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Nordkurdistan: Osseten
Geschrieben am Freitag, 08. August 2008 von Baran Ruciyar

Geographie

Die Osseten sind Nachkommen der Alanen1, ein Stamm der Sarmaten. Die Sarmaten waren eine Stammeskonföderation iranischer Völker, zu denen auch die Alanen gehörten, die wahrscheinlich im 2. Jh. vor Chr. aus Nordwestkasachstan Richtung Westen und Südwesten gezogen sind.

Die Relation zwischen den Alanen und Skythen ist jedoch nicht ganz geklärt worden. Basierend auf geschichtliche Funde weiß man heute, dass die Alanen ein gefürchtetes Reitervolk, die bis nach Spanien und England kamen, waren. Ihre Nachkommen, die Osseten, gelangten im 6. Jh. in ihre heutigen Siedlungsgebiete und nahmen den orthodoxen Glauben an. Fortan lebten sie mit Georgiern und anderen kaukasischen Völkern. Sie gehörten meist georgischen Reichen an, bis sie ab dem 18. Jh. unter russische Herrschaft gerieten. Ein Teil der Osseten, vor allem im Norden, kovertierte in der Zeit osmanischer oder persischer Oberherrschaft zum Islam.

Der Ausdruck Ossete ist abgeleitet von den georgischen Denomination „Osni“ = Osseten bzw. „oseti“ = Ossetien, die auf mittelalterlichen Benennungen der Osseten beruht (europäisiert als „Jassen“) und die von der zaristischen Administarion übernommen und nach Europa weitergegeben worden war. Die Eigendefinition ironossetisch bzw. Ossete“ ist abgeleitet vom protoiranischen *Ārya „Mensch“), das die Ostosseten als Selbstreferenz verwenden. Ebenfalls auf das protoiranische *Āryana- „arisch“ geht auch die neue Bezeichnung des ossetischen AutonomiegebietsAlaniya“ zurück.

Wie bekannt, leben die meisten Osseten in Russland (Nordossetien) und Georgien (Südossetien). Während den russisch-türkischen Kriegen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde eine große Anzahl der muslimischen Bevölkerung aus Kaukasien in die Türkei und nach Kurdistan vertrieben. Vor allem waren es die Tscherkessen, aber auch andere muslimische Gruppierungen, die sich, wie die Tscherkessen auch, an die Seite der Osmanen stellten, die aus ihrer Heimatregion vertrieben worden. Die wenigen Osseten, die während dieser Zeit nach Kurdistan gekommen waren, siedelten sich im nördlichen Teil Kurdistans an. Sie wurden, wahrscheinlich aufgrund der Ähnlichkeit ihrer Sprache mit dem Persischen2, von den Kurden als Acem bezeichnet, eine Bezeichnung, die eigentlich für den Aserbaidschaner und Perser verwendet wird. Schon bald nach ihrer Ankunft gingen sie mit den Kurden ein enges Verhältnis ein, was sich auch in familiärer Hinsicht widerspiegelte. Eine Heirat unter Kurden und Osseten scheint für die ossetische Gesellschaft kein Problem dargestellt zu haben, was aber wohl vor allem in der gemeinsamen Religion, beide muslimische Sunniten, zu Grunde liegt.

Es ist schwer ihre Zahl festzumachen, da in der Türkei seit 1965 bei Volkszählungen die ethnische Zugehörigkeit nicht zur Kenntnis genommen wird3. Bis in die späten 70igern des vergangenen Jahrhunderts begegnete man in mehr als 20 Dörfer und in einigen Städten4 in Kurdistan der ossetischen Bevölkerung. Eine große Anzahl von ihnen wanderte in die türkischen Metropolen ab – der andere Teil assimilierte sich in die kurdische Kultur und hat die kurdische Sprache übernommen. Die Osseten in der Türkei/Nordkurdistan waren lange Zeit, obwohl die Türkei aufgrund ihrer geringen Anzahl keine bestimmte Politik für sie anwandte, denselben Intrigen und Unterdrückungsmethoden, wie auch die Kurden, ausgeliefert. Auch ihre Sprache und Kultur wurde in der Öffentlichkeit unterdrückt, in dem man ihnen ossetischsprachige Schulen oder Medien verweigerte und wie auch mit der kurdischen Sprache durfte sie in Behörden nicht gesprochen werden5. Ein weiterer Grund für den raschen Verlust der ossetischen Identität war, dass man in der Türkei aus Unwissenheit alle aus dem Kaukasus stammenden Völker als Tscherkessen betrachtete. Heute betrachten sich alle eingewanderten kaukasischen Ethnien, ob Tscherkesse, Ossete oder Tschetschene, besonders in den Ortschaften wo sie zusammenleben mit wenigen Ausnahmen, als Tscherkesse.

 


1
Von vielen Wissenschaftler wurde bisher auf die sykthischen Elemente in der kurdischen Ethnogenese hingewiesen (vgl. Skythen, Meder, Frühgeschichte der Kurden etc.). Die Wahrscheinlichkeit eines wieder Aufeinandertreffens der Sykthen, Alanen u.a. iranische Völker der Antike, die in den hellenistischen Quellen als nomadische Barbaren beschrieben werden, mit den „Proto-Kurden“ ist ziemlich hoch. Die archäologischen Funde beweisen uns, dass die Skythen, Manäer und auch die Alanen bis nach Kurdistan und Aserbaidschan vorgedrungen sind. Heute finden wir einen kurdischen Stamm Alan, der in den Regionen Dêrsim, Hewraman, Ardalan, Luristan und Wan beheimatet ist. Seyfi Cengiz, der sich mit der Geschichte des Stammes näher beschäftigte, bringt den Stammesnamen mit den antiken Alanen in Verbindung, wobei er sich vor allem auf armenische Quelle stützt. Diese besagen, dass die Alanen ein Teil der parthnischen Armee waren und wahrscheinlich als Offiziere des Militärs nach Kurdistan kamen. So kommt er zu der Auffassung, dass der heutige Stamm Alan die direkten Nachfahren der in der Antike lebenden Alanen seien könnten. So gesehen waren die Kurden schon früher mit den „Osseten“ in Berührung gekommen als geahnt wird. Der Text von S. Cengiz ist online erschienen: http://f28.parsimony.net/forum68141/messages/2422.htm in diesem Artikel behandelt S. Cengiz jedoch nur die Geschichte des Alan-Stammes in Dêrsim und Luristan. Für weiteres siehe Izady 1992; Stammesliste.

2Das ossetische gehört wie das Kurdische auch zu den Iranischen Sprachen, allerdings zerfällt die ossetische Sprache in die östliche Gruppe jener Sprachgruppe, während das Kurdische in die westliche bzw. nordwestliche Gruppe eingeordnet wird. Das Ossetische unterscheidet drei dialektale Varianten: Ironisch im Osten der Republik Alani, Digori im Westen jener Republik und Tuali um Südwesten. Ironisch dient unter den Osseten als Literatursprache. Die in Kurdistan beheimateten Osseten sprechen dem Dialekt Digori, benannt nach dem gleichnamigen Stamm in Westossetien. Siehe zur ossetischen Sprache: Bielmeier, R.: Historische Untersuchung zum Erb- und Lehnwortschatzanteil im ossetischen Grundwortschatz. 1977, Frankfurt a. M.—Bern—Las Vegas. Andreas Johann, Sjögren: Ossetische Sprachlehre (Deutsch-Ossetisches Wörterbuch), St. Petersburg, 1844. Rüdiger Schmitt (Hrsg.): Compendium Linguarum Iranicarum. Reichert, Wiesbaden 1989. Rüdiger Schmitt: Die iranischen Sprachen in Geschichte und Gegenwart. Reichert, Wiesbaden 2000

3Die folgende Quelle (Akşam – Tageszeitung) spricht von 50 000 Osseten in der Türkei.: http://www.aksam.com.tr/arsiv/aksam/2004/09/06/yazidizi/yazidizi1.html (letzter Besuch: 09/05/08). Derselben Quelle zufolge war der erste Aussenminister der türkischen Republik, Bekir Sami Kunduk, ein Ossete der in Istanbul studiert hatte.

4Die bisher bekannten Ortschaften der Osseten in Kurdistan befanden/befinden sich in den Provinzen: Erzirum (Erzurum), Qers (Kars), Mûş (Muş), Sêvas (Sivas) und Bedlîs (Bitlis). Die heute noch von den Osseten bewohnten Dörfer sind: Dikilitaş und Yeniköykişlasi in Sivas- Yildizeli und Yaramiş (neulich haben sich auch Kurden in diesem Dorf angesiedelt) in Muş – Malazgirt vgl. Andrews, Peter Alford, Ethnic Groups in the Republic of Turkey: Supplement and Index. Wiesbaden: Dr. Ludwig Reichert Verlag 2002, s. 142.

5Siehe dazu ein Schilderungen einer Ossetin auf Bianet: http://www.bianet.org/bianet/kategori/bianet/105094/osetce-konusmak-cezalandirilirdi (letzter Besuch: 04/05/08)


Osseten

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