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Allgemeine Geschichte: Dumbeli (Dimili)
Geschrieben am Samstag, 13. Dezember 2008 von Baran Ruciyar

Herrschaftsstrukturen

Dümbeli[1], ist eine Stammeskonföderation überwiegend im heutigen Nordwestiran, die in der Geschichte der Kurden einen geltenden Platz haben. Sie werden im Şerefname als ein ursprünglicher ezidischer Stamm, der später jedoch zum sunnitischen Islam konvertierten – einige von ihnen soll allerdings ihren alten glaube beibehalten haben[2]erwähnt.

Die Geschichte dieses Stammes ist ein Stück Widerspiegelung der kurdischen Geschichte - andauernder ethnischer Metamorphosen in Kurdistan und Zerstörung der charakteristischen inneren Struktur des kurdischen Volkes. Bereits im 16. Jahrhundert wurden die ursprünglichen kurdischen Gruppierungen der Konföderation der Großluren[3] vollständig von den Persern assimiliert. Auch in den anderen Gebieten Kurdistans waren viele der kurdischen Stämme religiösem Fundamentalismus, der von den Besatzermächten initiiert wurde, ausgesetzt. Die Konvertierung des Şaddilî Stammes zum schiitischen Islam verursachte eine Deportation tausender Kurden aus Aserbaidschan und Nordostkurdistan nach Khorasan und in die Elbruz-Berge. Die Çemîşgezek und Pazukî Stammeskonföderationen traten erst, während der Herrschaft der turkmensichen Stämme der  Aq Qoyunlular und Qara Qoyunlular in Kurdistan zum schiitischen Islam über, im Nachhinein bekannten sich diese zu dem durch die Safaviden-Dynastie etablierten, Alevitismus bzw. zum Extrem-Schiitismus. Entsprechend dieser neuen Religion entstand im Süden Kurdistans parallel eine andere Glaubensrichtung - aus der uralten kurdischen Religion Yazdanism, formte sich eine neue Religion, die man heute Ehl-e Haqq oder Yarsan nennt. Genau wie der Alevismus ist auch dieser Religion ein Kombination aus Safavidischen Glaubensvorstellungen und Schi´itischer Islam. Unter diesem Gesichtspunkt waren diese wichtigen Geschehnisse, die dem kurdischen Volk förmlich in diverse hinsichten zerteilten. Im Falle der Dümbeli können wir aus diversen Quellen entnehmen, dass auch sie Anhänger der kurdischen Religion des Ezidentums waren. Erst konvertierten sie zum sunnitischen Islam im Nachhinein dann zum schiitischer Islam, wodurch auch der größte unter ihnen Teil die türkische Sprache annahm. Gegenwärtig sind fast alle Dûmbeli in der Provinz Westaserbaidschan türkischsprachige Anhänger der Zwölfer-Schia[4].

Die Aq Qoyunlu und Qara Qoyunlu zogen meist auch die kurdischen Stämme in ihre sozialpolitischen Auseinadersetzungen mit ein. So wurde z. B. nach der Auflösung des Hakkari Fürstentums durch die Aq Qoyunlu der Distrikt um Hakkari der Kontrolle des Dümbeli-Stammes unterstellt. Die Dümbeli nutzten die guten Beziehungen ihres Stammesführers Şêx Ehmed, zu Uzun Hasan dahingehend aus, dass sie – im Namen der Aq Qoyunlu – auf eigene Faust Eroberungen machten[5]. Im 16. Jahrhundert soll ein Teil des Dümbili Stammes von den Bergen südlich des Van-Sees, einem Gebiet, welches die Kurden Botan nennen,[6] in die Region von Khoy ausgewandert oder verlegt worden sein, wo sich ihre Clanführer mit den Safaviden verbündeten. Als Vasallen Tahmasp’s, der Safavidische Schah, verwalteten sie das Gebiet um Khoy und Sekmanabad und wurden von ihm auch als Grenzschützer in Van und Umgebung eingesetzt. Laut Şerefxan verbannte der Safaviden-Herrscher Tahmasp Mîr Ehmed (ebenfalls ein Dümbeli Fürst) in die Region um Ardahan – und ließ 40 „Agha" der Dümbeli töten – weil diese sich weigerten, den Safaviden gegen das Osmanischen Reich beizustehen. Fortan vereinten sich wieder alle Dümbeli Stämme in der Region um Khoy unter der Führung von dem aus dem Exil zurückgekehrten Mansur bin Muhammed, ein Dümbeli Fürst der vor Tahmasp’s Racheaktion gegen die Dümbeli Fürsten entfliehen konnte und Zuflucht bei den Osmanen in Istanbul fand. In den darauffolgenden Jahrhunderten spielten die Dümbeli in der regionalen Politik zumeist eine gewichtige Rolle. Das Gebiet zwischen Salmas und Nachtschivan wurde anschließend bis Anfang 19. Jahrhunderts von verschiedene Dümbeli Fürsten verwaltet, unter allmählicher Annahme türkischer Eigenarten. Zeitweise wurden sie auch zum Khan der türkisch bzw. aserbaidschanischen Fürstentümer[7] und nahmen das Aserbaidschanisch als ihrer Muttersprache an[8]. 


Quellen: John S. Guest: The Yezidis: A study in survival. London, New York, 1987; M.R. Izday. The Kurds. 1992; Iranica. Oberling, P. und Ali al-e Dawud: The Dumbeli. IN Iranica. Behrendt, Günter Max:. Nationalismus in Kurdistan. Hamburg, 1993. Malmîsanij: Kırd, Kırmanc, Dımıli veya Zaza Kürtleri, İstanbul, 1996.


[1] Kurdisch; Dûnbulî, Minorsky; Dûmbilî, ob man tatsächlich auch eine Verbindung mit Namen Dimilî oder Dimlî, welche für die kirmanckîsprechenden Kurden verwendet werden, schließen kann, ist fraglich. Viele Autoren verwenden die Namen Dimilî und Dûmbili synonym. „Ich vermute, dass der Name Dimilî nur eine Moderne Variante des Namen Dûmbilî ist" (Malmîsanij; 1996). Im Şerefname werden die Kurden kulturell und sprachlich in vier Gruppen aufgeteilt: Kurmanc, Lur, Kelhur und Goran. Die Dümbuli werden zu den Kurmancîsprechenden Stämmen in der Region Hakkari, Khoy und Maku gezählt, in der Tat lässt jedoch das Şerefname einigen Fragen aus sprachlicher Sicht in Bezug zu einigen Stämmen offen – so werden fast alle sunnitischen Stämme im Iran von Şerefxan als „Goran" beschrieben, die eigentlich nicht Goranî Sprecher sind bzw. waren. „Die Sprache der Stämmen Dumbuli und ein Teil der Zerza´s im Westiran, scheint in den späten klassischen und frühen mittelalterlichen Zeiten, mehr oder weniger das Dimili gewesen zu sein, der jetzt durch den nordkurdischem Dialekt abgedeckt wird" (Izady 1992). Siehe über die Präsenz des Dünbeli Stammes in Dêrsim; Seyfi Cengiz – Aşiret Aşiret Dêrsim auf dersim.biz.

[2] Tatsächlich gibt es heute noch in der Provinz Mosul, stammesangehörige der Dünbeli, die sich zum Yezidentum bekennen.

[3] …"Nur der Verlust des südlichen Zagros, durch Verwandlung der Kurden zu Luren und die Expansion der Kurden in die Berge des Elbruz und Pontus sind erwähnenswerte Geschehnisse… im 16. Jahrhundert" (Izady 1992).

[4] Günter Max Behrendt; Der kurdische Nationalismus in der Türkei. Zumindest sollen die Dünbeli südlich von Salmas noch kurdischsprachig sein (Persönliche Informationen).

[5] vgl. Bruinessen; Agha, Scheich und Staat, Berlin 2003; Kapitel: Hekarî und seine Mîr.

[6] Die Dûnbili, sind ursprünglich aus dem Botan Gebiet ausgewandert, und werden unter den Kurden auch Dûnbiliyê Boxtî genannt. Meint zumindest Şerefxan.

[7] Zwei Dümbeli Fürsten namens; Jafargulu khan Dumbuli (1806 – 1815) und Ismayil khan Dumbuli (1815 – 1819) waren Führer der Aserbaidschanischen Schaki Khanat.

[8] Das ist auch der Grund warum die Türkische Autoren samt Gökalp, den Ansicht bevorzugen diesen Stamm, von türkischer Herkunft zu betrachten.

 


Dumbeli (Dimili)

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