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Alltagskultur: Begrüßung bei den Kurden
Geschrieben am Dienstag, 10. Juni 2008 von Baran Ruciyar

Kultur

Der Gruß ist eines der ältesten Rituale der Menschen. Die Kurden haben keine heimlichen Großrituale, aber doch situationsspezifische Begrüßungsformen.

Die orientalische Begrüßung ist für einen Europäer nicht leicht zu verstehen, denn es gibt sehr viele feine Unterscheidungen. Der arabische Gruß Salam (die Kurden sprechen es in manchen Gegenden auch als Selam oder Silam aus) oder Salamümaleykûm („Friede mit Euch“) wird zum Beispiel gegeben, der Gruß Annehmende erwidert alaykümselam. Die kurdische Form des Salam „Silav/w“- eine Dissimilation desselben, wird gelegentlich auch verwendet. Wobei man kann sagen, dass Silav und der einfache Gruß, ähnlich dem deutschen Hallo, merhaba1, eher von Jugendliche verwendet wird, während man das reinarabische Salamümaleykûm meist von Älteren zuhören bekommt. Selam der Gruß Gottes muss immer angenommen und mit alaykümselam oder xêr bi silamet beantwortet werden. So ist es auch kein Zufall, dass sich die Kurden manchmal mehrfach am Tag begrüßen, das Ritual bleibt dabei immer dasselbe. Immer wenn man sich begegnet grüßt man sich gegenseitig.

Die kurdische Begrüßung kann manchmal ziemlich lang ausfallen, wenn man bei einer Großfamilie zu besucht ist. Beim Eintreten des Hauses grüßt der Gast seinen Gastgeber mit Salamümaleykûm und erhält als Antwort alaykümselam und je nachdem auf welchem Dialekt sie miteinander kommunizieren werden, heißt der Gastgeber seinen Gast mit bi xêr hatin/xoş ben, weş ama oder xêr ama2, Willkommen! Dabei schüttelt man den Hand des Gastes oder der Wangenkuss bzw. das Aneinandereiben der Wangen bestätigt in diesem Kontext eine Zusammengehörigkeitsgefühl in besonderem Maße3. Der Gast antwortet mit nav xêre dabin/xêr miyandi bo oder einfach nur sipas („Danke“). Ist die Zahl der Gäste höher als 5 oder 6 Menschen, so bleibt der Gastgeber (oder die Gastgeber) hinter der Eingangstür und heißt alle seine Gästen mit leichten Kopfverneigung Willkommen4. Dann fragt der Gastgeber seinen Gast über seinen Zustand und wie es ihm geht: Çon î/Çawan î/Çarey/Weşen î oder Çitûrya? („wie geht es dir“), xwedê ji te razî be baş im/rind im/ allah razî bo rinda/hola/boşa („Gott sei mit dir zufrieden, mir geht es gut“) oder supas ekem („Danke“) wird der Gast erwidern und wird dasselbe seinen Gastgeber fragen.

Der Gruß ist natürlich manchmal auch tageszeitabhängig: Beyanî baş oder siba te bi xêr „guten Morgen“ sagt man am Morgen, Rojbaş, wenn man jemanden einen „guten Tag“ wünschen will, êvar baş „guten Abend“ und Şev(w, o) baş „gute Nacht“. Diese können aber auch als Synonym für den Abschiedsgruß benutzt werden. Vor dem Abschiedsgruß; xatire te/xatid be to/xwahafiz bit („mach´s gut“) sagt man miqate xwe be/qayte xo ´ke oder xuda hafiz („Pass auf dich auf“).

 

Innerhalb der kurdischen Gesellschaft findet man noch verschiedene Begrüßungen vor, die sich von Altersklassen oder zwischen Mann und Frau unterscheiden. Alte Menschen werden von Kindern und Jugendlichen vor allem auf die Hand geküsst, die man anschließend zur Stirn führt. Die Alten antworten darauf mit einem Kuss auf beide Wangen des Jüngeren.

Den Segen eines Sheikh’s holt man sich bei der Begrüßung dagegen, wenn man ihn auf dem Oberarm küsst, was eine Ehrerbietung darstellt.

Frauen und Männer halten sich sonst eher getrennt voneinander auf. Nur Jugendliche, die in den Großstädten leben, begrüßen sich mit der Hand, in den ländlichen Gebieten wird ein Mann nie einer Frau die Hand reichen, was vor allem aus der islamischen Sitte herrührt. 

 

 

Quelle: eigene Feldforschungen


1Im Kirmanckî wird stattdessen „ma be xêr dî“ gesagt, was soviel wie „glücklich gesehen“ bedeutet, der Gegengruß ist „xêr bi silamet“.

 

2Das kann ganz unterschiedlich ausfallen, da die Kurden keine einheitliche Sprache besitzen.

 

3Kleiner Unterschied ist, dass die Kurden im Syrien und Irak manchmal dreimal ihre Wangen aneinander reiben, während die in Nord- und Ostkurdistan sich mit zweimal begnügen.

 

4Dabei schaut er/sie alle Gästen einzeln an und heißt sie alle einzeln Willkommen; das besondere daran ist, dass dieser Art von Begrüßung ohne jeglichen Körperkontakt abgeschlossen wird.


Begrüßung bei den Kurden

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