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Altertum: Biblische Orte in Kurdistan
Geschrieben am Montag, 15. September 2008 von rinret

Allgemeine Geschichte

Mesopotamien, das Zweistromland, gilt seit jeher als Garten Eden, die Wiege der Menschheit. Viele Orte auf kurdischem Boden werden bereits im Tanach, der Bibel oder im Koran erwähnt.

Aram Nahrin / Nahor

 

Nahor, Aram Nahrin, bezeichnet die Region zwischen dem Balich und dem Habor, die oberhalb des Euphrats vom Königreich Mitanni[i] liegt.

Aram Nahrin wird im Alten Testament in der Genesis erwähnt und gilt als die Stammheimat  Abrahams (Ibrahim), der von dort aus mit seiner Familie auf Befehl Gottes nach Palästina auswanderte. Auf den Spuren Abrahams kann man vor allem in Urfa (das antike Edessa) und im nahgelegenen Haran wandeln.

Das nördliche Gebiet, Paddan Aram (Land von Aram) gilt als Stammland von Aram, Sohn Sems und Enkel Noahs, der im Tanach[ii] als Ahnherr der Aramäer gilt. Heute findet man noch vereinzelte aramäische Gemeinden um die Stadt Midyat.

 

 

Ararat

 

Der Berg Ararat (ku: ciyayê Agirî; assyr: Urartu) ist mit 3896m der höchste Berg der Türkei und liegt in der Provinz Agri in der Türkei, in Nordkurdistan zur Grenze nach Armenien.

Laut der Bibel, in der Genesis, soll hier Noahs Boot die Arche nach der Sintflut gestrandet sein, was jedoch historisch nicht belegt ist[iii]. Danach soll er sich mit seiner Familie in der Igdir-Ebene angesiedelt haben.

Im Gilgamesch Epos sind die Beschreibungen zur Bibel sehr ähnlich. Hier wird die Sintflut auf der elften Tafel, wo ebenfalls von einem Mann, den Gilgamesch trifft, berichtet wird, der als einzigster eine große Flut überlebte.

Andere Quellen sehen die nordkurdische Stadt Şirnak (Şirnax) als den Ort, wo Noah mit seiner Arche anlegte. Auch der Stadtname wird mit Noah in Verbindung gebracht: So soll sich Şirnak von Şehr-i Nu (Noah’s Stadt) herleiten. Hier soll es der 2.089m hohe Berg Cudi (Çudi Daği) gewesen sein. Diese Version wird vor allem im Islam vertreten.

 

ararat.jpg

 

Elkosch

Elkosch (auch Elkoş, Alkus) befindet sich in Südkurdistan, naher der Stadt Mossul und nördlich der Ruinen von Ninive. Elkosch gilt als Heimatort des Propheten Nahum und wird auch dort im Buch des Propheten Nahum im Alten Testament erwähnt. Hier wird auch Nahum’s Grab vermutet. Jedoch ist die Lage des Ortes umstritten und es existieren noch 2 weitere Stellen, einmal in Galiläa und einmal in Judäa, wo Elkosch vermutet wird.Elkosch nahe Mossul beruft sich auf die Bibelstelle: Nahum 1,1: wo Nahum das Schicksal Ninive’s durch Gott enthüllt worden war.Heute kann man hier in der Moschee Sem’s Grab, Noah’s Sohn, besuchen.

Harran

Harran (auch Harranu, Carrhae, Karrhai) liegt nahe der Stadt Urfa in Nordkurdistan an der syrischen Grenze im biblischen Gebiet Aram Nahrin. Das antike Harran liegt gleich neben dem heutigen gleichnamigen Dorf, das vor allem wegen seiner Trullihäuser bekannt ist.In der Bibel gilt Harran als der Ort, wo sich die Familie Terach (1. Buch Moses in der Genesis), die eigentlich auf den Weg nach Kaanan waren, niederließ, nachdem sie aus Ur weggingen. Terach, der im Alter von 205 auch in Harran starb, gilt als ein Nachfahre Moses und ist der Vater Abrahams.

 

Historisch gesehen, war Harran schon im 3. Jahrtausend v.u.Z. besiedelt und galt als wichtigste Zwischenstation für die Handelswege nach Damaskus und Ninive. Bereits im 18. Jh. v.u.Z, wird der Mondtempel des Gottes Sin[iv] erwähnt, dies war auch die Zeit, in der sich die Hurriter dort etablierten. Der Name des Tempels[v] lautet Ehulhul und gilt als „Haus der Freude für alles Menschen“ und ist wahrscheinlich das religiöse Hauptzentrum, das Orakel weissagte.

Harran wurde sehr oft erobert, so herrschten hier auch die Assyrer und Parther. Später wurde die Stadt von den Mongolen zerstört.

Unweit von Harran liegt die heutige Stadt Urfa (Riha), das antike Edessa. Nach dem Koran soll Abraham hier in einer Höhle geboren sein, um die man später eine große Moschee errichtete. Zu den islamischen Feiertagen wird die Moschee und der darum führende Park zur Pilgerstätte vieler Muslime. Diese Moschee ist in einem Park integriert, der mit Wasseradern durchzogen ist. In diesem Wasser befinden sich Tausende von Karpfen, die ebenfalls mit der Abrahamslegende zusammenhängen.

Neben den Pilgerstätten Abrahamas gibt es in Urfa auch noch Hiobs Grabmal zu besichtigen, der hier beerdigt sein soll.

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Ninive

 

Ninive (auch Nineveh, Ninua) liegt auf südkurdischem Gebiet gegenüber der Stadt Mossul. Die Ruinenstadt am Tigris, die durch Paul E. Botta 1842 wiederentdeckt wurde, befindet sich auf zwei Hügeln, Kujundschik und Nebi Junus. Außerdem kann man hier noch die 12km lange ehemalige Stadtmauer besichtigen.

Ninive wird in der Bibel sehr oft erwähnt. Berühmt vor allem im Buche Nahum[vi], wo der Untergang von Ninive prophezeit wurde und ihm einen ganzen Abschnitt gewidmet wird. Der Untergang vom unmoralischem Ninive wird in dramatischen Bilder geschildert; dass die Stadt in Pfeilen und Flammenschwertern untergehen werde und man über Leichen stolpern werde. In der Genesis wird die Stadt mit Nemrod[vii] in Verbindung gebracht und im Buch der Könige wird Ninive als Residenz des Assyrerkönigs Sanherib[viii] erwähnt. Ebenso wird sie im Buche Jona und Judit erwähnt, wo sie als Beispiel einer bedrohenden Großmacht gilt. Außerdem spricht Jona den Eingottglaube der Bewohner Ninive’s an, so wie die Einbeziehung der Tiere in die Buße.

Historisch belegt ist, dass sie von 705 bis 612 v.u.Z. die Hauptstadt des assyrischen Reiches war. Doch ihre Siedlungsgeschichte geht bis ins 5. Jahrtausend vor unserer Zeit zurück. 612 v.u.Z. wurde die Stadt durch die Meder und Babylonier eingenommen, geplündert und zerstört.[ix]

 

Pischon

Pischon ist laut Bibel einer der vier Hauptarme, in der sich der Fluss teilt, der durch den Garten Eden von Adam und Eva fließen soll. Historisch ist seine Lage nicht bestimmt und lässt nur Vermutungen in Bezug auf die anderen drei Hauptarme[x] dieses mythischen Flusses zu. Vermutet wird hier der Fluss Qezel Uzan[xi] (andere Vermutungen erwähnen hier den Ganges), der zweitgrößte Fluss Irans, der durch das Elbrus-Gebirge fließt und schließlich nach 670 km bei Rash ins Kaspische Meer fließt.

 

Schinar

Es wird vermutet, dass sich Schinar vom antiken Singara (heute Şengal) in Südkurdistan ableitet. Laut der Bibel, Genesis/Mosis 1, 10 wurde die Region/Stadt Schinar vom ersten Großkönig der Geschichte, Nemrod, gegründet. Nemrod war ein Urenkel Noahs und der Enkel Hams. In Genesis/Mosis 1, 11 wird Schinar nochmals mit dem Turmbau zu Babel erwähnt. Singara (Schiggar) war eine antike Stadt und römischer Legionsstandort. Später herrschten dann die Sassaniden hier. Heute kann man hier die Ruinen die antiken Stadt besichtigen.

 

Susa

Susa (auch Schuschan) ist eine antike Stadt in der Provinz Khuzestan im Iran an der Grenze zum Irak. Sie gilt als die älteste durchgehend besiedeltste Stadt der Welt. Vom 3. bis 1. Jahrtausend v.u.Z. war sie die Hauptstadt des Reiches von Elam, blieb aber auch nach dem Untergang des Reiches ein bedeutendes Zentrum. In der Bibel wird Susa in Zusammenhang mit Daniel erwähnt, der hier während seines babylonischen Exils gelebt haben soll. Außerdem erzähl das Buch Ester über Susa, wo König Xexes geherrscht haben soll.

 susa.jpg


Quelle: Die Bibel, im heutigem Deutsch. Hrsg. v.d. Ev. Haupt-Bibelgesellschaft, Berlin und Altenburg, 1986; Rienecker, F. und G. Maier: Lexikon zur Bibel. Brockhaus, 2000; Hill, C.: The Noachian Flood. IN: ASA; Vol. 54,3, 2002 S.170-183; de Deo, V.M.: Darstellungen der Sintflut im Gilgamesch-Epos und in der Bibel. Ravensburg, 2007; Pfeiffer, I.: Eine Frauenfahrt um die Welt. Bd. 3 (Mosul und Ninive), S. 169; Green, T.M.: The city of the Moon God: Religious traditions of Harran. Leiden, Bosten, 1992; Fortescue, L. S. :"The Western Elburz and Persian Azerbaijan" IN: The Geographical Journal 63(4), 1924: pp. 301-315; Billerbeck, A.: Susa, eine Studie zur alten Geschichte Westasiens. Leipzig, 1893; eigene Feldforschungen


[i] Großkönigtum auf dem vor allem heutigen Gebiet Nordsyriens im 15. und 14. Jh. v.u.Z., dass vor allem in der Geschichtsschreibung mit der Konfrontation der Ägypter (Tutmosis III. ) erwähnt wird

[ii] heilige Schrift der Juden

[iii] archäologisch konnte bisher keine Flut in dieser Region nachgewiesen werden, allerdings ist die Bibel nicht die einzigste Quelle, die von einer Flut spricht, auch in babylonischen und assyrischen Quellen findet man Aussagen darüber

[iv] die Mondverehrung im Orient geht nachweislich sehr weit zurück, da die Menschen von seiner Durchsetzungskraft gegen die Kräfte der Finsternis beeindruckt waren, und ihn auch mit dem Zyklus der Frau in Verbindung brachten. Die Aramäer nannten den Mondgott „Herrn von Harran“, die Assyrer Sîn

[v] er galt als größter Tempel Mesopotamiens

 

[vi] Nahum 3

[vii] galt als erster Großkönig der Geschichte

[viii] von ihm wird berichtet, dass er in Juda eingefallen ist

[ix] Kurden bringen sehr oft mit dieser historischen Schlacht die Legende um Kawa in Verbindung. Auch dies kann momentan mit keiner wissenschaftlichen Erkenntnis untermauert werden.

[x] die drei  anderen Flüsse sind laut Bible Gihon, Tigris und Euphrat

 [xi] auch: Rude-e Safid (der weiße Fluss); der obere Flusslauf wird auch Qizil Uzun (roter langer Fluss) genannt


Biblische Orte in Kurdistan

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