Haushalt ihres Mannes, dem sie vorstand und den sie im persisch aristokratischen Stil einrichtete, veränderte sie die ganze Stadt Halabja. Es wurde Handwerker aus Sine gerufen, um der Halabja einen neuen Anstrich zu geben. Sie ließ zwei Wohnstätten für sich errichten, Gärten im Stile Persien anlegen und baute Halabja zu einem Handelszentrum aus, indem sie den Bazar vollkommen umbauen ließ, der nun nicht nur kurdische sondern auch jüdische Kaufleute anzog. Außerdem achtete sie darauf, dass nur kurdische Bedienstete aus dem Iran bei ihr angestellt waren. Durch ihren Eifer erreichte Halabja damals einen Bekanntheitsgrad, der weit über seine Regionsgrenzen gelangte.

Ihr Mann, der Gouverneur (Qa’immaqam) vom Sharizur und schon Witwer, stellte sich ihren Erneuerungen nicht entgegen. Als er dann 1909 starb, übernahm sie die Herrschaft und keiner macht ihr diese bis zu ihrem Tod 1924 streitig.

Alle Quellen beschreiben Adela Khanum als eine bemerkenswerte Persönlichkeit. Soane kam zum ersten Mal 1909 nach Halabja, nachdem er einige Jahre für eine britische Bank im Iran tätig war. Wegen seiner ausgezeichneten Persischkenntnisse bot ihm Adela Khanum den Posten eines Sekretärs an, wodurch er Adela gut kennen lernte. Er sagte über sie, dass sie nicht nur die Gegend und Menschen ihrer Umgebung verändern will, sondern dass sie eine sehr energische Person sei, die politische Herrschaft anstrebe. Dies erkannte man auch am Bau eines neuen Gerichtshofes und Gefängnisses in Halabja, deren Verantwortliche sie wurde. Damit festigte sie ihre politische Macht auf einem hohen Niveau.

Die Osmanen, die ihren Mann als Gouverneur in Halabja einsetzten, sahen ihr Vorgehen mit äußerster Skepsis und fürchteten einen vermehrten persischen Einfluss. Jedoch konnten sie außer den Bau Telegraphenleitung nach Halabja, um den Ort besser zu kontrollieren, nicht viel gegen sie ausrichten. Die Jaff waren über diese osmanische Tat so verärgert, dass sie die Leitungen des Telegraphen zerschnitten, womit die Kommunikationswege ins Osmanische Reich stark eingeschränkt waren und Adelas kleines Reich relativ unabhängig agieren konnte.

C.J. Edmonds lernte Adela kennen, als sie schon Witwe war und beschrieb sie als „ungekrönte Königin von Sharizur“. Sie galt im Augen der Briten als loyale Stammesführerin. So stellte sie sich bei der Rebellion von Sheikh Mahmud von Suleymaniya, der sich anschließend zum König von Kurdistan ausrief, zusammen mit dem Stamm der Jaff auf die Seite der Briten. Dies brachte ihr den indischen Ehrentitel „Khan Bahadur“ ein.

Als ihre Sohn Ahmed Beg von den Briten zum Gouverneur ernannt wurde, übte Adela weiterhin ihren politischen Einfluss aus, jedoch war der kurdische Einfluss auf britischem Gebiet eher gering. Diese Einschränkung ihrer Machtausübung durch die Briten, die nunmehr nicht über zeremonielle Anlässe hinausgingen, verärgerten Adela Khanum sehr, so dass gegen Ende ihres Lebens das Verhältnis zu den Briten sehr gespannt war. 1924 starb Adela Khanum, jedoch ist sie bis heute unter den Jaff unvergessen


Quelle: van Bruinessen, M.: Von Adele Khanum zu Leyla Zana: Weibliche Führungspersonen in der kurdischen Gesellschaft. IN: E. Savelsberg, S. Hajo und C. Borck (Hrsg.): Kurdische Frauen und das Bild der kurdischen Frau. Kurdologie 3, Münster 2000, S. 9-33.

 

 


Adela Khanum

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