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kurdische Literatur: Nationalismus in der frühen kurdischen Literatur
Geschrieben am Samstag, 15. März 2008 von Baran Ruciyar

Literatur Ciwan Serhedi schreibt:
Aus Ehmedê Xanîs (1650-1706) Einleitung zu seinem Mem û Zîn – verfasst um 1694

„Ist es überhaupt möglich, dass ein Glücksstern aus dem Zeitgerät für uns erscheint? Dass das Glück sich mit uns befreundet und uns aus dem Schlaf weckt? Dass es auch für uns einen Zufluchtsort (gibt) und in unserer Mitte ein König erscheint? Auf dass das Schwert unserer Kunst und die Kraft unserer Feder anerkannt wird! Auf dass unser Elend ein Heilmittel findet und unsere Wissenschaft auf Nachfrage stößt!...

Wenn wir einen Erhabenen hätten, einen Freigiebigen und Sprachgewandten! Unsere Existenz wäre beständig (wörtlich: wie Münzen) und sie wäre nicht wie jetzt unbegehrt und verdächtig! Obwohl sie (unsere Existenz) rein ist, kann sie nur geliebt werden, wenn sie Bestand hat.

Wenn wir einen König hätten, der sich eine Krone gönnte! Wenn für ihn ein Thron bestimmt wäre, wäre auch für uns ein Glück beschieden. Wenn für ihn eine Krone zustande käme, fragte man auch nach uns. Dieser König hätte sich um uns gekümmert und hätte uns aus der Hand der Hinterhältigen befreit. Diese Türken „Romî“ hätten uns nicht vorstehen können! Unser Haus wäre nicht durch Eulen (Symbol des Unglücks) verunstaltet worden, wir wären nicht Verurteilte und Lumpen. Wir wären nie Besiegte und Gehorsame der Türken und Tadschiken (Anm.: hier wohl des Reimes wegen; die Kurden sind nie von den Tadschiken regiert worden). Aber es scheint, dass Gott es seit Ewigkeit so bestimmt hat, dass diese Römer und Perser über uns stehen. Obwohl ihre Gefolgschaft in schandhaftem Zustand ist, aber diese Schande treffen nur die ruhmreichen Leute (Kurden). Es ist eine Schande für die Gouverneure und Fürsten, die Richter und die armen Menschen, doch welche Schuld kann den einzelnen treffen? … Jedes Volk, das für sich gesorgt hat, hat durch Tapferkeit einen Staat für sich schaffen können. Für sie sieht die Welt wie eine Braut aus …

Ich bin ratlos gegenüber dieser Weisheit Gottes, ratlos über die Lage der Kurden … Ich weiß nicht, weshalb sie so anteillos, weshalb sie so ausnahmslos verurteilt sind. Obwohl jeder ihrer Fürsten so freigiebig ist wie Hatem und so tapfer wie Rûstem … Adligkeit, Gutmütigkeit, Freigiebigkeit, Tapferkeit, Großmütigkeit gehören zum Selbstverständnis der kurdischen Stämme. Sie haben sie mit der Muttermilch getrunken. Sie sind so tapfer, dass sie sich niemandem verpflichtet fühlen. Dieser Mut und dieser Stolz (Hochköpfigkeit) hindern die Kurden, sich irgendjemandem verpflichtet zu fühlen. Doch sind sie immer uneinig und neigen stets zu Rebellion und Spaltung …

Wenn wir einig wären! Zusammen unter einer einzigen Führung! Die Türken, die Araber und die Perser, alle, wären in unsere Dienerschaft gekommen. Wir hätten dann unsere Religion (wörtl.: Lebensführung) und Staat vervollständigt und Wissenschaft und Philosophie betrieben …“

Damit niemand sagt: Die Kurden sind unwissende Menschen (und sind) abstammungs- und wurzellos. Andere Völker besitzen Bücher. Die Kurden allein haben keine Zeugnisse … (Damit niemand sagt: Die Kurden haben keine Liebesgeschichte, sind weder Liebende noch Geliebte, weder Fragende noch Befragte…)

Die Kurden sind nicht dumm, aber sie sind Waisen, und sie haben keine Möglichkeit. Sie sind nicht alle primitiv und unwissend, sondern darbend (leidend) und ohne Fürsprache … Wenn wir einen Herrn hätten, einen edelmütigen und witzigen, dem die Wissenschaft, Kunst und Literatur … eine Anregung und dem dieser Besitz lieb wäre, hätte ich die Wissenschaft der Reimprosa sehr hoch gebracht, bis zum Himmel. Dann hätte ich Melayê CIZÎRÊ wieder zum Leben gebracht – und damit auch Elî HERÎRÎ. Dem Feqîyê TEYRAN hätte ich bis in Ewigkeit etwas zur Freude gegeben. Aber was soll ich tun? Der Markt (was kurdische Literatur angeht) ohne Nachfrage, dieser Stoff hat keinen Kunden …“


Nationalismus in der frühen kurdischen Literatur

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