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Yeziden: Die Ezidi - eine allgemeine Darstellung
Geschrieben am Freitag, 19. September 2008 von rinret

Religion

Die Eziden (auch Yazidi, Jesiden, Yezidi) sind eine religiöse Gemeinschaft, der fast ausnahmslos Kurden angehören. Der Name Yezidi wird sehr oft mit Yazid bin Muawiya oder mit Yazid bin Unaisa in Verbindung gebracht, jedoch findet  er wahrscheinlich weder mit diesen beiden Personen noch in der persischen Stadt Yezd seinen Ursprung.

Wahrscheinlicher ist die Herleitung des Namens auf das neupersischen Wort ized (Engelwesen, Gott), was wiederum auf das Wort yazata, dass im Avesta für verehrungswerte, anbetungswürdige Wesen steht, zurückgeht. Nach Marr und Niebuhr soll der frühre Name der Ezidi Çelebi sein, dieser Name steht aber auch im Zusammenhang mit dem Teufel. Fremdbezeichnungen für die Eziden sind Dasnaye in Syrien, Thondrakier oder Polichäer in Armenien und Mashaf rêş oder Putperest bei den Christen. 

Selbst nennen sich die Yezidi besonders im Irak und Syrien Dasin (Pl. Dawasin), Dasni (Pl. Duasin) oder Daseni (Pl. Dawashim). Menzel vermutet hier, dass dieser Name auf die nestorianische Diözese von 1534 zurückgeht, als Sultan Sulaiman dem ezidischen Fürsten Hussain Beg Dasini das Sandjak Arbil und das Wilayet Soran verlieh.

Ezidische Gemeinschaften finden sich um Mosul im Bezirk Shaikhan, wobei hier besonders Ba’adhri (auch Ba’idhra oder Ba’idhri) etwa drei Stunden von Lalesh entfernt, hervorgehoben werden muss, da es der Sitz des obersten Emirs ist, weiterhin auf dem Djebel Sindjar/Shengal, eine Gebirgszug, der hauptsächlich mit den kurdischen Befreiungskampf in Verbindung gebracht wird und etwa 160km westlich von Mosul gelegen ist, um Diyarbakir, um Aleppo bei Kilis und ’Aintab (Antep), um Kars und Eriwan auf armenischem Gebiet, im Kaukasus nahe Tiflis und auch in Persien. Nicht vergessen werden sollten die vielen yezidischen Gemeinden in der Diaspora, die in ganz Europa verstreut leben.

Th. Menzel (E.I. dt.), der sich auf die Angaben von Volkszählungen in den jeweiligen Staaten beruft, schätzt die Eziden in den 70igern des 20. Jh. auf 60 bis 70 Tausend Menschen, wobei die Gemeinschaft immer mehr im Rückgang ist, denn noch zu Beginn dieses Jahrhunderts wurde die doppelte Anzahl derer verzeichnet. Eine ganz andere Zahl nennt uns Kreyenbroek (E.I. engl.), der von einer Gemeinschaft von mindestens 240.000 ausgeht, wobei hier die Zahlen zwischen 200.000 und einer Million schwanken. Allein in Deutschland sollen die Ezidi 20 bis 40 Tausend betragen, die vor allem die aus der Türkei emigrierten.

Die religiöse Sprache der Ezidi ist ausnahmslos Kurdisch und auch im alltäglichen Leben sprechen die Ezidi Kurdisch. Eine Ausnahme bilden hier nur die ezidischen Bewohner in Ba’idhra, die in der Alltagssprache Arabisch sprechen, doch auch sie benutzen für die Gebete und Riten kurdischen.

Ethno-politisch sind Ezidi in Stämme, Clans und Sippen gegliedert, an deren Spitze jeweils ein Stammesoberhaupt steht. Familienrechtlichte entscheidet laut Menzel ein Ältestenrat, der Ruspiti, der sich um interne Probleme des Clans kümmert.

Die Ezidi leben vorwiegend vom Ackerbau und Kleintierzucht und nur im Norden ihres Siedlungsgebietes und in Transkaukasien, wohl wegen des unfruchtbaren Bodens, findet man einige nomadische Stämme.

 

Die Gemeinsamkeit der Ezidi bildet die Religion. Der Ezidentum ist eine synkethische Religion, die sehr viele Elemente anderer Religionen enthält. So findet man archaisch religiöse Elemente, wie Anbetung von Sonne und Mond, iranisch-zoroastrische Elemente, wie den Dualismus, manichäische Elemente, wie die persische Gnossis, d.h. die Unterscheidung von Seiensmächten, jüdische Elemente, wie Speisegebote, schismatisch-christliche Elemente, die wir besonders in der nestorianischen Kirche finden, wie Taufe, Weingenuss, Besuch von Kirchen bei Hochzeiten, Brotbrechen oder Eucharistie, islamische Elemente, wie Beschneidung, Fasten, Opfer und Wallfahrt sowie islamische Inschriften auf Gräbern, sufidisch- rafidische Elemente, wie Geheimhaltung der Lehre und Ekstase, sabäische Elemente, wie Seelenwanderung und schamanische Elemente wie Beerdigung, Tanz, und Traumorakel. Wenn man diese ganzen Elemente betrachtet, wird es verständlich, dass die Wissenschaftler verschiedenen Theorien nahe stehen, die das Ezidentum zu einem unterschiedlichen Alter einordnet. So gibt es Theorie, dass diese Religion sehr alt ist, und andere Religionen Elemente aus jener übernahmen, andere Theorien wiederum sprechen die Annahme dieser religiösen Riten den Eziden zu.

Neben diesen Riten haben die Eziden zwei heilige Bücher, die trotz ihrer kurdischen religiösen Sprache original in arabisch geschrieben worden. Angeblich sind diese beiden Bücher, das Kitab al Djilwa (Buch der Offenbarung) und das Kitab al rêş (das schwarze Buch), schon vor der Schöpfung existiert hätten.

Der Dualismus in dieser Religion tritt durch Gott (xode), dem Schöpfer, und Taus-i Melek (dem Engelpfau), dem Erhalter der Welt, zu Tage. Gott, kann hier als Hochgott betrachtet werden, der sich um das eigentliche Geschehen auf Erden nicht kümmert. Diese Aufgabe fällt Melek zu, der das ausführende Organ Gottes ist. Mit ihm eng verbunden ist der erst später in der Religion auftauchende Sheikh Adi, der durch Seelenwanderung zur Göttlichkeit emporgehoben wurde. Das Böse als religiöse Gestalt finden man im Yezidentum nicht, so gibt es hier weder Hölle noch Teufel. Eine Legende besagt, dass durch die gesammelten Tränen von Taus-i Melek das Höllenfeuer ausgelöscht wurde.

Da Taus-i Melek lediglich als handelnde Erscheinung Gottes angesehen wird und mit ihm als eins und unzertrennlich von Gott betrachtet wird, kann man das Ezidentum als eine monotheistische Religion betrachten.

Die andere wichtige Gestalt, Sheikh Adi, in der ezidischen Religion trat erst im 11./12. Jahrhundert auf. Sheikh Adi ist für die Yeziden die Inkarnation von Taus-i Melek und sein Grab, welches sich in Lalish befindet, ist bei den Eziden der wichtigste Wallfahrtsort, und wo zwischen dem 6. und 13. Oktober ein großes Treffen stattfindet.

Es wird vermutet, dass Sheikh Adi einst Sheikh Adî ibn Musafir, ein Mystiker im Sufismus war, und zum Ezidentum rückkonvertierte.

Sheikh Adi veränderte die ezidische Religion dahingehend, dass er ein Kastensystem innerhalb der Gemeinschaft einführte. Rechtlich und wirtschaftlich zeigen die verschiedenen Kasten keine Unterschiede, jedoch wird man in eine Kaste hineingeboren und darf auch nicht in eine andere Kaste einheiraten. Die erbliche Kasteneinteilung beinhaltet die Priesterschaft, die wiederum in Rang und Würde untereinander abgegrenzt (Sheikh und Pîr) sind und diesen jeweils zugeordnet sind Gruppen von Laien (Muriden).

Angemerkt muss hier werden, dass nicht alle Ezidi mit den Veränderungen von Sheikh Adi einverstanden sind und ihn ihm eine ungewollte Veränderung in der Religion sehen. 


Quellen: Allison, Ch.: Yazdis. IN : Iranica. Kreyenbroek, P.G.: Yazidi. IN: Enzyclopaedia of Islam, englische Ausgabe S. 313-16. Menzel, Thomas: Yazidi. IN: Enzyclopädie des Islam, deutsche Ausgabe. S.1260-1267. Spuler-Stegemann, U.: Engel Pfau. Zum Selbstverständnis der Yezidi.  IN: Zeitschrift für Religionswissenschaften, No 5, 1997, S. 3-17. Wießner, G.: „...in das tötende Licht einer fremden Welt gewandert.“ Geschichte und Religion der Yezidi. IN: R. Schneider: Die kurdischen Yezidi. Pogrom, Göttingen, 1984

Die Ezidi - eine allgemeine Darstellung

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