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Archäologie: Dînawer (Dinawar)
Geschrieben am Montag, 15. September 2008 von Baran Ruciyar

Allgemeine Geschichte

Dînawar oft auch Daynawar genannt, war im Mittelalter eine der bedeutendsten Städte von Djibal (Medien, d.h. Land der Medern), heute eine Ruine.

Die genau Position der Ruinen-Stadt ist, nach der Iranica (siehe; Iranica, Dênavar) in 34° 35' N, 47° 26' O. Von Kengawer im Südosten, wie von Kirmaşan im Südwesten ist Dinawar nahezu gleich weit entfernt, nämlich 56 – 48 km. Es erhebt sich im Norden der Stadt, einer gegen 1500 m hohen, fruchtbaren Ebene, welche der Ab-î Dinawar bewässert. Dieser nach der Stadt benannter Fluss tritt an der Südwestecke der erwähnten Plateau´s in eine enge Schlucht (Tengî Dinawar = Pass von Dinawar), die sich später zu einem breiten Tale erweitert, und vereinigt sich zuletzt mit dem zu Kerxabehsystem gehörigen Camas-ab.

Dinawar war eine wichtige Festung im Sassaniden-Reich, die zu Beginn des 6. Jahrhunderts von den türkischen Khasar besetzt wurde. Tatsächlich fällt die Gründung Dinawar´s, die auch in syrischen Quellen (als Dinahwar) vorkommt, in die vorislamische Zeit. Zu Zeiten Omar´s war es die bevölkerungsreichste Stadt im Bezirk von Hamadan. Unmittelbar nach der Entscheidungsschlacht von Nihavand zwischen den Arabern und Persern (642) wurde sie von dem persischen Statthalter den Arabern übergeben – welche die Stadt umbenannten, weil ihr Ertrag aus Steuern zur Unterstützung der Bewohner in Kufa, speziell für die Soldaten der dort garnisonierenden Truppen, verwandt wurde. In der politischen Einleitung des Kalifenreiches fungierte Mah al-Kufa nicht nur als offizielle Benennung der Stadt Dinawar, sondern auch als die eines Bezirkes von Djibal (Medien) mit zwei Regionen: Dinawar, dass die oberen, und Karmisin (Kirmaşan), dass die untere Distrikte umfasste. Im Westen grenzte der Bezirk Mah al-Kufa an das Gebiet Hulwan, im Osten an jenes von Hamadan, im Süden an Masanbadjan und im Norden an Aserbaidschan.
Was das Wort Mah betrifft, so darf dieses nicht mit den arabischen Autoren als ein persisches Apellativum im Sinne von arabis. Kasba = „Stadt, Hauptort“ erklärt werden, vielmehr entspricht Mah der Bedeutung von der alten Meda = Medien. Alle sicher mit Mah zusammengesetzten und genauer zu lokalisierenden geographischen Namen gehören nach Medien. Mah al-Kufa wird daher so zu fassen sein: Medien von Kufa bzw. der Teil Mediens, welcher Kufa gehört.

Dinawar erlebte unter den Umaiyaden und Abbasiden eine Blüte. Wie auch Ibn Hawkal schreibt, stand es Hamadan nur um eine Drittel an Größe nach. Mukaddasi rühmt die wohlgebauten Bazare und die ertragreichen Obstgärten im Umkreise der Stadt, auch er sowie Kazwini lobten den vorzüglichen Käse der Dinawarî.
Die Bevölkerung war ein Gemisch aus Arabern und Persern; wie Masudi erwähnt, zeltete in der Nähe auch ein kurdischer Stamm namens Shuhadjan. Arg spielte der Stadt die in den letzten Jahren ausgebrochenen Wirren al-Muktadirs mit. Als der rebellische Feldherr Merdawidj aus Gilan „Deylemistan“ nach dem Sieg der gegen ihn ausgesandten Truppen des Kalifen, sich der ganzen Provinz Djibal bemächtigte, fiel dabei auch Dinawar in seine Hände, wobei von den Bewohnern dieses Ortes mehrere Tausende umkamen. Bald darauf gründete Hasanwaih (Hasanuyah), ein Oberhaupt der in dieser Region siedelnden Kurden, eine kleine unabhängige Herrschaft mit der Hauptstadt Dinawar, in deren Besitz er sich nahezu 50 Jahre zu behaupten wusste. Die Hasanwayhiden von Dinawar werden im Sherefname unter den 5 kurdischen „Königreichen“ erwähnt.

Die heutzutage gänzlich unbewohnten Trümmer der Stadt zeugen von sassadinischer, kurdischer, arabischer und deylemitischer Kultur und wurden von den Persern ihrem Schicksal überlassen. In Dinawar wurden zahlreiche Funde gemacht, unter anderem auch Münzenprägungen der kurdischen Hasanwayhiden.


Quellen: Stichwort Dînawar, in: EI1;  Dêhnawar, in: EncIr.


Dînawer (Dinawar)

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