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Afrika/Asien/Australien: Frühe Juden Kurdistans oder >>Kurden<< Israels
Geschrieben am Montag, 01. September 2008 von Baran Ruciyar

Diaspora

Man kann dieses Thema nicht besser behandeln, als dass man das Wort Joyce Blau erteilt, die in einem gut dokumentierten und hochinteressanten Artikel unter der Überschrift >>Die Juden in Kurdistan<< ausführlich vom Leben der jüdischen Gemeinschaften in den Gebirgsgegenden dieses Landes seit dem 12. Jahrhundert spricht, einem Leben, dessen Ursprünge „auch heute noch im Dunkeln liegen“.



Sie fährt fort: „Unmittelbar nach dem Ersten Weltkrieg lebte die Mehrheit der Juden dieser Region im irakischen Kurdistan: Zaxo, Duhok, Hewlêr, Silêmanî zum großen Teil in Dörfern. Sie waren die am meisten ländlich geprägte Gemeinschaften in der Diaspora, sie kann in sozio-ökonomischer Hinsicht als eine der gesündesten angesehenen werden, da sie niemals einer Spaltung unterworfen war. Die Juden waren nicht nur Händler und Handwerker, sondern sie waren Bauern und hatten auch Grundbesitz. So hatten sie Möglichkeit, wie die Christen in Kurdistan Wurzeln zu schlagen. (...)

Die jüdischen Gemeinschaften unterstellten sich, ähnlich den kleinen kurdischen Stämmen, dem Schutz der Chefs (Agha) der mächtigen Stämme. So erklärt sich, dass auch bei der Verhängung des Kriegsrechts über den Irak im Jahre 1948 die Juden keinerlei Verfolgung erleiden mussten und sie sich in völliger Freiheit und ohne jeden Zwang entscheiden konnten, 1950 und 1951 nach „Palästina“ auszuwandern. Die Umgangs- und Muttersprache der jüdischen Gemeinschaften war das orientalische Aramäisch (...) oder Neuaramäisch (...). Die nach Israel eingewanderte Kurden nennen heute ihre Sprache „Kurdî“! Das Hebräische war Sprache der Religion (...) Dass sie als freie Bauern neben ihren nichtjüdischen Nachbarn leben konnten – was selten ist in der jüdische Diaspora – hat es ihnen leicht gemacht, die kurdische Kultur zu übernehmen. Die Juden haben sich in der Sprache ihrer Nachbarn die reiche kurdische Folklore mit Heldenliedern, Liebesgedichten (lawik, heyran), Gedichten über die Ehre und den Krieg (şer, delal), die den Kurden sehr wichtig sind, angeeignet. Das Kurdische, das die kurdischen Juden „Kurmançî“ nennen, kannten alle und Juden und Nichtjuden sangen dieselben Liebes- und Hochzeitsliedern. (...)

Die kurdischen Juden waren die ersten orientalischen Juden, die zu Beginn des 19. Jahrhunderts nach Palästina einwanderten. Sie ließen sich in den Armenvierteln Jerusalems nieder. Im Jahre 1926 zählte man fast 2000 kurdischsprechende Juden in Palästina. Heute leben etwa 90 000 von ihnen in Israel.
Die kurdischen Gemeinschaften haben sich im Verhältnis leichter integrieren lassen als die anderen Gemeinschaften orientalischen Ursprungs, wie etwa die Marokkaner. Sie hatten eine intakte innere Ordnung, an deren Spitze ihre traditionellen Chefs standen. Diese verfügten über die notwendige Autorität, um die anfallenden Probleme mit den israelischen Verantwortlichen zu regeln. Da sie zudem in der Mehrzahl ausgezeichnete Bauern waren, die es verstanden, mutig einer feindlichen Natur zu trotzen, beschlossen die meisten von ihnen, in landwirtschaftlichen Kooperativen zu leben. Einige kurdische Familien sind zu Wohlstand gekommen und haben seit etwa zehn Jahren (1975 red.) zumindest einen Vertreter in der Knesset. Die ausgewanderte Generation hängt noch nostalgisch an Kurdistan. Um die Verbindung zu dieser jahrhundertealten Tradition nicht abreißen zu lassen, organisieren sie seit dem Herbst 1973 regelmäßig im Herbst das sogenannte Saharane, ein gigantisches Picknick, zu dem Zehntausende Kurden kommen, tanzen und singen, von Dohul und Zurne begleitet, und bei dem kurdische Gerichte genossen werden.


Quelle: Vanly, Ismet Chérif: Die Kurdische Juden, In: Kurdistan und die Kurden - Band 3. Göttingen 1988.


Frühe Juden Kurdistans oder >>Kurden

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