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Aufstände: Der Aufstand von Yezdanshêr (Yezdan Sher)
Geschrieben am Donnerstag, 18. September 2008 von Baran Ruciyar

Freiheitskampf

Mit dem Beginn des 19. Jahrhunderts kamen die Russen in verschiedenen Zeitabschnitten mit den Kurden in Berührung, und dieser neue Einfluss machte sich bemerkbar.

Die russisch-türkischen Kriege im 19. Jahrhundert waren in Kurdistan jedes Mal von enormer Rückwirkung. Zum einen breiteten sich die Kurden, nach der durch den Russen provozierten Auswanderung bzw. Vertreibung der Christen, in nördlicher und westlicher Richtung beträchtlich aus.

Zum anderen; unter den Druck der europäischen Mächte geraten, versuchte nun die Pforte die zentrale Autorität von Istanbul aus im ganzen Reich durchzusetzen. Im Zuge wurden die meisten autonom- und halbautonom herrschenden kurdischen Fürsten entmachtet, einige von ihnen waren bemüht ihre Lehngüter wiederzuerlangen, immer wieder kam es zu Aufständen dieser, oft dann, wenn das osmanische Reich anderweitig herausgefordert war.

Nach den zahlreichen Aufständen, der Badirkhaniden und anderer Fürsten, probten die Kurden in Hekarî und Botan 1853 einen neuen Aufstand, an dessen Spitze ein Bekannter stand.

Während des Aufstands der Badirkhaniden gelang es den Osmanen Yezdanshêr, der als Befehlshaber über die Ostflanke kurdischer Streitkräfte in den Krieg gezogen war, zum Rückzug zu bewegen und ihnen dem Weg nach Botan (Cizîra-Botan, die Hauptstadt der Badirkhaniden) zu öffnen. Die Osmanen drangen in Cizîr ein; Verraten von seinem eigenen Neffen musste sich Bedir Khan Beg, in die Festung Eruh begeben, und nach einem kurz andauernden Widerstand in dieser kapitulierte er schließlich.

Als Belohnung wurde Yezdanshêr zum Gouverneur der Provinz Hekarî ernannt. Da die Pforte weniger Jahre später seinen Einfluss auf die kurdische Bevölkerung fürchtete, wurde dieser aus seinen Ämter als Gouverneur entlassen.

Als 1853 ein neuer Krieg zwischen den Osmanen und Russen seinen Lauf nahm, verweigerten sich ein wesentlicher Teil der Kurden an diesem Krieg teilzunehmen. Ein Sprössling des Badirkhaniden-Hauses, Yezdanshêr, der zuvor eine negative Rolle bei dem Aufstand von Botan gespielt und seinem Onkel Bedir Khan aus Ehrgeiz und wegen persönlicher Rivalität verraten hatte, versuchte von diesen russisch-türkischen Kriegen zu profitieren und sich unabhängig zu erklären.

Im Frühjahr 1855 begann die Revolte des Yezdanshêr´s mit 2 000 Kriegern in Bitlis, das er auch ohne große Schwierigkeiten einnahm, und marschierte auf Mosul, das gleichfalls eingenommen wurde. "Die Konfiszierung von Waffen und Munition dieser wichtigen Niederlassung der Osmanen, erlaubte ihm, eine Armee von 30 000 Männern aufzustellen, die mit blitzartiger Geschwindigkeit Siirt befreite" (Kendal, 84; 56-57). Fast überall schlossen sich kampffähige Männer seinen Truppen an, so dass ihr Bestand zu Beginn des Herbstes 1855 100 000 Mann erreichte. Vorübergehend beherrschte er fast das ganze Gebiet zwischen Van und Bagdad.

Im Winter desselben Jahres, zogen sich die Russen in ihr Winterquartier zurück und ließen so der Pforte eine Atempause, das sie der Erhebung in Kurdistan widmen sollten. Doch mit wenigem Erfolg als erhofft; die durch den Krim-Krieg geschwächten Truppen, in der sie von den Franzosen und Engländer gegen Russland unterstützt wurden, hatten keine Chance gegen Yezdanshêr und seine Truppen. England und Frankreich hatten in dieser Phase kein Interesse an einen Kurdenstaat der wahrscheinlich unter dem russischen Einfluss standen wurde. Der britische Abgesandte Nimrud Rassam reiste Ende 1855 von Mosul aus zum Hauptquartier der kurdischen Bewebung. Nach dem er unterwegs mehrere kurdischen Aghas mit Geschenken, Geld und Waffen bestach, weigerten sich diese den Kampf fortzusetzen. Schließlich überredete Rassam auch Yezdanshêr zu Verhandlungen mit dem osmanischen Reich. Yezdanshêr ein unerschrockener Feldherr aber diplomatisch unerfahren, glaubte an die Versprechungen Rassams und an die guten Absichten des "zivilisierten England", da er keine Antworten auf seinen Brief an die russischen Führer erhalten hatte, in dem er um Unterstützung bat, weil er der Ansicht war, dass ein unabhängiger Staat, wie im Fall Griechenland und Ägyptens nur mit Hilfe europäischer Mächte geschaffen werden kann.

Im Begleitung von Rassen reiste Yezdanshêr nach Istanbul, um unter den Schutz Englands Verhandlungen mit den Repräsentanten der Pforte aufzunehmen. Doch es handelte sich um eine Falle. Yezdan Sher wurde festgenommen und eingekerkert.

Im Falle des Yezdanshêr fehlt es eindeutig an politischem Geschick und vor allem an Ziellosigkeit. Yezdanshêr verkörpert die Geschichte der Kurden unter der osmanischen Herrschaft wie kein anderer. Seine ihres Führer beraubten Truppen irrten noch einige Zeit in den Bergen umher und zerstreuten sich schließlich.

 


 

Quellen: Minorsky, Vladimir: Kurden. In: Enzyklopädie des Islam, Bd. 2, 1927. Kendal: Die Kurden unter der osmanischen Herrschaft In: Kurdistan und die Kurden, herausgegeben von Gerard Chaliand, Gesellschaft für bedrohte Völker 1984. Martin Strohmeier, Lale Yalçin-Heckmann: Die Kurden. Geschichte, Politik, Kultur, München 2003. Emine ERİNCİK, YEZDAN ŞÊR AYAKLANMASI (Botan, 1854-1856) IN: Mizgîn/Sayı 6, Diyarbakir. http://www.nzzfolio.ch/ (letzter Besuch: 14/03/08).

Der Aufstand von Yezdanshêr (Yezdan Sher)

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