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Afrika/Asien/Australien: Die Kurden in Naxçivan (Nachtschiwan)
Geschrieben am Montag, 29. September 2008 von Baran Ruciyar

Diaspora

Die heutige Autonome Republik Naxçivan (zu Deutsch: Nachtschiwan), die unter der persischen Herrschaft bis 1828 ein eigenes Lehen für sich war, fiel nach dem Russisch-Persischen Krieg im Friedensabkommen von Turkmentschai an Russland bzw. Sowjetunion.

In der Sowjetära anfangs der 20iger des vergangenen Jahrhunderts wurde Naxçivan zu einem autonomen Gebiet innerhalb Aserbaidschans erklärt, jedoch siedelten die Russen im Sangesur, das heute Naxçivan von der Republik Aserbaidschan trennt, Armenier an, so dass Naxçivan zu einer Enklave wurde. Nach dem Zerfall der Sowjetunion erhielt die Region seinen heutige Status, als eine autonome Republik von Aserbaidschan.

 

Die Bevölkerungsmehrheit in Naxçivan bilden die schi´itischen Aserbaidschaner, daneben existiert hier auch eine kleine kurdische Minderheit. Naxçivan bildet die Grenze zwischen Armenien und der historischen Region Aserbaidschan, die in der Antike ein Teil des iranischen Reiches der Meder gewesen sein soll. Auch in den darauffolgenden Jahrtausenden besiedelten iranische Völker das Gebiet und bis zur Ankunft der Oghuz-Türken blieb es auch dabei. Spätestens nach der Aufstieg der Qizilbaş im Iran wurde das Gebiet zu einer kosmopolitischen Region, in der viele ethnische und linguistische Elementen aufeinander trafen. Noch in den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts waren hier Aserbaidschaner, Armenier, Aramäer und nomadische Kurden beheimatet, wobei die Kurden traditionell die Mehrheit unter der Bevölkerung im westlichen Aserbaidschan bzw. Nordostkurdistan darstellen.

Die ersten Zeugnisse über die Kurden in dieser Region gehen auf dem auf das 10. Jh. zurück. Die erste kurdische Dynastie in dieser Region um Täbriz wurde von Muhammad ibn Husain vom Stamm der Rewaviden gegründet und bestand bis zum Beginn des 13. Jh.. Zur etwa gleichen Zeit waren die Kurden um Daysam, ein kurdische Kommandant, der nach der Herrschaft von Sajid sporadisch Aserbaidschan in der Zeit von 938 bis 955 beherrschte, Einflussreich in der Region Aserbaidschan. Als im Jahre 948 der dailamitische Statthalter Aserbaidschans in Ray umkam, fiel das Land in schwere politische Wirren. Jedes Oberhaupt, der eine Gefolgschaft hatte, richtete sich als unabhängiger Herrscher irgendeiner Stadt oder Bezirkes ein. Unter ihnen war auch ein gewisser Muhammed bin Shadda bin Kartu, ein Kurden aus dem Stamm Shadiyan, der später zum wirklichen Herrscher Aserbaidschans wurde. Diese Instanz hatte er offenbar einige Jahre inne, dann begann der Verfall seiner Macht. Seine Nachfahren konnten sich nur in der Provinz Aran (die heutige Republik Aserbaidschan) um Gandja behaupten. Die wichtigsten Städte der Shaddadiden waren; Demirkapu, Tiflis, Gandja, Ani, Dwin sowie die Regionen Karabagh und Naxçivan. Auch später nach der Ankunft der Türken in dieser Region bleiben die Kurden Präsenz.

Unter den Safaviden wurde ein kurdischer Stamm in der Region ziemlich einflussreich. Die Dimili verwalteten die Region nordwestlich von Xoy um Sukmanabad; Shah Tamasp fügte ihrem Lehen Xoy hinzu und belehnte sie des weiteren mit der Burg bei Naxçivan. Sheref Khan nach, der selbst eine Zeit lang während seines Aufenthalts in Iran von Shah Tamasp zum Gouverneur von Naxçivan ernannt worden war, waren die Dimili ursprünglich aus Botan, und wanderten aus diversen Gründen nach Aserbaidschan, Mûş, Erdexan, Naxçivan usw.. Die Dimili sollten noch bis zum Beginn des 20. Jh. ein einflussreicher Stamm in dieser Region bleiben.

Noch in der erste Hälfte des 19. Jh. stellten die Kurden eine bedeutsame Minderheit in Naxçivan dar. Die meisten von ihnen waren Anhänger des schi´itischen Islam und waren bilingual. Wie die Dimili auch, die laut Minorsky im 19. Jh. ihre Muttersprache, Kurdisch, mit dem Aserbaidschanischen tauschten, nahm der wichtigste Teil der Kurden in Naxçivan, dieselbe Sprache an. Diese Assimilation der Kurden in die aserbaidschanisch-türkische Sprache hat seinen Lauf im 16. Jh  mit der Gründung der schi´itischen Konfession genommen. Zahlreiche kurdische Stämmen in Aserbaidschan nahmen die Sprache ihrer Nachbarn, der türkischen Aserbaidschaner, an, nach dem sie Anhänger des Schi´itismus wurde.

Şamil bestätigt die Existenz dieses Phänomens auch unter den Kurden in Naxçivan; nur die ältere Generation der zu Beginn des 20. Jahrhunderts in dem Dorf Kilit nahe Naxçivan-Stadt lebenden Kurden sprach damals Kurdisch. Hinzu kommt, dass wie es scheint auch seitens der aserbaidschanischen Behörden sehr klare, von großtürkischen Chauvinismus getragene Stellungnahmen und assimilierende Praktiken gibt. Unter Stalin wurde der beträchtliche Teil von ihnen nach Zentralasien deportiert, wo sie heute noch Leben.

Die noch in Naxçivan lebenden Kurden sind in den Distrikten Sadarak und Teyyaz beheimatet. Da es keine glaubwürdige Statistiken bezüglich der Zahl der Kurden in Naxçivan gibt kann man ihre Anzahl nur schätzen. Vermutlich beträgt die Zahl der in Naxçivan verbliebenen Kurden zwischen 3-5 Tausenden Menschen. Der selben Quelle (siehe Şamil, Kapitel „Kurden in Aserbaidschan") nach sind die meisten der in den 80igern hier lebenden 20 Tausend Kurden, nach dem Zerfall der Sowjetunion aus ökonomischen Gründen nach Russland und Zentralasien emigriert.   

 


Quellen: Hejar, Şamil; Diaspora Kürtleri, Peri yayınları 2005. Die kurdische Diaspora, ii. (Hg.): Kurdistan und die Kurden, Bd. 3, 1988. Yalçin-Heckmann, L.; Müller, D.; Zwischen Assimilation und Akkomodation : zur Geschichte und Gegenwart der Kurden in Aserbaidschan [Beitrag im Sammelband] Die Kurden : Studien zu ihrer Sprache, Geschichte und Kultur, 151-206 (2004). Flint, Julie; The Kurds of Azerbaijan and Armenia, London. Kurdish Human Rights Project. 1998. iv,110p. A. B. Bukşpan; Azerbaycan Kürtleri, Peri Yayinlari 2007.

Die Kurden in Naxçivan (Nachtschiwan)

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