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Mittelalter: Kurdische Spuren am anderen Ende der Welt
Geschrieben am Samstag, 15. November 2008 von Baran Ruciyar

Allgemeine Geschichte Qersi schreibt:

Der Soziologe Martin van Bruinessen1  ist sicher vielen Kurden bekannt. Die Heimat von van Bruinessen, die Niederlande, war vor langer Zeit eine Kolonialmacht in Südostasien. Als sich van Bruinessen mit Indonesien2  beschäftigt hat, fielen ihm „kurdische Spuren“  in der indonesischen Inselgruppe auf.  Eine kurze Zusammenfassung seines im Netz erschienenen Beitrages übersetze ich im Folgenden:

SPUREN DES KURDISCHEN EINFLUSSES IN INDONESIEN

Die indonesische Inselgruppe, die die größte Inselgruppe der Welt ist, ist reich an Rohstoffen. Segler und Händler aus allen Teilen der Welt besiedelten aus diesem Grund das Land,  darunter v.a. Chinesen, Inder und Araber. Aber auch die Spuren kleinerer Gruppen, z.B. der Perser und Tamilen lassen sich in der indonesischen Sprache finden.

Zu meiner Überraschung entdeckte ich auch einen eindeutigen kurdischen Einfluss unter den frommen Teilen der Bevölkerung. Beispielsweise finden sich ziemlich viele Menschen in Java3 mit dem Namen „Kurdi“.  

Ein weiterer, noch viel wichtigerer kurdischer Einfluss, lässt sich im religiösen Leben der Indonesier erkennen:
Der populärste religiöse Text (nach dem Qur´an) in Indonesien ist der sog. Barzanji 4. Dieser Text, ein mawlid  wird u.a. am 12. Tag des islamischen Monats Rabi` al-awwal rezitiert, dem Geburtstag des letzten islamischen Propheten Mohammad (s.a.v.). Das interessante ist, daß dem indonesischen Volk der Name Barzanji  noch viel geläufiger ist, als den Kurden selbst. Denn jeder indonesische Muslim wird in seinem Leben mehrmals der Rezitation eines Barzanji  beigewohnt haben.

Der Einfluss kurdischer `ulamâ 5 begann offenbar in der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts, als der Islam sich auf die gesamte indonesischen Inselgruppe verbreitete. Die Indonesier sind, wie die Mehrheit der Kurden, Angehörige der islamischen  Shafi` i  Rechtsschule.

Im Weiteren wird der Einfluss kurdischstämmiger Qadiriyya und Naqshbandiyya Ordensmitglieder beschrieben, wie z.B. Muhammad Amin al-Kurdi's Werk „Tanwîr al-qulûb“ sowie der Einfluss kurdischer Gelehrter wie z.B. Ibrahim al-Kurani in Hijaz auf Muslime aus Indonesien. Außerdem wird auf die kulturelle Mittlerrolle der Kurden hingewiesen, die Rolle der Kurden innerhalb des „indischen Islams“. Weiteres in Stichpunkten: Molla Gürani6, Ahl-i Haqq, Shahrazur, Guran, die Barzanji Familie von Shahrazur und Medina, Muhammad b. Sulayman al-Kurdi, Muhammad b. Sulayman al-Kurdi . . .

Ich bitte um Verständnis, dass die Zusammenfassung so kurz ist. Der Originaltext auf Englisch umfasst 16 Seiten7

_________
1 Anm.: Martin van Bruinessen1  ist der Verfasser von „Ağa, Scheich und Staat - Politik und Gesellschaft Kurdistans“
2 Anm.: Indonesien ist das bevölkerungsreichste islamische Land der Erde
3 Anm.: Java ist die bevölkerungsreichste Insel Indonesiens
4 Anm.: Barzanji  ist die einflussreichste Familie der Tariqa Şêx´s in Südkurdistan. Der prominenteste Vertreter dieser Familie ist Mahmoud Barzanji, ehem. König von Kurdistan. Vgl. http://www.iisg.nl/today/en/09-10.php und http://en.wikipedia.org/wiki/Kingdom_of_Kurdistan
5 Ulama (arab.  علماء‎, Pl. von ālim, arab. عالم‎, „Wissender“) heißen die Religionsgelehrten des Islam
6 Molla Gürani (1480-88)  ist der kurdische Mufti von Konstantinopel gewesen. Er wurde in Shahrazur geboren, studierte in Bagdad, Amed, Heskif, Damaskus, Kairo und Jerusalem. Molla Gürani konvertierte vom shafi´i madhab zum hanefi madhab, war der Lehrer des osmanischen Sultans Mehmet ll und hatte die höchste religiöse Position im osmanischen Reich.
7 Vgl.  http://www.let.uu.nl/~martin.vanbruinessen/personal/publications/Kurdish_ulama_Indonesia.htm


Kurdische Spuren am anderen Ende der Welt

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