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Aufstände: Die Widerstand des Qoçan-Stammes in Südwestdêrsim
Geschrieben am Freitag, 31. Oktober 2008 von Baran Ruciyar

Freiheitskampf

Die Widerstand des Qoçan-Stammes in Südwestdêrsim. Dieser von dem in Çemîşgezek, Xozat und Pulur ansässigen Qoçan-Stamm gegen die türkische Besatzer geleisteten Widerstand, dauerte vom 7. September bis 30. November, und forderte viele Opfer aus demselben Stamm.

Schon seit der Gründung der türkischen Republik war Dêrsim ein Zielobjekt kemalistischer Ideologie geworden. Demonstrativ versuchte man durch militärischen Angriffe, die Bevölkerung von Dêrsim endgültig zu unterwerfen. 1926 war nun der Stamm Qoçan als Ziel gewählt worden. Dieser Angriff auf die Qoçan diente dazu, die Dêrsimkurden einen Vorgeschmack von der Gewallt des türkischen Staates zu vermitteln, um ihnen zu zeigen, wer der „Stärkere“ im Land ist. Sie wurden das Ziel, weil sie die Souveränität des Staates nicht anerkannten und keine Steuern zahlten und regelmäßig Raubzüge gegen andere Stämme unternahmen. Manchmal fanden ihre Raubzüge auch außerhalb von Dêrsim statt. In der feudalistischen Landschaft Dêrsims galten sie als unbesiegbar und unterdrückten die kleineren Stämme, was ihnen später die Unterstützung ihrer Nachbarn kostete, denn ihre Nachbarn hatten sie während des Angriffs des türkischen Militärs alleingelassen. Die meisten von ihnen stellten sich sogar auf der Seite des Staates - ihre ehemalige Verbündeten, die Abbasan dagegen blieben neutral.

 

Die türkischen Behörden vor ort als auch der Gouverneur von Diyarbakir, Ali Cemal Bardakci, der 1926 Dêrsim besuchte und ein Gutachten für die Regierung erstellte, waren davon überzeugt, dass man den Qoçan-Stamm "bestrafen" sollte. Ali Cemal schieb in seinem Rapport über Dêrsim: "...Nur, der 22 km nördlich von Chemîshgezek ansässige Stamm Koçuşagi/Qoçan, hat einigen Verurteilte von dem Kochgiri-Problem Unterschlupf gewährt, und sich Räubereien und Plünderungen zur Gewohnheit gemacht und greifen des öfteren die Gegenden von Çemişgezek, Arapgir, Kemah und Kemaliye an. Ich denke nicht, dass sie ohne weiteres ihre Waffen abgeben werden und dem Staat gehorchen werden" (vgl. Kalman, 1995;124). Weiterhin fügte er hinzu, dass man diesen Stamm mit den Garnisonen in Chemishgezek vernichten könne, denn diese Vernichtung würde auch den anderen Stämmen als ein warnendes Beispiel dienen.

 

 Einige Tage später hielt derselbe Ali Cemal in einer von ihm organisierten Versammlung der Stammesoberhäupter in Zentraldêrsim eine Rede. Er versprach ihnen, dass sie belohnt (Schutz der Aleviten, Aufbau ihrer Region, Land) werden, wenn sie die Regierungstruppen, die sich schon im Vorbreitung des geplanten Angriffs auf die Qoçan befanden, unterstützen würden (vgl. Dêrsimi, 1952;206). Ali Cemal erklärte es als eine <<Säuberung>> von Plünderern und von denen, die den Namen Dêrsims beschmutzen. Die Stämme waren daraufhin bereit, die Qoçan mit anzugreifen.

 

So ab dem 10. September 1926 begann die Militäroperation gegen die Qoçan mit modernen Waffen und unter Einsatz der Luftwaffe. Die Stammesmitglieder lieferten in ihrem Rückzugsgebiet nördlich von Chemishgezek, vor allem um den Kirklar Daghi und Yilan Daghi einen legendären Widerstand und drangen zwischenzeitlich sogar in die Stadt Chemîshgezek vor, der Versuch der türkischen Truppen dies zu verhindern war fehlgeschlagen. Doch wurden sie aus Chemishgezek wieder in die Berge vertrieben, wo sich auch jeder Kurde in seinem Element wiederfindet. In den unzugänglichen Schluchten Dêrsims wurde das kurdische Volk, wiederholt zum Opfer eines grausamen Unternehmens türkischer Truppen. Der für diese Operation verantwortliche Leutnant Mustafa Muglali schrieb in seinen Berichten, auch wenn indirekt, dass man diesen Stamm ausrotten sollte, da "diese Räuber, Monster" nichts anderes verdient hätten.

 

Die Kämpfe dauerten noch bis zum 30. November an. Mit härtesten Mitteln war die Regierung dazu entschlossen, die Qoçan zu bezwingen bzw. sie auszurotten. Die türkische Presse berichtete währenddessen öfter von dem Erfolg des Militärs und feierten dieses. Monatelang wurde die Gegend um Pulur, Xozat und Chemishgezek von der Luftwaffe bombardiert, und die Qochan waren immer noch nicht geschlagen. Doch die meisten ihrer 450 Kämpfer sowie unzählige unschuldige Stammesmitglieder darunter auch Frauen und Kinder wurden getötet. Akgün (1992;8) zufolge, wusste Ali Cemal, dass die Vernichtung des Qoçan-Stammes Seyid Riza, der in Dêrsim schon damals einflussreich war, schwächen würde, was er auch beabsichtigte. 

 


Quellen: Dr. Vet. Nuri Dersimi: Kürdistan Tarihinde Dersim (Dersim in der Geschichte Kurdistans) - Aleppo 1952, Neudruck Köln 1988. Kahraman Gündüzkanat: Die Rolle des Bildungswesens beim Demokratisierungsprozeß in der Türkei unter besonderer Berücksichtigung der Dimli- (Kï rmanc-, Zaza-) Ethnizität. LIT Verlag, Münster 1997. AKGÜL, Suat, Yakın Tarihimizde Dersim İsyanları ve Gerçekler, Istanbul 1992. M. Kalman: Belge ve Tanıklarıyla Dersim Direnişleri, İstanbul 1995. Munzur Cem: Dêrsim zwischen 1923 und 1938, abgerufen am 07.04.08

Die Widerstand des Qoçan-Stammes in Südwestdêrsim

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