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Freiheitskampf: Der Giftgasangriff auf Helebce (Halabja)
Geschrieben am Montag, 15. März 2010 von rinret

Freiheitskampf

Am 16. März 1988 zog durch die kurdischen Stadt Halabja auf irakischem Hoheitsgebiet ein unangenehmer Geruch, es duftete nach Äpfeln, süß wie Parfüm.Doch die 40.000 Bewohner von Halabja kannten aus den vergangenen Monaten, als immer wieder kurdische Dörfern unter dem Codenamen Anfal mit Giftgas bombardiert wurden, diesen Geruch sehr genau.

Was sich dann in den Straßen und Gassen ereignete, war ein unvorstellbares Grauen. Die Bewohner von Halabja fühlten wie ihre Augen anzubrennen begannen, bekamen Atemnot, manche erblindeten in wenigen Sekunden, andere lachten noch kurz hysterisch auf, bevor sie zusammenbrachen. Die Körper von Menschen und Tieren lagen in der Stadt verstreut übereinander, alles Leben war in wenigen Minute ausgelöscht. Es starben 5000 Menschen, darunter vor allem Kinder, Frauen und alte Menschen, die nicht die Kraft hatten, so schnell aus der Stadt zu flüchten.

Die wenigen, die Richtung iranische Grenze fliehen konnten, flohen aus Angst vor weiteren Angriffen auf Wegen abseits der Straße, Wege, die vermint waren, so dass hier auch noch viele ihr Leben verloren.

 

Der Angriff soll von dem irakischen General Ali Hasan al-Madschid angeordnet worden sein, der seitdem von vielen als "Chemical Ali" geächtet wird und in den späteren Gerichtsverhandlungen gegen das irakische Regime verurteilt wurde.

Es wird heute angenommen, dass Senfgas, Sarin und das Nervengas VX zum Einsatz kamen.

 

Halabja_2.jpg

 

Die Nachwirkungen dieses Angriffs waren ebenso schrecklich wie der plötzliche Tod in der Stadt. Weitere Tausende starben an den Folgen des Angriffs und unzählige erlitten Gesundheitsschäden, die heute noch ihre Auswirkungen zeigen. Immer noch treten bei den Menschen Krebs, Hautkrankheiten, Nervenlähmungen oder Fehlgeburten in erhöhter Zahl auf. Forschungen haben sogar ergeben, dass es durch das Giftgas zu genetischen Veränderungen am Menschen kommt.

 

Bekannt wurde das Massaker nur, da zufällig Journalisten und Wissenschaftler kurz danach in diese Gegend kamen, die somit das Grauen dokumentieren konnten.

 

Der Giftgasangriff fiel die Zeit des Iran-Irak-Krieges, in dem die USA im Hintergrund mitmischte und Saddam Hussein unterstützte. So kam es dazu, dass Washington zuerst den Iran oder beide Länder (Iran/Irak) für den Anschlag verantwortlich machen wollte. Erst zwei Jahre später nach der Invasion Saddams in Kuwait machte die USA den Irak für diese Operation verantwortlich.  

In den Medien wird dieses Massaker bis heute wieder aufgegriffen. So versuchen viele Internetseiten wie zum Beispiel http://www.halabja.org/ die Öffentlichkeit weiterhin aufmerksam zu machen, um das schreckliche Ereignisse nicht in Vergessenheit geraten zu lassen.

Auch der bekannte Filmemacher Bahman Ghobadi greift das Thema in einem seiner Filme auf – „Turtles can Fly“(Schildkröten können fliegen) hat ein Geschwisterpaar, die das Massaker in Helebce überlebten, als Hauptfiguren zum Inhalt.

Anlässlich des 20. Jahrestages von Helebce im Jahre 2008  fanden viele Gedenkveranstaltungen statt, u.a. auch der Deutsche Bundestag, wobei Claudia Roth einen Antrag einbrachte, den Toden zu gedenken und den Überlebenden Hilfe zukommen zu lassen. 


 

Quelle: Artikel der New York Times, Jan Keetman: Wer bombardierte Halabja.ak, B. Ghobadi: Schildkröten können fliegen. OmU, DVD, Alive 3.Feb.2006, http://www.gruene-bundestag.de/cms/internationales/dok/221/221649.die_giftgasangriffe_auf_halabja.html (letzter Besuch am 18.07.09); http://www.linksfraktion.de/rede.php?artikel=1391111116 (letzter Besuch am 18.07.09)


Der Giftgasangriff auf Helebce (Halabja)

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