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Religion: Pîrê Şaliyar
Geschrieben am Donnerstag, 31. März 2011 von Baran Ruciyar

Religion Rinret schreibt:
Das Winterwendefest zu Ehren Pîrê Şaliyars (Şahrîyar) ist ein lokales Fest in der Region Hewraman, in Zentralkurdistan.

Pîrê Şaliyar (manchmal auch Pîr Şahriyar), der Sohn von Jumasb , soll ein Mogh, ein Weiser der Zoroastrier, gewesen sein, der vor ca. 1020 Jahren gelebt hat.

Das Dorf Hewraman (lokal: Ouraman) in der Provinz Kurdestan, dessen Bewohner sich als Nachfahren Şahliyars sehen, feiert dieses Jubiläum anlässlich des Hochzeitstages von Pîrê Şahliyar mit einer Prinzessin aus Buchara jedes Jahr zwischen der letzten Hälfte des Winters und den Frühlingsbeginn.

Hewraman liegt hoch in den Bergen im Südwesten von Kurdestan und weist im Winter sehr viel Schnee auf mit tiefen Temperaturen. Trotz dieser Wetterbedingungen beginnt das West im zweiten Çilê (Winterhälfte).

 

Das Fest beginnt genau am 1. Februar und dauert 3 Wochen. Die Zeremonie ist in 3 Abschnitte unterteilt:

Die erste Woche gilt als Ankündigung des Festes. In dieser Zeit werden Walnüsse aus dem Garten von Pîrê Şahliyar an die Dorfbewohner verteilt, um ihnen den Beginn des der Zeremonie mitzuteilen.

In der zweiten Woche begeben sich die Kinder noch vor dem Morgengrauen auf die Dächer der Dorfhäuser und rezitieren verschiedene Verse. Danach verteilen die Dorfbewohner kleine Geschenke an die Kinder. Im Mittelpunkt der zweiten Woche steht jedoch das Opfer.

Mit dem Aufgehen der Sonne beginnt die Schlachtung der Kühe und Schafe, die den ganzen Tag andauert. In der Nacht begeben sich dann die Männer des Dorfes in die Hütte von Shahriyar, um ihn besonders zu ehren. Für jede Gruppe / Familie ist ein bestimmter Platz in dieser Hütte reserviert, an dem sich die Männer niederlassen und diese Stelle aus Ehren zu Pîrê Şahliyar küssen. Diese bestimmten Stellen sind zum Beispiel das Holzbett oder die Schuhe des weisen Mannes. Danach fallen die Männer in ihre Gebete, wozu Daf gespielt wird.

Am Freitag der dritten Woche backen die Frauen des Dorfes ein besonderes Brot, das mit Nüssen und Mandeln dekoriert wird, was zusammen mit gewürzten und getrockneten Gemüsesorten zum Grabe von Pîrê Şahliyar getragen wird. Dort wird das zusammengetragene Brot an die Dorfbewohner zusammen mit Joghurt verteilt und verzehrt.

Während dieses Ritus wird auch das heilige Buch von Şahriyar (Marefatê Pir Şahliyar) und sein Hut von Dorfbewohner zu Dorfbewohner herumgereicht. Es ist jedoch niemand außerhalb von Hewraman gestattet diese Relikien zu berühren.

Das Buch nimmt dabei eine besondere Stellung ein, da Pîrê Şahliyar nicht nur als ein weiser Mann angesehen wird, sondern man sagt ihm auch die wundersame Heilung von Kranken nach. In diesem Buch sind seine gesamten Weisheiten aufgezeichnet. Mardukh Kordestani schreibt über das Buch, dass es in Versform in „Kurdischer Sprache“ (wahrscheinlich Hewramî) verfasst wurde.

 

Im Mai gibt es zu Ehren des Pîrs noch eine weitere Zeremonie, an der auch die Nachbarregionen von Hewraman teilnehmen. Zu dieser Zeit pilgern die Bewohner zum Grab von Shariar und sammeln Steine, die in der Nähe des Grabes liegen. Die Bewohner glauben, dass in diesen Steinen die Kraft des Pîrs liegt und sie die Macht haben, ihre Kranken zu heilen.

Andere bringen dieses Fest mit einer Mitra-Zeremonie in Verbindung, die ebenfalls zur Winterwende im Februar gefeiert wurde.

Pîrê Şahliyar selbst soll in jungen Jahren in Dilfan (Lekistan) gelebt haben, wo er Shah Khoshin traf. Dieser sandte ihn dann später nach Hewraman, um dort die Lehren der Yarsan zu verbreiten.

Interessant hierbei ist auch, welche Religionen bei den Menschen von Hewraman eine bedeutendere Rolle spielen. So finden wir hier mindestens 3 verschiedene Religionen wieder: Von Pîrê Şahliyar wird berichtet, das er ursprünglich aus dem Zoroastrismus kommt, aber wohl durch Shah Khoshin mit dem Yarsanismus in Berührung kam und diesem schließlich unter der Bevölkerung von Hewraman verbreitete. Die E.I. verweist darauf, dass die Bewohner dieser Region später zum Islam konvertierten, aber immer noch diesen Pîr tief verehren und würdigen.

Eine großes Gewicht hierbei hat der Sufismus, der auch bei dem Fest seinen Einfluss hinterlassen hat. Die Derwische mit ihrer Dah-Musik und ihren langen Haaren spielen in der Ausübung der Riten eine große Rolle  


 

 

Quellen
  • Burke, Andrew, Mark Elliott, Kamin Mohammadi, Pat Yale: Iran. Lonely Planet, 2004, S. 175
  • Hamzeh’ee, M. Reza: The Yaresan. A sociological, historical and religio-historical study of a Kurdish community. Berlin 1990, S.51f.
  • Pîrê Shaliyar, 2, (letzter Besuch am 12.01.09)
  • Houtsma, M. H.; T W Arnold, A J WensinckE.J. Brill’s First Encyclopaedia of Islam 1913-36, Leiden 1993, s.228
  • Hanif, N.: Biographical Encyclopaedia of Sufis. New Dehli 2002, s.432
  • Literatur zum Thema (letzter Besuch, 30.01.09)

Pîrê Şaliyar

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