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Südkurdistan: Die Luti
Geschrieben am Sonntag, 07. September 2008 von Baran Ruciyar

Geographie rinret schreibt:

Die Luti sind eine Volksgruppe im Iran, die vorwiegend im Gebiet von Loristan und Bakhtaran (Kirmashan) leben. Über die Kultur und Sprache der Luti ist nur sehr wenig bekannt und Literatur findet man über dieses Volk so gut wie nichts. So liegen auch ihre Herkunft und ihre Geschichte im Dunkeln und man kann heute nur noch Vermutungen anstellen. Auch ihre Sprache ist vom Aussterben bedroht. So konnte S. Amanolahi, der selbst aus Loristan stammt, keinen Luti finden, der noch eine Geschichte oder ein Lied in seiner Sprache vortragen kann.

Die Luti[1] werden im Iran auf etwa zwei bis dreitausend Menschen geschätzt, wobei etwa 1000 von ihnen in Loristan ansässig sind. Die meisten von ihnen leben auf dem Land und nur sehr wenige in den Städten, in der Hauptstadt Khurramabad leben nur 50 bis 100 dieser Volksgruppe.[2] Die Luti sind meist bilingual und sprechen Luri und Farsi. Wie bereits erwähnt, stirbt ihre Sprache aus, so konnten die Luti schon 1975 nur noch einzelne Wörter in ihrer Sprache nennen. Ihr Sprache selbst wird Lutiyuna (Sprache der Luti) oder auch Darvisi genannt. Die wenig gesammelten Beispiele lassen erkennen, dass Luti keine nahe Verwandtschaft mit dem geographisch benachbarten Luri aufweist.

Es gibt Thesen, die das Luti zu den indischen Sprachen zählen und das Volk, wahrscheinlich auch wegen ihrer Lebensweise, zu den im Iran lebenden Roma. Die dürftige Ausbeute linguistischer Beispiele geben dieser These allerdings kein klares Fundament.


Hier einige Beispiele:

Deutsch | Luri | Farsi | Luti | Romani im Iran
Hund | sag | sag | sanuta | sanafta
Auge | tiya | çeshm | nahur | nahur
Pferd | asb | asb | goura | ghora
Ochse | gow | gov | tirang | tirang
Brot | nu | nan | mana | mana
Mann | peya | mard | mones | mones
Tochter | doxtar | doxtar | dontaz | dontaz
Bruder | brar | brather | bri
Mutter | da | mather | daghes
Vater | bowa | padar | baghes
Sohn, Junge | kor | pesar | kala
gut | xo | xob | dax | xabeh
Führer| kexa | kadxoda | gowari
Nacht | show | shab | rad | lail (arabisch)
Schlagen | ab-za | ae-zan | batavar | taburdan


Traditionell betreiben die Luti keinen Ackerbau und besitzen auch kein Land, sondern sie leben von den Einnahmen als Musiker und Entertainer und führen bei den benachbarten Luri während des Beschneidungsfestes die Beschneidung durch. Außerdem stellen sie verschiedene Holzwaren für den täglichen Gebrauch her. Sie haben eine strenge Arbeitsteilung, so sind die Frauen für den Haushalt zuständig während die Männer musizieren und die Holzwaren herstellen. In letzter Zeit gibt es auch Luti, die Eigentümer eines kleinen Landes sind, was sie bewirtschaften. Dieses Land erhielten sie vor allem durch die durchgeführte Landreform zwischen 1963 bist 1970.

In Pusht-i Kuh, nördlich von Abdanan leben auch halbnomadische Luti, die Ziegen, Schafe, Pferde und Esel besitzen. Sie sollen dort aus Ilam eingewandert sein und haben sich bis heute ihr halbnomadisches Leben erhalten. Sie stellen auch noch die traditionellen Holzprodukte des täglichen Bedarfes her.

Die Einnahmen der Musiker können Geld sowie Waren oder Essen sein. Das lukrativste Geschäft der lutischen Musiker ist eine Hochzeit. Da nicht nur der Braut und dem Bräutigam Geld von den Gästen angeheftet wird sondern auch den Musikern.

Eine besondere Stellung hat hier der Dali. Der Dali ist ein Mann, mit einer besonderen Stimme. Er singt die lutischen Lieder nicht nur sondern komponiert sie auch selbst und schreibt den Text dazu. Meist handeln die Lieder von vergangenen Schlachten, Helden oder sie schreiben Lieder, gegen besondere Bezahlung, über den Auftraggeber. Auch sind die Luti für ihre satirischen Lieder bekannt. So geben die Nachbarn den Luti gutwillig Geld und Geschenke, da sie Angst haben, Hauptperson ihrer satirischen Lieder zu werden.

Eine weiter Einnahmequelle der Luti ist betteln. Zu verschiedenen Zeiten im Jahr gehen die Männer von Haus zu Haus der lurischen Obersten und betteln um Geld, Kleidung und Essen. Während der Ernte oder Aussaat gehen sie auch auf die Felder und fragen nach Feldfrüchten oder Samen.

Wie die auch die Clans der anderen Ethnien vom Iran sind die Luti patrilinear und leben oft nicht gemeinsam in einer Gegend sondern sind regional zerrissen. Nicht-Luti bezeichnen sie mit dem Namen des Unterclans (Lineage), wobei hier fünf verschiedene existieren: Die Shama, die zum Clan der Sagvand gehören, die Bisavand zählen zum Clan der Baharvan, wobei hier einige unabhängig vom Clan in Khurramabad leben, die Qajar rechnet man zu den Mir und die Konar werden zu den Papi und Qalavand gerechnet. Jedoch behaupten die Shama und die Konar eine gemeinsamen Vorfahren zu haben.

Wohl vor allem durch ihre Lebensweise gelten die Luti als Ausgestoßene in der Gesellschaft. Deshalb ist es für sie undenkbar eine Verbindung mit einem benachbarten Volk einzugehen, wohl vor allem aus diesem Grund sind die Luti endogam. Sie leben in monogamer aber auch polygamer Beziehung.

Durch ihren ausgestoßenen Status haben die Luti den niedrigsten Status in der Gesellschaft. Da nur wenige Landbesitzer sind und diese nur sehr kleine Länderein ihr eigen nennen können sind die Luti sehr arm. Auch die Menschen, die in die Städte abgewandert sind, haben keinen besseren Status, das sie dort nur die niedrigsten Arbeiten verrichten. Eine bessere Anstellung wird ihnen von den anderen nie zugestanden.

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[1] Quelle: Amanolahi, S. und E. Norbeck: The Luti, an outcaste group of Iran.
IN: Rice University studies 1975, S. 1-12

[2] Daten stammen aus dem Jahre 1975


Die Luti

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