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Dynastien und Konföderationen: Motikan
Geschrieben am Mittwoch, 29. Oktober 2008 von Baran Ruciyar

Herrschaftsstrukturen

Motikan oder Modkî, ein kurdischer Stamm der gleichnamigen Region in der Provinz Bedlîs (vgl. Landkreis Mutki), Inneranatoliens und Serhed. Die Motikan bekennen sich zum sunnitischen Islam und sprechen je nach Region Kirmanckî oder Kurmancî.

Woher sich der Name des Stammes herleiten könnte, nennt uns Izady zwei sich im Wesentlichen widersprechenden Thesen, zum einen nämlich von Mad (92;84), d.h. Meder zum anderen von Mittani, ein antikes Reich im heutigen Westkurdistan. Die Motikan gelten in Bitlis als ein autochthoner Stamm. Laut dem Şerefname bildeten sie mit weiteren vier Stämmen der Rojkan-Konföderation die uralte Bevölkerungsschicht der Landschaft Bedlîs (Barb;170). Izady wiederum sieht in den Motikan Abkömmlinge der einstigen Çemîşgezek-Konföderation in heutigen Tunceli.

Über die Zahl der Motikan-Bevölkerung schweigen die Quellen, vermutlich bestand die Konföderation aus den Clans: Arikî (kurmancîsprachig), Baban (kirmanckîsprachig) oder Buban, Keyburan (kirmanckî), Kusan (kirmanckî), Pirmusi (kurmancî),Rucaba (kirmanckî) und Seydan (kurmancî) und umfasste noch zu Beginn des 20. Jh. ca. 300. 000 Menschen.

Nach der Vertreibung des Abdal Xan aus Bedlîs brach die Konföderation der Rojkan auseinander. Die Kontrolle über sein väterliches Lehen sollte auf 27 Stämmen übergetragen werden, von diesen werden nur die Motikan unabhängig von der Rozkan-Konföderation erwähnt. Infolgedessen scheinen die Motikan unabhängig geworden zu sein. Die osmanische Regierung war bemüht ihren Willen in Motikan geltend zu machen, doch sind bei der großen Unzugänglichkeit der Gegend von ihnen mehrfach unternommene Versuche misslungen, so dass man schließlich in Motikan aufgegeben hat: Die Motikan Kurden mit dem Zentrum Motikan (heute Landkreis Mutki), das Nolde zufolge (S.244) 1892 etwa 250- 300 überwiegend kurdische, armenische und tscherkessische Dörfer umfasste, lebten quasi unabhängig und bildeten einen gewissermaßen unabhängigen Freistaat, da sie die türkische Verwaltung nicht anerkannten, derselben nichts zahlten und keine Rekruten stellten etc.. In dieser Bezeichnung war die Unabhängigkeit der Motikan zwar charakteristisch, stand aber in dieser Beziehung in Kurdistan nicht alleine da, so gab es weitere schwer zugänglichen Regionen wie Dêrsim, Botan etc., in denen die Kurden, beherrscht von einem Fürsten oder Junker, bis zum Beginn des 20. Jh. ihre Unabhängigkeit bewahren konnten. Für den sesshaften Motikan- und armenischen Bauern selbst war diese Unabhängigkeit im Grunde genommen kein Garant für ein gehobenes Leben, denn in der Region herrschten die alten patriarchalischen Zustände und sie waren einem Junker unterstellt, dem sie ebenfalls zu Zahlungen verpflichtet waren.

Während der Armenier-Genozide erfahren wir die negative Seiten des wilden und unabhängig dastehenden Lebens der Motikan. Die konspirative Tätigkeiten der westlichen Missionare in der Gegend scheinen von den Motikan misstrauisch betrachtet worden zu sein. Durch europäische Einmischung wurden die Armenier immer mächtiger, so dass die Kurden darüber besorgt waren, ihren Einfluss zu verlieren. Folglich erscheinen in dieser Zeit einige Berichte über Grausamkeiten des Beg aus Motikan gegen die armenische Bevölkerung. Schließlich verbreitete sich die Hetze gegen die Armenier aus Motikan und Sason in ganz Kurdistan. Selbst nach dem die armenischen Bauern, die eine kleine Minderheit in Motikan stellten, aus diesem vertrieben wurden, konnten die Motikan ihre Unabhängigkeit, den Türken gegenüber bewahren. Erst in den 30iger Jahren des 20. Jh., nach mehrfachen Versuchen, konnten die Türken in Motikan Fußfassen (vgl. Buban- & Motikan-Aufstand).

Wann die in Inneranatolien lebenden Motikan-Kurden, dorthin deportiert wurden ist angesichts der diversen Behauptungen ungewiss. In der Provinz Aksaray existieren ca. 15 Dörfer, in denen die Modikan  einen Kirmanckî-Dialekt der mit dem in Motikan (vgl. Modkî-Dialekt) nahezu identisch ist. sprechen. Sie selbst behaupten aus Diyarbakir dorthin emigriert zu haben. Auch wenn nicht alle, waren die meisten kirmanckî bzw. kirdkîsprachigen Stämmen zwischen heutigen Bingöl über Pîran und Farqîn bis nach Motikan und Sason, unter den Namen "Motikan" konföderiert (s.o). In der Region Serhed, in Xinûs, leben ebenfalls wenige Kurden, die diesen Stamm angehören und sich Modkî oder Motelî nennen.

 

 


Quellen: Izady, M. R.: Exploring Kurdish Origins, in: Kurdish Life, Number 7, Summer 1993. ders. The Kurds, Washington 1992. Osman Sebrî: Şerrên Sasûnê, Beirut 2005. Evliya Çelebi's Book of Travels. Land and People of the Ottoman Empire in the Seventeenth Century. A Corpus of Partial Editions. Leiden: Brill 1988ff. Sir Mark Sykes, The Caliphs' Last Heritage: A short history of the Turkish Empire. London: Macmillan and Co., Limited, 1915. Maunsell, F.R.: Kurdistan, In: International Journal of Kurdish Studies number 1, Jan. 2001. Alakom, Rojhat: Orta Anadolu Kürtleri (Die Kurden Mittelanatoliens), Evrensel Basım Verlag, 2004 Istanbul. Eduard Nolde: Reise nach Innerarabien, Kurdistan und Armenien, München 2007. Der Geschäftsträger in Konstantinopel (Mutius) an den Reichskanzler (Bethmann Hollweg), Url: http://www.armenocide.de/armenocide/armgende.nsf/$$AllDocs/1914-07-10-DE-001?OpenDocument (letzter Besuch: 18.07.08).

Motikan

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