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Altertum: Die Meder
Geschrieben am Dienstag, 04. März 2008 von Baran Ruciyar

Allgemeine Geschichte

Die Eisenzeit brachte auch in Iran, früher Aryanam gennant, Veränderungen, Wanderungen und Umschichtungen mit sich.

Die iranischen Völker zwischen dem Kaspischen Meer und Persischen Golf traten nun vermehrt in den Vordergrund. Während die iranischen Völker weiter westlich (Urartu, Hurri etc.) wichtige Aktuere der Geschichte waren.

Vor allem die Meder und Perser waren in Iran bestimmend. Diese wurden auch von den Assyrern bei ihren Feldzügen immer wieder ab Mitte/Ende des 9. Jh.s v.u.Z. erwähnt, wobei der Schwerpunkt bei den Medern lag. Damit sind die beiden großen Gruppen der West-Iraner in die schriftliche Überlieferung gelangt.

Die Meder vor der Errichtung ihres Staatsgebildes

Erste historische Belege bezüglich den Medern stammen von den Assyrern aus dem Jahr 836 v.u.Z. Als die Assyrer mit den Medern zusammenstießen, bildeten die Meder und Perser keine größeren Verbände. Die von den Assyrern als „Könige" bezeichneten Häuptlinge (es werden mehrere Dutzend genannt) konnten wahrscheinlich nicht mehr als 2000 bis 3000 Krieger ins Feld führen. Die Meder sind höchstwahrscheinlich Bauern und Almhirten gewesen, die nach den Beuteangaben der Assyrer vor allem Pferde und Schafe hielten. Ihre Wirtschaftsweise dürfte der heutigen kurdischen Stämme entsprochen haben, deren Herden je nach den Jahreszeiten auf den Almen oder im Tiefland geweidet werden, während Teile des Stammes in den Bergtälern Dörfer bewohnten und Gartenbau bzw. Ackerbau treiben. Die Stämmesführer besaßen Burgen oder setzten sich in kleineren Städten fest. Samsi-Adad (823-811) eroberte die medische Stadt Sagbittu, und Tiglatpilesar III. (744-727) meldete die Einnahme der Stadt Zakruti, der „Stadt der mächtigen Meder", was vielleicht schon auf eine beginnende Machtkonzentration deutet. Tiglatpilesar scheint alten Handelsstraßen gefolgt zu sein, die zu den Lagerstätten von Lapislazuli, Kupfer und Zinn führten. Von den Lokalkönigen des Nordwestiran forderte er neben Pferden Abgaben an Metallen und Lapislazuli.

Staatsbildung durch die Meder

Nach der Auflösung der Konföderation der Nairi und vor allem nach Abschwächung des Urartu-Staates ab 740 v.u.Z. traten die Meder immer mehr in den Vordergrund. Die erste medische Staatsform beherbergte in sich die Stämme der Askelom, Medya, Edom, Huab, Ammon und Ethiopia. Nach und nach kamen die Urartäer, Gutäer, Kassiten, Lulubäer, Mannäer und Ubiskias teils durch Eroberungen hinzu. Unter dem medischen Staat kamen sozusagen alle Stämme bzw. Völker zusammen, aus denen sich die heutigen KurdInnen zusammensetzen. Dieser Aspekt ist sehr entscheidend, denn der medische Staat ist die erste Staatsform, in der alle die Gemeinschaften unter einer eigenen politischen Macht stehen. Viele kurdische Geschichtsforscher heben diese Entwicklung besonders hervor. Heute befürwortet die überwiegende Mehrheit der Geschichtsforscher die These, dass die Meder die Vorfahren der heutigen Kurden sind. Auch in vielen kurdischen Sagen, Liedern und Erzählungen wird von den Medern und ihren grossen Reich berichtet.

Erst ab etwa 700 v.u.Z. bildete sich das Königstum unter ihnen aus. Bis dahin wurde die Führung von den verschiedenen Stämmen gemeinsam ausgeführt. Die medischen Könige sind der Reihe nach: Deiokes 700 – 647, Phraortes (Keyfiribzer/Keyfervas) 647 – 625, Kyaksares (Kyakser) 625 – 585, Astyages (Istuwegu/Keyazdiyak) 585 – 550. Die Hauptstadt der Meder war Egbatana, das unter dem heutigen Hamadan liegt.

Trotz des zentralen Staates hatten die Provinzen und ihre fürstlichen Herrscher im Medischen Reich eine sehr große Bedeutung. In den westiranischen Gebiet war die (Kon-)Föderation sehr ausgeprägt, worauf wir mehrmals zuvor eingingen.

Angriffe der Assyrer

Der Medische Staat erstarkte vor allem im Kampf gegen die anstürmenden und erbobernden Assyrer. Diese Angriffe waren der Hauptgrund einer schnellen Herausbildung eines Staates in dieser Form. Die Angriffe der Assyrer zielten in erster Linie daraufhin hinaus, die Rohstoffe des Zagrosgebirge ausbeuten zu können. Weiterhin waren u.a. die Pferde der Meder von Interesse für die Assyrer. Denn die Meder und die anderen iranischen Völker züchteten grosse Herden von Pferden. Auch spielte der Aspekt der Sklavenanschaffung eine Rolle. Die Assyrer benötigten für die grosse bewässerte Landwirtschaft – diese wurde mit Benutzung des Eisens ausgeweitet- in Mittelmesopotamien viele Arbeitskräfte. Die assyrischen Männer waren zumeist in den kriegerischen Auseinandersetzungen.

Das Neuassyrische Reich hatte eine sehr grosse Zahl an Sklaven, die bis dahin von keinem früheren Staat erreicht wurde. Es war auch dieses Reich, dass sehr viele Völker des Nahen Ostens versklavte.

Die Eroberungen des Assyrischen Reiches erlangten zu Beginn/Mitte des 7. Jh.s v.u.Z. ihren Höhepunkt. Um die Mitte des 7. Jh. v.u.Z. ist fast der ganze Nahe Osten unter der Hegemonie der Assyrer (ganz Mesopotamien, Zagros, Süd- und Mittelanatolien, Palästina-Syrien, Ägypten und nördliche arabische Halbinsel).

Das Zentrum des Assyrischen Reiches bildete die Hauptstadt Ninive und die Stadt Assur am Fluss Tigris in Mittelmesopotamien, das damalige assyrische Kernland.

Aufkommender Widerstand

Die grosse Ausbeutung durchs Assyrische Reich führte ab Mitte des 7. Jh.s zwangsläufig dazu, dass fast alle Menschen im ganzen Reich sich gegen die Kolonialisten auflehnen. Der größte Widerstand kam vom Osten und Norden, vom Zagros- und Ost-Taurus Gebirge, also von den iranischen Völkern. Doch auch im Westen, in Palästina-Syrien und im Süden, in Babylonien, regte sich Widerstand. So konnte sich um 626 v.u.Z. der Neubabylonische Staat nach Schwächung des Assyrischen Reiches in Süd-Mesopotamien gründen. Dieser wird neben den anderen iranischen Völkern zum wichtigsten Bündnispartner der Meder gegen die assyrische Vorherrschaft.

Die erstarkenden Meder unterwarfen zu dieser Zeit die südöstlichen Perser, die unter den iranischen Völkern die größte Konkurrenz zu den Medern zeigten.

Zerschlagung des Assyrischen Reiches

Die Meder eroberten dann im Jahre 612 v.u.Z. zusammen mit ihren Bündnispartnern die Hauptstadt des assyrischen Imperiums, Ninive (Ninova) und zerstören sie. Dieses historische Ereignis ging in die kurdische Geschichte ein als das Neujahrsfest Newroz (21. März); dieses Fest symbolisiert den Aufstand der KurdInnen (hier Aufstand Kawas; mythischer Held) gegen die tyrannische Herrschaft und dessen Zerschlagung.

Die Newroz-Sage

Diese Sage/Legende ist nach wie vor vielleicht die bedeutendste ihrer Art. Von ihr gibt es verschiedene Varianten. Wir gehen auf die unter den Kurden weitverbreiteste ein. Demnach herrschte einst ein tyrannischer Drachenkönig names Dehak (auch Zohak genannt) über das Land Schahrazur. Seinen Schultern entwuchsen zwei Schlangen, denen täglich die Gehirne zweier Kinder geopfert werden mussten. Es regte sich unter der Bevölkeurng Unwohl darüber, weshalb gewisse Leute (in einigen Quellen war es ein Minister) die Idee hatten, anstatt des einen Kindes ein Kalbs- oder Lammhirn zu opfern, so dass jeweils ein Kind mit dem Leben davon kam. Die auf diese Weise geretteten Kinder wurden in die Berge gebracht und avancierten zu den Vorfahren. Im folgenden ein Ausschnitt aus dem Schahname, dem iranischen Nationalepos (übersetzt von Friedrich Rückerts):

Sie [die Retter, die sih als Köche in den Palast des Tyrannen eingeschlichen hatten] nahmen heraus das Hirn von Schafen, und mischten’s dem Hirne jenes Braven.

Dem andern ward frei aus zu gehen erlaubt, gesagt: ‚Nun sieh, wie du birgst dein Haupt!

Laß dich nicht treffen in Stadt und Feld, Wüst’ und Berg ist dein Teil auf der Welt.’

Mit schlechtem Tierhaupt an Menschen statt machten sie also die Drachen satt.

Ein dreißig Jünglinge monatlich also durch sie dem Tod entwich.

Als deren zweihundert zusammen kamen, wo keiner wusste des anderen Namen,

einige Greißen und Schafe diesen gaben die Köch’ und zur Wüste sie wiesen.

Dort sind nun die Kurden erwachsen daraus, denen nicht am Herzen liegt Feld und Haus.

Unter Tuchzelten wohnen sie gern; ihr Herz kennt keine Furcht des Herrn."

 

 

Dehak wurde von dem Schmied Kawa mit seinem Hammer erschlagen, anchdem zuvor alle seine Kinder für die Tyrannen getötet wurden und nun auch das letzte geopfert werden sollte. In der zuvorigen Nacht wurden in den Bergen von den geflohenen Kindern ein großes Feuer entfacht, was zum Zeichen des Sturmes auf die Residenz des Tyrannen wurde. Am Tag kamen dann die kurdischen Kämpfer unter der Führung von Feridun – dieser bildete die Kinder in den Bergen aus – herunter. Dort wartete die Bevölkerung, an ihrer Spitze der Schmied Kawa, um den despotischen Tyrannen zu töten. Der Tyrannentot wird auf den 21. März 612 v.u.Z. datiert. Wir wir sehen, vermischen sich hier historische Fakten mit Mythen.

Heute hat Newroz durch den zeitgenössischen einen politischen Hintergrund. Es ist zum Symbol der Widerstandsbewegung gegen die Unterdrückung geworden. Besonders zu Newroz erheben sich die Massen gegen die Besatzer Kurdistans.

Religion der Meder

Zarathustra (Philosoph und Reformator) wird Mitte/Ende des 7. Jh.s v.u.Z. in Medien geboren. Seine Lehre sind der monotheistische Glauben (Ahura Mazda) und ethischer Dualismus. Für Zarathustra ist das Leben ein ständiger Kampf zwischen Gut und Böse, Wahrheit und Lüge und Licht und Finsternis. Der Zorostrismmus war bis zum Einfall des Islams die Hauptreligion der KurdInnen und PerserInnen. (Siehe hierzu „Die Dialektik Kurdistan, Teil 7", Ronahi Ausgabe 18)

Kultur der Meder

Die Kultur des medischen Staates ist noch wenig bekannt. Die Haupstadt Egbatana liegt tief unter der noch heute dicht besiedelten Stadt Hamadan; nur Einzelfunde aus ihrer medischen Zeit sind publiziert worden. Zwei befestigte Residenzen des 8. Jh. geben einen ersten Eindruck von der Baukunst der Meder. Der Palast von Godin weist viereckige Festungstürme auf, hinter den Mauern Säulenhallen in mannäischer Tradition. In Nusch-i Dschan fand sich neben Säulenhallen ein eigenartiger Tempelturm, dessen Grundriß in altostiranischer Tradition ein „abgetrepptes" Viereck darstellt. Terrakottaplatten zierten die Decke einer Halle in Baba Dschan. Eine medische Siedlung wurde bislang nicht freigelegt, kein Grab als sicher medisch bestimmt. Auf späteren Darstellungen der Achämenidenzeit tragen die Meder eine kegelförmige Kappe, die Hose der Reitervölker, Stiefel dun weite Bluse. Ihre Waffen zeigen, wie die der Skythen im Norden, einen Schmuck im sog. Tierstiel.

Ausdehnung des Medischen Reiches

Die Assyrer leisteten noch zwei Jahre Widerstand, bis sie endgültig 610 v.u.Z. in weiter westlichen Regionen geschlagen wurden.

Die Meder errichteten im Anschluss an den Sieg über die Assyrer das Reich Medien, welches sich von Ost-Iran bis Westanatolien erstreckte. Es ist in der Geschichte des Nahen Ostens bis dahin das größte Staatsgebilde neben dem Assyrischen Reich. Weiterhin gab es im Süden, von Südmesopotamien bis Palästina, das Neubabylonische Reich.

In diesem Prozess des Ausbreitens und Näherkommens der Meder mit weiteren ansässigen west-iranischen Völkern - dies begann teilweise im Zagros schon früher - war die Grundlage für die Bildung der kulturellen, sprachlichen und territorialen Einheit der Meder, welche die Basis für eine kurdische Zusammengehörigkeit schufen.

Kämpfe und Kriege

Während der Erstarkung der Meder wurden Ende des 7. Jh.s im Westen Anatoliens die zwei hellenischen Staaten der Lyder und der Phryger gegründet, die zum Rivalen der Meder in Anatolien aufstiegen. Die Kriege dauerten in Anatolien viele Jahre an. 585 v.u.Z. endet die Schlacht in Mittelanatolien am Halys (Kizilirmak-Fluß) gegen die Lyder ergebnislos. Nach einer Sage war eine Sonnenfinsternis während der entscheidenen Schalcht der Grund für die Beendigung dieser Auseinandersetzung. Daraufhin wird zwischen den Medern und Lydern Frieden geschlossen. Der medische König Kyakser verheiratet seine Tochter anschließend mit dem Sohn des lydischen Königs.

In den Jahren 560-550 v.u.Z. finden Kriege der Meder in der Region um Harran gegen die Babylonier statt. Bis dahin hatten die beiden Staaten der Meder und Babylonier eine hauptsächlich friedliche Beziehung untereinander. Verheiratungen zwischen den Königshäuser fanden sogar statt. Die zu den sieben Weltwunder gehörenden hängenden Gärten von Babylon sind in diese zeit zu setzen.

Ende des Medischen Reiches – Verrat von Harpagos

Im Jahre 550 v.u.Z. „übernehmen" die Perser unter König Kyros das Mederreich und gründen das persische Achämenidenreich. Der Verrat des medischen Kommandanten Harpagos ist entscheidend für die Niederlage von Astyages. Darüber berichtet Heredot und eine babylonische Chronik, wonach der medische Kommandant Harpagos bei einer Schlacht, welche die der Meder gegen die rebellierenden Perser unternehmen, die medischen Heere auf die Seite der Perser bringt, den medischen König Astyages festnehmen lässt und ihn Kyros ausliefert. Dadurch fällt ganz Medien Kyros zu. Harpagos steht symbolisch für all die später stattfindenden Verrate und Kollaborationen mit den Feinden der kurdischen Bevölkerung. Diese Niederlage der Meder wird auch in Form einer Sage dargestellt.

Doch mindestens genauso beeinflussend für den Untergang ist die Politik des medischen Königs gegenüber seinen Fürsten, deren Kraft er unterschätzt, weshalb diese ihm nicht beistehen, als Kyros die Macht übernimmt.

Weiterhin ist Astyages in kriegerische Auseinandersetzungen mit den Babyloniern in Harran verwickelt. Als Kyros eine Armee gegen die Meder aufstellt befindet sich Astyages in Harran im Krieg mit Babylon, von wo er schnell nach Medien eilt.

Insgesamt stagniert das Medische Reich in seiner Entwicklung zu dieser Zeit. Während der Herrschaftszeit von Kyakser ist eine ständige fortschreitende Entwicklung vorzufinden, die mit der Regentszeit von Astyages in die entgegengesetzte Richtung umschlägt.

Der gesamte Nahen Osten fällt in kurzer Zeit unter die Herrschaft der Perser, die unter Kyros dem Großen (Kyros II.) das Persische Reich errichten. Trotzdem haben die Meder im Achämenidenreich eine nicht unbedeutende Stellung in der Verwaltung und in der Armee. Sie sind nach den Persern die bevorzugste Bevölkerungsgruppe im Persischen Reich. Es existiert bis zum Ende Persischen Reiches eine Provinz namens Medya/Medien.

Quelle: Ronahî, 18. Ausgabe (DIE DIALEKTIK KURDISTANS TEIL 8 )


Die Meder

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