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Alltagskultur: Das schwarze Zelt der Kurden
Geschrieben am Mittwoch, 05. März 2008 von Baran Ruciyar

Kultur

Bevor die meisten kurdischen Stämme von den Besatzer Kurdistans gezwungen wurden ihr Nomadenleben aufzugeben, waren die meisten kurdischer Stämmen nomadisch bzw. seminomadisch und wanderten kreuz und quer zwischen ihren Sommer- und Winterlagern bzw. Dorf- und Sommerlager.

Die Kurden unterschieden sich auch hier von ihren Nachbarn, denn im Gegensatz zu ihren Nachbarnvölker waren alle Zelte der Kurden ausnahmslos schwarz. Es wird angenommen, dass die Geburt des Schwarzzeltes in Mesopotamien liegt und Hand in Hand mit der Domestizierung von Ziegen und Schafen stattfand.



Die Kurden unterschieden sich auch hier von ihren Nachbarn, denn im Gegensatz zu ihren Nachbarnvölker waren alle Zelte der Kurden ausnahmslos schwarz. Es wird angenommen, dass die Geburt des Schwarzzeltes in Mesopotamien liegt und Hand in Hand mit der Domestizierung von Ziegen und Schafen stattfand.

 

Um eine gleichmäßig nachhaltige Versorgung für Tier und Mensch zu erzielen, muss man je nach Notwendigkeit immer wieder zu neuen Weiden ziehen. Für diese Lebensweise benötigt der Mensch die Möglichkeit, sich eine Behausung zu schaffen, die leicht transportabel ist und schnell errichtet werden kann. Die Herden lieferten die Materialien für die Zelthaut und eröffneten somit dem Menschen, mit Hilfe des Zeltes, in einem gewissen Territorium herumzureisen. Mit der Domestizierung der Pferde bestritten die Nomaden für sich wiederum weitere Regionen, und sie konnten sich zur völligen örtlichen Ungebundenheit entwickeln.

Prof. Blau, der im Jahre 1858 in Serhed bei den kurdischen Stämmen war, beschreibt das kurdische Schwarzzelt folgend: Das gewöhnliche kurdische Zelt ruht auf 6-8 Säulen (Stûn), je 2-2,5 Zoll stark, Über diese wird die aus schwarzem und braunem mit Schafwolle übermischtem Ziegenhaar gewebte Zeltdecke gespannt, welche bis 1 Meter auf drei Seiten herabhängt, während der untere Teil der Wände Rohrgeflechte geschlossen wird. Die Vorderseite bleibt gewöhnlich ganz offen oder wird Teppiche verhängt. An die Zeltpflöcke auf dieser Seite werden die Reitpferde des Besitzers gebunden. Das Innere ist mit Teppiche und Polstern ausgelegt, bis auf eine Vertiefung im Vordergrunde, in welcher das Feuer brennt. Die Abteilung für die Hausfrau pflegt auch nach vorne dichter geschlossen zu sein doch nicht undurchsichtig.

Schwarzzelte sind mobile Behausungen der Nomaden in trockenen heißen Regionen. Signifikant für diese Zelte ist der Schwarzzeltstoff, ein einfaches Leinbindengewebe aus gesponnenem Haar der schwarzen Wüstenziege. Seit über 5000 Jahren ermöglichte das Schwarzzelt den Nomadenstämmen die Wüsten und Berge in all ihren Unannehmlichkeiten zu erobern. Alte Schriften und Bemerkungen in religiösen Texten beweisen seine lange Existenz.

„Als 'Haus der Steppe' wurde in mesopotamischen Keilschriften das Zelt bezeichnet, ein Epos spricht voller Mitleid von jenen Bergbewohnern, die 'keine Städte und keine Häuser' kennen. Wandbilder aus dem Audienzsaal des Assyrerkönigs Assurbanipal dokumentieren die Verachtung der Sesshaften gegenüber den Zeltbewohnern.“ Engelbert KOHL
Torvald Faegre, Forscher und Autor zum Thema Schwarzzelt, beweist mit Zitaten aus dem Exodus und Salomon die Bedeutung des Zeltes, im speziellen des schwarzen Zeltes, für die Menschen seit Jahrtausenden. Passagen im Exodus schreiben den Bau eines Zeltes genau vor, das den Tabernakel schützend umhüllen soll.
„'You shall also make the curtains of the goats‘ hair for a tent over the tabernacle; eleven curtains shall you make. The length of each shall be thirty cubits, and the breadth of each curtain four cubits; the eleven curtains shall have the same measure.‘ -exodus 26:7" Torvald FAEGRE

Wie die alten Schriften belegen, ist das Schwarzzelt eng mit Kultur und Religion der Völker verbunden.
Reisende Völker unterliegen keiner Staatsgewalt und keiner stationären Gesetzesform. Doch eine Religion kann hier die Normen von Recht und Unrecht aufgreifen und grenzenlos vermitteln. Hinsichtlich des Nomadentums erfüllen beispielsweise das Christentum und der Islam, Religionen mit gleichen Wurzeln, eine solche Funktion. Im alten und neuen Testament, wie auch im Koran, sind Anleitungen des Zusammenlebens zu finden, die teilweise auf nomadische Lebensweisen zurückzuführen sind.


Verwendete Quellen: http://www.wurzelwerk.at/ und Die Stämmen des nördlichen Kurdistan von Dr. Blau IN: Zeitschrift der deutsch-orientalischen Gesellschaft BAND 12

 

 

 


Das schwarze Zelt der Kurden

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