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Allgemeine Geschichte: Die Schaddadiden-Dynastie der Kaukasus-Kurden
Geschrieben am Dienstag, 19. Februar 2008 von Baran Ruciyar

Herrschaftsstrukturen

Der südliche Kaukasus und die angrenzenden Regionen waren schon immer ein Mosaik ethnischer, kultureller und linguistischer Elemente. In der armenischen und georgischen Mythologie der Antike ist die Rede von verschiedenen Völkern und Kulturen im südlichsten Kaukasien.



Ein Teil dieser einzigartigen Verschiedenartigkeit stellten auch die Kurden mit ihrer Sprache und Kultur dar, die sich im eigentlichen Sinne von denen der Kaukasus-Völker unterscheiden. In verschiedenen Quellen befinden sich Hinweise auf eine kurdische Präsenz im südlichsten Kaukasus schon sehr viel früher als man bisher annahm. So wird in den arabischen Quellen der Fluss Garni im heutigen Armenien während der Islamisierungszüge 644 - 655 „Nahr al-Kurd“ bezeichnet, was so viel wie „Fluss der Kurden“ bedeutet. Dem georgischen Historiker Schota Mesxiya zufolge sollen die Kurden schon im 10. Jh. v. Chr. den südlichsten Teil Kaukasiens besiedelt haben, bevor der Revvadi Stamm dort eingetroffen ist[1].

Jedoch Fakt ist: Nach Körperbau, Gesichtsbildung, Hautfarbe, Sprache, Religion, Sitten und Gewohnheiten, kann man davon ausgehen, dass die heutigen Kurden den Kaukasien mindestens während der Expansion des Islams den südlichen Kaukasus besiedelten. Die Geschichte der Kurden im südlichsten Kaukasus lässt sich auch schriftlich in diversen islamischen, armenischen, georgischen Quellen mindesten bis ins 8—9. Jahrhunderten zurückverfolgen. Im Laufe ihrer Geschichte herrschten sie eine Zeitlang sogar über den gesamten Südkaukasus.

In einer uralten armenischen Chronik ist von einem Krieg zwischen Kurden und Georgiern die Rede, der mit dem Verlust der armenischen Hauptstadt Ani[2] geendet hätte. Sherefname enthüllt, dass es sich um einen Feldzug der Schaddadiden gehandelt hat. Tatsächlich schwang sich in jener Epoche in Aserbaidschan und Armenien die kurdische Dynastie der Schaddadiden zu Herren über den südlichen Kaukasus und angrenzende Regionen auf. Sie wurde im Jahre 951 von Muhammed Ibn Schaddad bin Kartu[3] von dem Stamm der Revvadi in der Nähe des heutigen Täbriz gegründet und nach ihrem Begründer Schaddad[4] (Schaddili) genannt. In den Quellen erwähnte Dynastien der Schaddadiden, Revvadiden und Eyyubiden, wurden alle von dem Revvadi Stamm der Kurden eingerichtet. Demnach werden die Schaddadiden in der Geschichte auch mal als Revvadiden erwähnt, es wäre nicht umgekehrt, die Revvadiden mit dem heute noch im Zentralen Kurdistan, zwischen Arbil und Rawanduz beheimateten Revvadi Stamm in Verbindung zubringen[5]. Minorsky zufolge ist Revvadi ein Unterstamm der großen Hadhbani[6] (Hazbani) Stammeskonföderation der Kurden.

Ein weiterer Sprössling dieses Stammes, war der legendäre islamische Feldherr Saladin der Große. Sein Vater Eyyub und sein Onkel Schirkuh stammen aus der Gegend von Duwin, einem Dort namens „Ajdanaqan“ und hatten sich als Söldner in den Irak verdingt, wo Saladin in Tikrit am Tigris, auf halben Wege zwischen Bagdad und Mosul gelegen, geboren wurde.

Die Existierungszeit dieser Dynastie wird von Minorsky in drei Phasen aufgeteilt. Nämlich; Entstehungsphase, Ausbreitungsphase und die des Untergangs. Die ersten Schaddadiden benutzten den Titel “El-Azdi“, was für einige Wissenschaftler ein Hinweis ist auf die jemenitischen Stämme die vor den Schaddadiden Südaserbaidschan besetzten. Diese Ansicht, die die Revvadiden zu den Nachfahren der arabischen Stämme macht, stieß bisher auf wenig Anerkenung bei den Akademikern.

Die Schaddadiden herrschten lange Zeit über den gesamten Südkaukasus einschließlich Westarmenien. Zu ihren wichtigsten Städten gehörten, Ani, Duwin[7] und Gandschah[8]. In ihrem Bestreben Sicherheit und Ordnung herzustellen, und an Ermangelung eigener Truppen wandten sich die Stadtbewohner an die in der Umgebung siedelnden wehrhaften Nomaden. Diese „Aufgabenverteilung“ war für beide Seiten vorteilhaft: die Nomaden profitierten finanziell, die Städter genossen Schutz und eine weit reichende Autonomie.

Das oft als Gegensatz beschriebene Verhältnis Nomaden – Sesshafte kannte also durchaus Ausnahmen. Die Schaddadiden waren eifrige Bauherren und haben viele Moschen im armenischen Stil errichtet, auf die man heute noch im südlichsten Kaukasien stößt. Sie brachten dem Land eine Periode relativer Ruhe und Sicherheit, die von ihren Bürgern sehr geschätz wurde. Insgesamt existierte und funktionierte die Schaddadiden-Dynastie mehr als ein Jahrhundert, als eine kurdische Dynastie, mit verschiedenen Herrschern, eigener Währung und einer weit entwickelten Sozialstruktur.

Im Jahre 1072 bricht die Schaddadiden-Dynastie in zwei Teile, und verliert somit auch an Macht und Einfluss im kaukasischen Hochland. Die geschwächten Dynastien blieben nicht lange bestehen. Letztendlich führte diese Teilung zu einem Untergang im Kaukasus der kurdischen Schaddadiden-Dynastie nach zwei Jahren in Kaukasien.

 

Herrscher der Schaddadiden

Muhammad bin Schaddad (951-971): Gründet die Dynastie in Duwin.

Ali I. bin Muhammad Laschkari (971-978): Erobert 971 die Stadt Gandschah von den Sallariden.

Marzuban bin Muhammad (978-986)

Al-Fadl I. bin Muhammad (986-1031): Prägte als erster Schaddadiden-Geldmünzen. Die Münzanstalt war zuerst in Partav und wurde später nach Gandschah verlegt.

Abu-l-Fa't Musa (1031-1034)

Ali II Lashkari (1034-1049)

Anushirvan bin Ali II Lashkari(1049)

Abu-l-Asvar Schavur I. bin al-Fadl I (1049-1067)

Al-Fadl II. bin Schavur I. (1067-1073)

Aschot bin Schavur I. (1067)

Al-Fadl III. bin al-Fadl II. (1073-1075)

Menuchir (1075-1118)

Abu-l-Asvar Schavur II. (1118-1124)

Fadl IV. bin Schavur II. (1125-?)

Mahmud (?-1131)

Khuschchikr (1131-?)

Schaddad (?-1155)

Fadl V. (1155-1161)

Schahanschah (1164-1174)

 

Mit dem Erscheinen der türkische Seldchucken, verschwand auch die Schaddadiden-Dynastie im Jahre 1130 endgültig von der Geschichtsbühne. Um gegen die griechisch-römischen Eroberer zu bestehen, vereinigten sich die Schaddadiden mit den türkisch/mongolischen Muslimen, unter denen sie eine Zeit lang als Scheindynastie existierten. Dies sollte einen historischen Fehltritt für das gesamte kurdische Volk bedeuten und führte zu einer jahrhundertelangen Sklaverei der Kurden, sowohl in Kaukasien als auch in Kurdistan, unter türkisch/mongolischen Herrscherhäusern.

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[1] Diese und andere historische Hinweise auf die sehr frühe Geschichte der Kurden im südlichsten Kaukasien, sind jedoch bisher für die westliche Wissenschaft nicht über bloße Behauptungen hinausgekommen.

[2] Ani (armenisch Անի) ist eine seit mehr als drei Jahrhunderten verlassene und heute in Ruinen liegende ehemalige armenische Hauptstadt, in Nordkurdischen Provinz Kars.

[3] Mit vollem Namen Muhammed Ibn Schaddad bin Kartu, gehörte ebenfalls zu dem Stamm der Revvadi.

[4] Der Name des großen Stammes Schaddili (ku: Şaddili oder Şadîyan) kommt ebenfalls von Schaddad. Schaddili ist heute eine große Stammeskonföderation der Kurden in Dêrsim, Serhed und besonders in Chorasan. Dort werden sie Schaddluo oder Schaddyan genannt.

[5] Wobei die meisten Wissenschaftler, die Herkunft der Revvadiden genau auf jenes Gebiet zurückführen, das heute vom Revvadi-Stamm besiedelt wird.

[6] Der Name Hadhbani kommt heute noch unter den Kurden in Khorasan vor, von denen man annimmt, dass sie aus dem südlichen Kaukasus ausgewandert sind, vor (s. Izady; 1992)

[7] Duwin gehörte damals zu den wichtigsten Handelsstädten in Kaukasien.

[8] Heutige Stadt Gence in Aserbaidschan. War eine Zeitl ang Hauptstadt der Schaddadiden.

 

Quellenverzeichnis:

Die Kurden; Geschichte, Politik, Kultur, M. Strohmeier, L. Yalcin-Heckmann

Hans Hauser: Die Kurden: Die Stiefsöhne Allahs

Brennpunkt: Die Kurden. Ein Volk kämpft um das Überleben. Hintergründe. Geschichten, Analysen.; WIMMER, MICHAELA, JOACHIM / SPIERING & BERNHARD MIVHALOWSKI.

Vladimir Minorsky: Saladin's Origins

kars-online.de; Şeddadî devletî

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Die Schaddadiden-Dynastie der Kaukasus-Kurden

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