KURDICA - Die Kurdische Enzyklopädie  
  Willkommen Home |  Über Kurdica |  Gästebuch |  Sponsoren |  Feedback  
Suchen


Menü

icon_home.gif Home

page_white_text.gif Allg. Geschichte
tree-T.gif Altertum
tree-T.gif Architektur
tree-T.gif Archäologie
tree-L.gif Mittelalter

page_white_text.gif Demografie
tree-T.gif Nordkurdistan
tree-T.gif Ostkurdistan
tree-T.gif Südkurdistan
tree-T.gif Westkurdistan
tree-L.gif Zentralkurdistan

page_white_text.gif Diaspora
tree-T.gif Anatolische Enklave
tree-T.gif Afrika/Asien/Australien
tree-T.gif Europa/Amerika

page_white_text.gif Freiheitskampf
tree-T.gif Aufstände
tree-L.gif Genozide

page_white_text.gif Gesellschaft
tree-T.gif Familie
tree-L.gif Identität

page_white_text.gif Herrschaftsstruktur
tree-T.gif Dynastien/Konföderation
tree-T.gif Fürstentümer
tree-L.gif Stämme

page_white_text.gif Kultur
tree-T.gif Alltagskultur
tree-T.gif Musik
tree-L.gif Tanz

page_white_text.gif Kurdica Diversa
tree-T.gif Diverses
tree-T.gif Autoren
tree-T.gif Biblographie
tree-T.gif Glossar
tree-L.gif Quellenarchiv

page_white_text.gif Literatur&Sprache
tree-T.gif kurd. Literatur
tree-T.gif Märchen/Erzählungen
tree-T.gif Poesie
tree-T.gif Sprachen
tree-L.gif über Kurdistan

page_white_text.gif Organe
tree-T.gif Institute
tree-T.gif Medien
tree-L.gif Vereine

page_white_text.gif Politik
tree-T.gif Kurdische Politik
tree-L.gif Kolonialmächte

page_white_text.gif Religion
tree-T.gif Aleviten
tree-T.gif Christen
tree-T.gif Juden
tree-T.gif Mythologie
tree-T.gif Sunniten/Shiiten
tree-T.gif Yarsan
tree-L.gif Yeziden

Dynastien und Konföderationen: Qochgirî(Koçgiri)-Konföderation
Geschrieben am Freitag, 03. Oktober 2008 von Baran Ruciyar

Herrschaftsstrukturen

Qochgirî, türkisch: Koçgiri, der Name einer Stammeskonföderation und dem nach ihnen benanntes Gebiets in Nordwest-Dêrsim der Provinz Sivas.

Neben den östlichen Bezirke Sivas´, wo sie die Bevölkerungsmehrheit darstellen, begegnet man Mitgliedern dieser Konföderation auch in Kayseri, Maras, Adana, Adiyaman und Malatya. Die meisten von ihnen sind ausnahmslos Aleviten, deren religiöse Obehäupter meist in Zentraldersim sind. Vor allem sind sie Angehörige des Bamasûr-Ocak, die auch in Zentraldêrsim großes Ansehen genießen.

Aufgrund der kulturellen und religiösen Differenzen der Qochgirî-Kurden zu den Dêrsimkurden und den Sunni-Kurden, neigt Sykes, der sie Anfang des 20. Jh. besuchte, dazu, sie "als ein separates Volk" zu betrachten. Weiterhin betrachtet er sie als "Panatheisten" und verweist auf viele kulturelle und sprachliche Eigentümlichkeiten der Qochgiri-Kurden.

Ihr Name bedeutet im Kurdischen soviel wie „Wanderer“, dementsprechend besteht die Konföderation der Qochgirî-Kurden aus einer Vielzahl von Stämmen, die wahrscheinlich aus verschiedenen Regionen Kurdistans auswanderten und sich in Qochgirî niedergelassen haben. Die Stämme, die sich gegenwärtig dieser Konföderation angeschlossen haben, führen ihren Ursprung auf verschiedenen Regionen in Kurdistan zurück. Wann diese Einwanderung nach Qochgirî stattgefunden hat, ist ein Rätsel. Doch geht man generell davon aus, dass die erste Emigration während der osmanisch-safavidischen Kriegsfronten in Nordkurdistan geschehen ist, da ihre erste Erwähnung im heutigen Qochgirî, das aus den nördlichen Kreisen der Provinz Sivas und angrenzenden Dörfern der Provinzen, Gümüshane und Erzingan besteht, auf das 18. Jh. zurückgeht. Die Qochgirî-Tradition sieht ihren Ursprung in Dêrsim liegen. Sie glauben, früher der Shêx Hasenan-Konföderation oder Izolî-Stamm der Dêrsimer angehört zu haben. Ethnolinguistisch betrachtet würde auch nichts dieser Behauptung im Wege stehen, da die Shêx Hasenan-Konföderation, wie die Qochgirî auch, aus einer Vielzahl von Clans besteht, die sowohl kurmancî- als auch kirmanckîsprachig und alle Aleviten sind. Auch wenn der Stammesnahme allein keinen eindeutigen Beweis führt, muss jedoch angemerkt werden, dass unter den Clans in Qochgiri viele mit einem Namen existieren, die bei den Shex Hasenan nicht zu finden sind, so kann man mit einiger Wahrscheinlichkeit sagen, dass neben einigen wenigen Clans der Shex Hasenan, diese Kurden wohl aus den verschiedensten Gegenden Kurdistans kamen.

Der Legende nach soll ihr Ahnherr, ein gewisser Xidir gewesen sein, angeblich ein Angehöriger des Izolî-Stammes, der aus einem Dorf bei Qishle/Nazmiye, nach Qochgirî emigirtiert war. Nach seiner Ankunft in Qochgirî, soll er sich kurzeitig in Zara (das eigentliche Qochgirî) aufgehalten haben, wo er später sich mit seinen sieben Söhnen im heutigen Gümüşakar (Erzingan/Refahiye), das ehemalige Dorf "Qochgirî," niedergelassen haben soll. Seine Söhne sollen wie folgt geheißen haben: İbrahim, Mustafa, Balo, Saro, Perviz, Laço ve İvaski; diese sind auch die Namen der Clans dieser Konföderation. Alle Qochgirî-Kurden sollen angeblich von ihnen abstammen. Sykes dagegen schätzt die Bevölkerungszahl dieser Konföderation auf 10 000 Familien und zählt unter ihren Clans folgende: Sarikar, Barlolar, Garoalar, Ibolar und Eski Kochkiri, der Name bedeutet soviel wie "altes Qochgirî". Diese sollen derselben Quelle zufolge in der Nähe von Erzîngan leben und in Wirklichkeit mit den Qochgirî nicht in Verbindung stehen. Prof. Izady erwähnt vier Clans der Qochgirî-Konföderation: Barlan, Gerawan (Gerawend), Îban, Şaran. Doch die Konföderation umfasst noch viele Stämme in der Region. Die Stämme der Qochgiri Konföderation sind meist kurmancisprachig, wobei man auch einige kirmanckisprachige Clans unter ihnen findet. Auffallend dabei ist der Name einer ihrer Unterclans, der sich Zaza nennt. Die Zazas selbst glauben, aus Norddiyarbakir ausgewandert zu sein und sprechen außerdem noch immer diesen Kirmanckî-Dialekt.

In der Regionen sind auch eine beträchtliche Minderheit der turkmenischen Aleviten, sowie einige sunnitische Türken und Kurden ansässig. Aber auch weitere kurdisch-alevitische Stämme: Die Ginîyan, Charekan, Baddili u.a kirmanckîsprachige Stämme waren in der Vergangenheit eigenständig, heißt, nicht Teil der Qochgiri-Konföderation. Dies gilt ebenso für einige kurmancisprachige Stämme, die in Qochgirî leben, aber nicht Teil der Qochgirî-Konföderation sind, vor allem muss man die Shaddilî, Baddilî, Canbegan, Direjan, Pirchikan und Atmikan nennen, die einst einflussreiche Stämmen waren. Daran kann man erkennen, dass die Qochgirî-Konföderation zwar einst einen territorialen Machtfaktor für sich verzeichnen konnte, jedoch war diese Macht auch begrenzt, bzw. nur auf bestimmte Distrikte anwendbar. Die oben erwähnten Stämme lebten zwar in dieser Region, ließen sich aber von der Qochgirî-Konföderation nicht vereinnahmen.

Ihr Oberhaupt ´Heyder Bey hatte den Titel eines Junkers und sein Einfluss dehnte sich auf mehr als 150 Dörfer aus. Raubzüge und Überfälle auf staatlichen Niederlassungen gehörten während der Osmanen-Zeit zur Tagesordnung in Qochgirî, so dass sie mehrmals seitens der Osmanen bestraft wurden. Zu Beginn des Jahrhunderts entfachte ein Aufstand, der von einer nationalistischen Bewegungsmaschinerie der Kurden im Osmanischen Reich, dessen Zentrum Istanbul war, organisiert wurde. Fast alle Qochgirî.-Kurden, meist auch benachbarte Stämme, sahen sich plötzlich in der Mitte eines Aufstandes, der vor allem gegen die türkische Regierung gerichtet war. An der Spitze ihrer Streitkräfte waren Menschen, die später eine wichtige Rolle in der kurdischen Geschichte spielen sollten, z Bsp. Nurî Dêrsim, Alîshan Bey, Heyder Bey und Alîsher Efendî. "Die Volksbewegung von Qochgirî ist ein äußerst wichtiges Kapitel der kurdischen Geschichte, und zwar aufgrund seiner zeitlichen Einordnung. Die Zeit, der die Qohgirî-Bewegung entstammte, sind die Jahre, in denen das osmanische Imperium seine rechtliche Herrschaft, die 600 Jahre andauerte, verlor und als Reich sein Dasein beendete. Das Bewusstsein, "Osmane zu sein", existierte noch, aber "der türkische Nationalismus", den man später in den kemalistischen Grundprinzipien finden sollte, wurde in diesen Jahren gesägt" (Özdemir 2007;27-28). Ein Jahr lang wussten sich die Kurden in dieser Region gegen die Obermacht der türkischen Einheiten zu behaupten. Die Bewegung wurde niedergeschlagen, da sie regional isoliert blieb und nicht auf andere kurdische Regionen übergriff. (siehe auch: der Kocgiri-Aufstand). Nach dem der Aufstand niedergeschlagen war, war die Bevölkerung von Qochgirî, ständigen Repressionen durch den türkischen Staat ausgesetz.

In letztem Abschnitt des vergangenen Jahrhunderts hat es enorm viele Auswanderer aus Qochgirî gegeben. Fasst die Hälfte der kurdischen Bevölkerung in Qochgirî ist entweder in die türkischen Metropolen oder nach Europa ausgewandert. Vielleicht, ist es auch ihr Schicksal; die Hoffnung nach einem besseren Leben, trieb sie vor Jahrhundert aus Dêrsim und andere Teile Kurdistans nach Qochgirî - heute ist es wieder die Hoffnung die sie nach Europa und Westtürkei zieht. 

 

 


Quelle: Erdal Gezik: Aşiretten Cumhuriyet’e, iki alevi örneği: Varto ve Koçgiri, IN: Kirkbudak Dergisi 2005 Guz /Ankara S.27-47. Sir Mark Sykes; The Caliphs' Last Heritage: A short history of the Turkish Empire. London: Macmillan and Co., Limited, 1915, "Appendix," pp. 553-588. Öz, Baki: Belgelerle Kocgiri Olaylari, Ankara 1999. Özdemir, Haydar: Kurdenpolitik der Türkei- ein Hindernis auf dem Weg in die EU? Magisterarbeit, 2007. M. R. Izady: The Kurds: A Concise History And Fact Book 1992 Washington. M. Bayrak Binboga Kürt Asiretleri IN: Bînebûn 1998 Ausgabe 5, S. 56 ff. M. van Bruinessen: The debate on the ethnic identity of the Kurdish Alevis, Krisztina Kehl-Bodrogi, Barbara Kellner-Heinkele and Anke Otter-Beaujean (eds), Syncretistic religious communities in the Near East. Leiden: Brill, 1997, pp. 1-23.

Qochgirî(Koçgiri)-Konföderation

Keine anonymen Kommentare möglich, bitte zuerst anmelden

Für den Inhalt der Kommentare sind die Verfasser verantwortlich.



Die Artikel sind geistiges Eigentum des/der jeweiligen Autoren,
alles andere © 2008 by KURDICA - Die Kurdische Enzyklopädie
Seitenerstellung in 0.1957 Sekunden, mit 18 Datenbank-Abfragen