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Diaspora: Kurden in Afghanistan
Geschrieben am Montag, 03. März 2008 von Baran Ruciyar

Diaspora

Im Laufe ihrer turbulenten Geschichte wurden die Kurden mehrmals von Besatzermächten in Kurdistan zwangsdeportiert, die die Entstehung vieler zerstreuter kurdischer Gemeinschaften, Tausende von Kilometern entfernt vom Kurdistan, ergaben.



Lebende Beweise dieser Zwangsdeportationen sind noch bestehende kurdische Gemeinschaften in Turkmenistan, Kirgisien, Kasachstan, Russland, Ostiran, Usbekistan und Ukraine, die ihre Sprache, Kultur und Traditionen bis heute bewahrt haben.

Auch eine kleine kurdische Enklave in Afghanistan, im Norden von Kabul, hat ihre Existenz bis heute erhalten können. Ihre Zahl wird heute auf ca. 22 000 Menschen geschätzt, die alle Anhänger des sunnitischen Islam sind. Sie sind Nachfahren von den Kurden, die vor fünfhundert Jahren vom persischen Shah Nadir als Grenzschützer gegen die mongolischen und usbekischen Raubzüge, in Khorasan angesiedelt wurden. Dem niederländischen Soziologe Martin van Bruinessen nach handelt es sich bei den nach Khoransan deportierten Kurden vor allem um die Şadlu-Stammes-Konföderation der Kaukasien-Kurden. Ihr Hauptsiedlungsgebiet war einst das Rote Kurdistan im heutigen Berg-Karabach. Nachfahren jener Kurden, die auch die kurdische Dynastie „Şeddadî“ im 10. Jahrhundert gründeten. Die Stämme der Şadlu-Konföderation werden in der Geschichte auch als „die 24iger“ erwähnt. Wahrscheinlich weil 24 Stämmen auf einmal auswandern mussten. Nicht zu vergessen, die Çemîşgezek-Kurden, mit ihrer speziellen Traditionen, Religion, Sprache und Lebensart, welche einst im heutigen Dêrsim und Erzurum beheimatet waren.

 

Einige von diesen nomadischen Stämmen; Karabaş, Omerî, Sekakan, Topkanli und Milan wanderten von Khoransan aus bis in die Zentralregionen des heutigem Afghanistans im Norden von Kabul. Zweck und Zeit ihrer Wanderung ist bis heute nicht bekannt. Man geht davon aus, dass sie zwischen 1780 – 1800 aus Khoransan durch nomadische Wanderungen nach Afghanistan gelangt sind. Trotz einiger Jahrhunderte entfernt von ihrer ursprünglichen Heimat Kurdistan, trotz der sprachliche Assimilation, berücksichtigen sie,  heute noch ihre kurdische Identität. Viele von ihnen sprechen Turkmenisch oder Darî, einen persischen Dialekt. Ihre Sprache, den kurdischen Kurmancî Dialekt, haben sie bis heute bewahrt. Ihre Lebensgrundlage besteht aus der Haltung von Vieh, da in den meisten Fällen landwirtschaftliche Methoden unterentwickelt sind, und das resultierende Ergebnis ist niedrig. Während die meisten von ihnen ansässig geworden sind, üben einige noch einen halb-nomadischen Lebensstil aus. Die Nomaden ziehen im Sommer innerhalb der spezifizierten Gegenden mit ihren Herden von Ziegen und Schafen bis zu den Bergen, während sie die Wintermonate in den Ebenen verbringen.

 

Die Bevölkerung von Afghanistan erlebte im letzte Jahrhundert eine Reihe an politischen und gesellschaftlichen Erschütterungen. Mit seiner Zerstörung der gesellschaftlichen Struktur, der Städte und Dörfer, hat der Bürgerkrieg massive Bewegungen der Bevölkerung in zwei Richtungen verursacht: Immigration (hauptsächlich nach Pakistan und den Iran) oder Abwanderung aus relativer Sicherheit in die afghanischen Städten. Die Kurden blieben davon nicht ausgeschlossen. Viele von den Kurden in Afghanistan mussten während der sowjetischen Invasion ihre Heimat Richtung Kabul verlassen. Die Abkehr von einer kleinen Gesellschaft bedeutete für sie in erster Linie einen Identitätsverlust bzw. Verschmelzung innerhalb des afghanischen Staatsvolks.


Kurden in Afghanistan

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