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Geographie/Demographie: Berzan
Geschrieben am Samstag, 31. Januar 2009 von Baran Ruciyar

Geographie

Berzan oder Barzan (kurdisch bzw. nordwestiranisch für „Viertel“1), ein Distrikt (Berzan-Tal) und eine kleine Stadt in Bahdînan, an der irakisch-türkischen Grenze, in Zentralkurdistan (für irrendentistisch gesinnte Kurden „Südkurdistan“)2 3.

Der Distrikt besteht aus drei Gemeinden: Berzan, Mergasor und Sîrvan.

Wie es in den osmanischen Dokumenten wiedergegeben wird, war das Dorf Berzan eine zweitrangige Kaza, das Verwaltungszentrum der Nahîye Zêbarî4, „wo damals Nemet Axa von dem Stamm Zêbarî über ein weites Gebiet seine despotische Herrschaft ausübte“5. In dieser Zeit sollte ein gewisser Tacdîn, Ahnherr der Berzanî-Familie, der in Nehrî in die Naqşîbendiya eingeführt und nach Berzan zurückgeschickt worden war, die gewohnten Machtverhältnisse in Berzan auf den Kopf stellen. Den darauffolgenden Machtkampf konnte Tacdîn für sich gewinnen. Die Familie verfeindete sich mit den Zêbarî, eine Feindschaft, die bis in die 80iger des 20. Jahrhunderts andauern sollte. Schon bald genießt er den Popularitätsgrad eines charismatischen Führers der unterdrückten und ausgebeuteten Bauern in den Grenzbereich zwischen Hekarî und Bahdînan. Unter Tacdîn spielte der Sufismus und die spirituelle Macht in Berzan eine enorm wichtige Rolle. Sehr bald wurde die Stadt zum Anziehungspunkt für unterdrückte Bauern und Aufständischen aus Zentralkurdistan. Es formte sich eine nahezu utopische Gemeinde in Berzan, mit dem Scheich als charismatischer Führer und Verkörperung der Ideale. In dieser turbulenten Zeit erfolgte eine Tribalisierung der Gemeinde; es entstand ein neuer Stamm, die Berzanî, dessen Mitglieder ihrem Scheich zutiefst überzeugende Loyalität entgegen brachten (ebenda).

Şêx Ehmed Berzanî, der „Gott von Berzan“, probte in den frühen 30igern des vergangenen Jahrhunderts einen verzweifelten Aufstand gegen die britische Fremdherrschaft in Zentralkurdistan und wurde letztlich von der britischen Luftwaffe geschlagen6. Daraufhin wurde die gesamte Berzanî-Familie, mitsamt Mistefa Berzanî, 1933 in Silêmanî unter Hausarrest gestellt7. Erst 1943 konnte M. Berzanî nach Berzan zurückkehren und die kurdische Freiheitsbewegung in Irak entfachen8. Das Tal von Berzan sollte für immer ein Zentrum der kurdischen Widerstandbewegung werden, wo jegliche Staatsautorität als suspekt empfunden wurde. Dies hatte besonders in den 80iger Jahren skrupellose Angriffe der irakischen Armee auf die Zivilbevölkerung zu Folge. 1981 wurden die Bewohner partiell in Kuştepe südlich von Hewlêr zwangangesiedelt9. Zwei Jahre später sollte das Massaker vom Berzan-Tal folgen - Tausende von den Bewohnern wurden überführt und hingerichtet10.


1Eilers, W.: Barzan, in: EncIr.

 

2Z. Bsp. Asadî bedient sich dem Typonym „Süd-Kurdistan“ (Awat Asadi: Der Kurdistan- Irak- Konflik: Der Weg zur Autonomie seit dem ersten Weltkrieg, 2007. s. 102), wohl gemerkt für den irakischen Teil Kurdistans, der rein geographisch sich in Zentral und Südkurdistan entzweit. Vgl. Izady, R.M.: The Kurds, Washington 1992: Geographie.

 

3Die Exakte Lokalisation ist auf der IncIr angegeben, vgl. Behn, W.: Barzani, in: EncIr.

 

4Kuzey Irak ve Barzaniler, in: Radikal, abgerufen am 12.01.09

 

5Van Bruinessen, M. M.: Agha, Scheich und Staat, Berlin 1989, s. 369 ff.

 

6Sluglett, P.: Britain in Iraq: Contriving King and Country, I.B.Tauris, 2007 s. 153 ff.

 

7Martin Strohmeier, Lale Yalçın-Heckmann: Die Kurden: Geschichte, Politik, Kultur, 2000, s. 124 ff.

 

8Bruinessen, s. 371.

 

9 Irene Dulz: Die Yeziden im Irak: Zwischen"modelldorf" und Flucht, LIT Verlag Berlin-Hamburg-Münster, 2001, s. 67

 

10Massengräber entdeckt, GfbV, abgerufen am 12.01.09


Berzan

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