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Allgemeine Geschichte: Alan (Stamm)
Geschrieben am Sonntag, 11. Januar 2009 von Baran Ruciyar

Herrschaftsstrukturen

Alan oder Alû, der Name eines Kurdenstammes in Dêrsim, Hewraman, Wan, Lekistan und Khorasan.



Ein antikes iranisches Volk, die Alanen, ein Stamm der Sarmaten, werden in der Geschichte oftmals als ausgezeichnetes Reitervolk, das bis in Herzen Europas und von dort aus sogar bis nach Nordafrika einwanderten, erwähnt1. Auch der Einfluss der Skythen, mit denen die Alanen offenbar in der Relation standen, scheint insbesondere auf die Sprache der Kurden markant gewesen zu sein (vgl. Frühgeschichte der Kurden). Ob ein Zusammenhang zwischen diesen Kurdenclan und den Alanen besteht, sei jedoch dahingestellt. Doch der Name bietet es offenkundig an. Cengiz2 hält die Alan für Abkömmlinge der alanischen Söldner und Soldaten der parthischen Armee und führt einige Argumente für die eventuelle Abstammung dieses Stammes von den Alanen an. Trotz allem müssen wir uns letztlich damit zufrieden geben, dass es keinerlei Anhaltspunkte für eine Abstammung des Alan-Stammes von den Alanen existieren.

In Ehmedê Xanî´s Romanze mem û zîn ist der Protagonist Mem aus dem Stamm der Alan in Botan. In der Kurdenchronik Şerefname wird ein Stamm mit dem Namen Alan unter den Stämmen der Kleinluren angeführt3. In modernen Quellen begegnet man einen Clan der lekisprachigen Biranavend-Konföderation namens Alayno in dem Territorium der ehemaligen kleinlurischen Fürsten4. Der Name Alan wird bei Izady im selben Kontext, nämlich als Stammesname in Bane und Hewraman erwähnt.

Die Alan (mancher Ort auch Alû genannt), die zerstreut im gesamten Gebiet von Dêrsim verbreitet sind, gelten der lokalen Oral Historie nach als Ureinwohner (S. Cengiz ebend.). Die alevitischen Alan in Dêrsim sprechen hauptsächlich Kirmanckî5. Nach dem Ethnozide 1938 an der kurdischen Bevölkerung in Dêrsim6 wurden auch gezielt Lineages dieses Clans exiliert und in den Westen der Türkei deportiert. In den 80igern und 90igern setzte eine Emigrationswelle der Dêrsimer nach Europa und der Westtürkei ein, in wie weit sich die Alan-Bevölkerung quantitative dadurch verändert hat, ist mir unbekannt.

Ein weiterer weit umfassender Stamm desselben Namens lebt in den Landkreisen Çatak und Gülpinar der Provinz Wan7. Als eigenständiger Clan gehörten sie früher der großen Konföderation der Ertuşî-Kurden an8. In den türkischen Medien werden die prachtvollen Hochzeiten der Alan in Wan exemplarisch für den postmodernen Tribalismus angeführt. Der liberalen Tageszeitung Radikal nach gehören sie zu den Stämmen, die Dorfschützer Rekruten zur Verfügung stellen9.

Auch ein Clan der großen Şadlû-Konföderation in der kurdischen Enklave in Khorasan führt den Namen Alan. Dieser Clan scheint aus Kurdistan dorthin deportiert worden zu sein – wie alle anderen Kurden dieser Region im äußersten Nordosten Persiens10.


1Bailey, H. W.: Alans, In: EncIr.

 

 2Seyfi Cengiz: aşiret, aşiret dersim, abgerufen am 10.1.09

 

 3Izady, M. R.: The Sharafnâma, Or, The History of the Kurdish Nation, 1597, By Sharaf Khan Bidlisi, translated into English by M. Izady, Mazda Publishers, 2005. siehe "Dynastie der Kleinluren".

 

4Vgl. Izady, R. M.: The Kurds, Washington 1992, Kurdisch tribes in souther Kurdistan.

 

5Kaya, Ali: Başlangıcından günümüze DERSİM TARİHİ, Ist. 1999, s. 81.

 

6Tertelê Dersim, auf: Aga, abgerufen am 10.1.09

 

7Milliyet: Asiret oylari, abgerufen am 10.1.09

 

8The kurdish tribes of the ottoman Empere, in: International Journal of Kurdish Studies, Jan, 2006.

 

9Radikal: partilar asiret..., abgerufen am 10.1.09

 

10Izady, M. R.: Khurasani Kurdish Exclave in the 19th Century, in: Kurdistanica.


Alan (Stamm)

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