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Diaspora: Die Kurden in Aksaray
Geschrieben am Dienstag, 02. September 2008 von Baran Ruciyar

Diaspora

Seit Jahrhunderten lebt eine kurdische Diasporagemeinschaft in der zentralanatolischen Ebene rund um die heutigen türkischen Provinzen Konya, Afyon, Aksaray, Ankara, Karaman, Kirsehir, Nevsehir und Nigde. Jenes Gebiet also, welches im Mittelalter als "Klein-Asien" oder später von den Arabern als "Bilad-al Rum" („Griechenland") bezeichnet wurde.

Sie wurden gewaltsam von dem Osmanen vor Jahrhunderten zum größten Teil in eine trockene und lebensfeindliche Gegend deportiert. Das Leid und den Kummer, das sie während dieser Deportationen erleben mussten, haben sie in ihren Liedern und Geschichten festgehalten. Ein Lied der Kurden in Kirşehir, welches auf einer wahren Liebesgeschichte zur Zeit ihrer Deportation nach Anatolien beruht, lautet:

Malan barkir lê lê çûne waran lê
Dînê lê dînê lê Dînara min
Goştê me xwar lê lê mişk û maran lê
Keçê lê rindê lê bermaliya min

(„die Häuser sind fortgezogen in die Ebene
Du meine Tolle, mein Geld
Unser Fleisch wurde von Schlangen und Mäusen zerstückelt
Du meine Schöne, meine Hausfrau")

Ez sewî me lo lo ber desta me lo
Delalo delalo delalê min
Brîndar im lo lo bê xwedî me lo
Hevalo hevalo hevalê min

("Ich bin ein Waisenkind, du lass meine Hände
Du Hübscher, mein Hübscher
Ich bin verletzt und herrenlos
Freund! Mein Freund")

Malan bar kir lê lê koç bi rê ket lê
Dînê lê dînê lê Dînara min
Dilêm eşiya lê lê agir pê ket lê
Keçê lê rindê lê bermaliya min

("die Häuser sind fortgezogen, Abwanderungen sind im Laufe
Du meine tolle, mein Geld
Meinem Herzen hat’s weh getan, als sei es im brennenden Feuer
Du meine Schöne, meine Hausfrau")

Man verfügt nicht über ein exaktes Deportierungsdatum der Kurden nach Zentralanatolien. Viele der heute in Zentralanatolien beheimateten Kurden-Stämme, wurden durch die so genannte "Aşiret-fermanu", („Erlass zu Ausrottung eines Stammes"), welche von den Osmanen erlassen worden ist, zwangsweise nach Zentralanatolien deportiert. Viele Stämme haben diese Erlasse bis heute noch aufbewahren können. Darin wird dem Stamm bekannt gegeben, dass sie nach Zentralanatolien auswandern oder aber ihrer Vernichtung ins Auge sehen müssen.
Jedoch gibt es auch weitere Beweise für eine kurdische Präsenz in dieser Gegend: Französische Reisende Vital Cuinet (1890-1894), Georges Perrot (1861-1872) und der Oxfort Archäologe W.M. Ramsay (1851-1939) bestätigten dies bereits im 18. Jh.. Cuinet geht davon aus, dass die Kurden aufgrund ihrer guten Anpassung bereits mind. 2-3 Generationen in Zentralanatolien leben.

Ihre Zahl übersteigt mittlerweile Millionen. Der türkische Ethnologe und Dozent der "Ege-Universität" Servet Mutlu veröffentlichte im Jahre 1990 im Zuge der Parlamentswahlen ein Buch über die ethnische Gestaltung der Türkei, in welchem er die Zahl der in Anatolien beheimateten Kurden folgendermaßen beschrieb: Ankara 243.600, Çankırı 3.500, Çorum 23.700, Eskişehir 19.900, Kayseri 43.300, Konya 104.000, Kırşehir 17.000, Nevşehir 6.100, Niğde 14.500, Yozgat 13.100, Adana 194.300, Amasya 2.700, Burdur 500, Kastamonu 1.100, Sinop 2.100, Tokat 12.200.


In Aksaray lebende Kurden machen wahrscheinlich 20-25% der Gesamtbevölkerung der Provinz Aksaray aus. Sie sind meist im nördlichen Teil der Provinzen in den Landkreis Hilkecik (tr: Ekecik) beheimatet. Ihre Siedlungsgebiete sind meist unmittelbar mit türkischen Siedlungsgebieten verbunden. Auch dies war eine von den Osmanen auf den Weg gebrachte Politik, mit der man Kurden auf dem schnellsten Weg assimilieren wollte. Die Kurden in Hilkecik sind bis heute sowohl ihrer Kultur als auch ihrer Sprache treu geblieben.

Kurdische Dörfer in Aksaray nach ihren Dialekten verteilt:

Akın : Kurmanc
Alayhan : Kurmanc /Dimilî
Babakonağı : Kurmanc
Bebek : Kurmanc
Borucu : Dimilî
Büyük Pörnek : Kurmanc / Dimilî
Cami : Kurmanc
Cangıllı : Dimilî
Çavdarlı : Kurmanc
Çalı Bekir : Dimilî
Çekiçler : Dimilî
Çolak Nebi : Kurmanc
Düğüz : Kurmanc
Ekecik Gödeler : Dimilî
Ekeceiktolu : Dimilî
Ekecik Yeniköy : Dimilî
Fatmauşağı : Kurmanc
Gökkaya : Kurmanc
Göksugüzel : Kurmanc
Kalebalta : Kurmanc
Karaçayır : Dimilî
Karakova : Kurmanc
Karakuyu : Dimilî
Koyakköy : Dimilî
Küçükpörnek : Kurmanc
Çavdarlı : Kurmanc
Macir : Kurmanc
Macarlı : Kurmanc
Kışla Sor : Kurmanc
Reşadiye : Kurmanc
Sağırkaraca : Kurmanc
Salmanlı : Dimilî
Sarıağıl : Kurmanc
Susadı : Kurmanc
Şeyhler : Dimilî
Taptuk : Dimilî
Tepesidelik : Kurmanc
Yalnızceviz : Kurmanc
Yanyurt : Dimilî

Die heute in Zentralanatolien beheimateten Kurden haben mittlerweile eine höchst emotionsgeprägte Gemeinschaft gebildet und leisten auch ihren Beitrag zum kurdischen Freiheitskampf. Seit kurzem haben auch sie sich in die verschieden Länder Europas begeben und sind Teil einer kurdischen Diaspora in Europa geworden. So gibt es heute sowohl in Schweden als auch in Dänemark eine beträchtliche Anzahl an Kurden aus Zentralanatolien. Die Kurden aus Hilkecik leben dagegen zum größten Teil in den Niederlanden und in der Schweiz. In Holland verfügen sie seit kurzem über einen Kulturverein, welcher versucht, die Kultur und Gesellschaft der Kurden in Hilkecik am Leben zu halten.

In Hilkecik beheimatete Kurden sind meist strenggläubige Anhänger des sunnitischen Islam. Unter ihnen sind beide nordkurdische Dialekte Kurmancî und Kirmanckî verbreitet. Kirmanckîsprecher sind leicht gegenüber den Kurmancîsprecher in der Überzahl. Sie sprechen einen Dialekt, die sich Aksarayî oder Hilkecikî nennt. Dieser Dialekt des Kirmanckî unterscheidet sich geringfügig von dem in Siverek und Nord-Diyarbakir gesprochenen Kirmanckî, welche man speziell Dimilî nennt.

 

 

Aksarayî – Deutsch Wörterbuch


A

Aca : da
Adir : das Feuer
Afînayîş : auslegen
Aftayîş : sich Trauen
Agûnayîş : es blitzt
Akerde : ist offen
Akerdayîş : Öffnen
Aye : Mutter
Aşmî: Mond


B

Balliokî : Pickel
Başarî : das Auge
Bayîk : Opa
Bermayîş: Weinen
Biyve : die Hochzeit
Bukî : die Braut


C

Ca : Platz
Camîerd : der Mann
Ceer : vier
Ceersê : vierhundert
Ceneki : Frau
Cicik : die Brust


Ç

Ça : Wo, wohin
Çara : wo lang
Çi : was
Çim : das Auge
Çire : Warum denn
Çirekî : deshalb, ob
Çito : Wie
Çiyko : Was ist das?


D

Daşûrxûna : die Toilette
Defîndîş : Überraschen
Delalî : schön, begehrt
Dereng : Spät
Derg : Lang
Didûn : der Zahn
Dimilîkî : Kirmanckî, Zaza
Diwletî : reich
Dûr : Umgebung


E

E´mê : immer noch!
E´rbet : Hässlich
E´rewkî : arabisch
Erdîşî : der Knochen
Eyê : Ja
E´zmûn : der Himmel
Ez : ich


F

Fek : der Mund
Feteliyayîş : Umkehren
Filûn : dies das
Firenge : Tomate


G

Ga : ochse
Gioni : das Blut
Girûn : Langsam
Giêc : Behindert
Gûaş : das Ohr


H

Hak : das Ei
Hawa : der Wind
Her : der Esel
Herrî : der Grund
Hez beyîş : geliebt werden
Hin zî : auch, noch dazu
Hiskî : sei ruhig
Hîrê : Drei
Hîris : dreißig
Hûwt : sieben


I

Ini : so
Ini : umsonst
Inna : das ist
Innê : sie sind
Innikê : Jetzt, nun
Iyê : jene
Iyî : jener


Î

Îdî : der Rest
Îro : heute
Îsûn : der Mensch
Îta : hier


J

Je´ne : Tausendsfüßler


K

Kalî : das Alter
Kar : Arbeit
Kardî : das Messer
Kemî : das Fehlen
Kiştiş : töten
Kiy : wann
Kîe : Haus
Kûo : der Berg


L

Lac : der Sohn
Lez : beeilen
Lîyr : das Kind


M

Ma : die Mutter
Ma : Wir
Mendîş : Aufstehen
Mîêrdek : der Mann
Mûnga : die Kuh
Mûna : vielleicht, So!

N

Na : das hier
Narê : diesmal
Newe : neu
Nê : dies, dieser, dieses
Niw : neuen
Niwê : neunzig
No (m) : diese, dieser, dieses
Nî (w) : dies, dieses, dieser
Niê : Nein
Nîni : die hier


O

Ode : die Zimmer
O : er


P

Pa : mit, dadurch
Par : letztes Jahr
Payîz : der Herbst
Pere : das Geld
Pers : die Frage
Piyi : Danach
Pîy : hinterher
Pûnc : fünf
Pûncah : fünfzig
Pûr : Voll


Q

Qali : Satz, Wort
Qalî biyîş: davon reden
Qatix : das Jogurt
Qe : niemals
Qewe : Kaffe
Qic : Klein
Qunêkî : Nutte
Qirayîş : Aufschreie


R

Ra : Künftig
Rasta : stimmt
Rê : der Weg, Wahlstimme
Ri : Gesicht
Rind : schön, gut, besser
Rind kerdîş : Schön gemacht
Rindî : schön
Riz : Reis
Rîoc : die Sonne
Roşûn : Feiertag


S

Sayî : der Apfel
Se : Hundert
Se : Was?
Ser : oben, über
Serri : das Jahr
Sipî : Weis
Sîa : schwarz
Sûkî : die Stadt


Ş

Şa : sich Freuen
Şar : das Volk
Şawîtîş : Weg schicken
Şeq : Bein
Şer : Misstat
Şeş : sechs
Şeştî : sechzig
Şillî : regen
Şima : Ihr
Şiwî : Nacht
Şûn : Abend


T

Tapara : wieder
Teng : eng
Têyn : bisschen
Ti : du
To : dir, dich
Tim : immer
Tîyş : durstig


Û

Ûca : da, dort
Ûnde : das war’s
Unike : Oma
Ûrdî : sehr klein
Ûsar : Frühling


V

Vaciyayîş : Selbstgespräch führen
Varan : Regen
Vatîş : sagen, erzählen
Vaztîş : Laufen, rennen
Veng : leer
Veng : die Stimme
Ver ra : vorn
Verdîş : lassen
Vitîş : fallen lassen


W

Wir biyîş : runter kommen
Wastiş : wollen
We : Schwester
Wuet : andere Seite


X

Xafil : auf ein mal
Xalik : Onkel (Mütterlicherseits)
Xaltî : Tante (Mütterlich.)
Xêyca : außer
Xi : sich, selbst
Xof : die Angst
Xort : Jung


Y

Ya : O (w)
Ya Çax : jetziger Zeit
Yene : Freitag
Yene : Quelle


Z

Zame : Bräutigam
Zef : viel
Zern : Gold
Zîa : trocken
Zûrrî : Lügen



Quellen:
(*)Orta Anadolu Kürtleri (Die Kurden Mittelanatoliens), Evrensel Basım Verlag, 2004 Istanbul,
(*)Meme Hilkecikî, Ferhenga Hilkecikî, Bîrnebûn 20
(*)Ömer YILDIRIM- Anadolu'da Yaşayan Sürgün Kürtler-1-2 IN: Mizgîn/Sayı 12/13 Diyarbakir
(*)
www.xelkedondurma.com (letzter Besuch: 04/03/08)
(*) [http://www.hilkecik.com Hilkecik.com]
 (letzter Besuch: 04/04/08)

 


Die Kurden in Aksaray

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