KURDICA - Die Kurdische Enzyklopädie  
  Willkommen Home |  Über Kurdica |  Gästebuch |  Sponsoren |  Feedback  
Suchen


Menü

icon_home.gif Home

page_white_text.gif Allg. Geschichte
tree-T.gif Altertum
tree-T.gif Architektur
tree-T.gif Archäologie
tree-L.gif Mittelalter

page_white_text.gif Demografie
tree-T.gif Nordkurdistan
tree-T.gif Ostkurdistan
tree-T.gif Südkurdistan
tree-T.gif Westkurdistan
tree-L.gif Zentralkurdistan

page_white_text.gif Diaspora
tree-T.gif Anatolische Enklave
tree-T.gif Afrika/Asien/Australien
tree-T.gif Europa/Amerika

page_white_text.gif Freiheitskampf
tree-T.gif Aufstände
tree-L.gif Genozide

page_white_text.gif Gesellschaft
tree-T.gif Familie
tree-L.gif Identität

page_white_text.gif Herrschaftsstruktur
tree-T.gif Dynastien/Konföderation
tree-T.gif Fürstentümer
tree-L.gif Stämme

page_white_text.gif Kultur
tree-T.gif Alltagskultur
tree-T.gif Musik
tree-L.gif Tanz

page_white_text.gif Kurdica Diversa
tree-T.gif Diverses
tree-T.gif Autoren
tree-T.gif Biblographie
tree-T.gif Glossar
tree-L.gif Quellenarchiv

page_white_text.gif Literatur&Sprache
tree-T.gif kurd. Literatur
tree-T.gif Märchen/Erzählungen
tree-T.gif Poesie
tree-T.gif Sprachen
tree-L.gif über Kurdistan

page_white_text.gif Organe
tree-T.gif Institute
tree-T.gif Medien
tree-L.gif Vereine

page_white_text.gif Politik
tree-T.gif Kurdische Politik
tree-L.gif Kolonialmächte

page_white_text.gif Religion
tree-T.gif Aleviten
tree-T.gif Christen
tree-T.gif Juden
tree-T.gif Mythologie
tree-T.gif Sunniten/Shiiten
tree-T.gif Yarsan
tree-L.gif Yeziden

Islam: Religiöse Titel im sunnitschen Islam und ihr politischer Einfluss
Geschrieben am Donnerstag, 18. September 2008 von rinret

Religion

Seyduna, der Alte vom Berg, das Oberhaupt der Assassinen von Alamut, soll einmal gesagt haben, man muss heute eine höhere gottesnahe Autorität besitzen, um wirkliche Macht auszuüben. Aus diesem Grund wohl ließ er verlauten, er wäre im Besitz des Schlüssels zum Paradies.

Diese Machtausübung galt auch für Kurdistan. Geerbter Machttitel eines Stammesoberhauptes oder angesehene Person einer Gegend zu sein, reichte für eine Machtausübung über eine Region und Stamm oftmals nicht aus. So bedienten sich auch diese Oberhäupter einer anderen Stärke, die der Religion, um die Bevölkerung zu beeindrucken und zu beeinflussen. Aus diesem Grund entstanden wohl diverse Titel, die neben dem Titel des Stammesoberhauptes erhebliche Bedeutung inne hatten.

Man mag an erster Stelle an den einflussreichen Titel des Propheten denken, doch da im Koran der letzte Prophet Mohammed war, galt und gilt es als Blasphemie sich selbst als einen Propheten zu bezeichnen, was ebenso für die Gleichstellung mit Gott gilt. So musste diese Stelle vakant bleiben. Natürlich gab es hier Ausnahmen, wie die des Sheikh Ehmed Barzanî, der sich mit Gott gleichzusetzen versuchte, doch waren diese Vorkommnisse absolute Ausnahme.

 

 

Ghwath und Gutb

 

Der Gutb (Achse) oder Ghwath (Helfer) steht auf der obersten Stufe der religiösen Machhierarchie im Islam und ist unmittelbar nach dem Propheten Mohammed der höchste Fürsprecher bei Gott. Zwar hat jedes Zeitalter einen Ghwath, jedoch bleibt dieser meist anonym. Ein Beispiel hierfür ist der Gründer des Qadiri-Ordens, Abdal al.Qadir Gilani, der nach seinem Tod als Ghwath seiner Zeit angesehen wurde. Auch einige kurdische Oberhäupter behaupteten ein Ghwath zu sein, ob diese auch als solches angesehen wurden, bleibt dahingestellt. Hierzu zählen u.a. Seikh Ebdusselam I. Berzanî, der sich diesen Titel mehr anmaßte als wirklich besaß. Als Gwath für lange Zeit nach seinem Tod über mehrere Generationen hinaus wurde Sheikh Sibxetullah von Xîzan angesehen.

Heute jedoch hat der Titel leicht an Bedeutung verloren und machte damit auch eine Bedeutungswandlung durch. In dieser Zeit bezeichnet der Titel Ghwath oder Gutb das Oberhaupt eines mystischen Ordens, so dass es vorkommt, dass mehrere Ghwath zur gleichen Zeit existieren.

Dem Ghwath untergeordnet sind weitere Würdenträger, wie die Nuqaba (3 Aufseher), Awtad (4 Helfer), Abrar (7 Fromme), Abdal (40 Vertreter) Akhybar (300 sehr Gute).

 

 

Sayyid

 

Der Sayyid kann sich rühmen zum Propheten Mohammed oder seiner engsten Gefährten in einer gewissen Verbindung zu stehen. Meist betrachten sich die Sayyids als Abkömmlinge dieser, was sie unter den Kurden zu arabisch-stämmigen assimilierten Kurden macht.

Den Titel eines Sayyids zu tragen muss nicht gleichzeitig bedeuten auch reich zu sein. Oftmals sind sie innerhalb ihrer Mitbürger eher arm, jedoch muss ihnen durch die Herkunft ihrer Lineage durch die Mitbürger Respekt entgegengebracht werden. Ist ein Sayyid jedoch reich und hat auch begleitet auch eine gewisse Position in der Stammeshierarchie, wird diesem mehr Macht  aus Gründen seiner reinen Abstammungslinie entgegengebracht, als einem anderen, der auf selben politische Hierarchiestufen steht.

Aus diesem Grund ist es nicht verwunderlich, dass viele Stämme behaupten, Abkömmlinge einer solche Lineage zu sein. Beispiele hierfür wären die:

  • Omerî (Abkömmlinge des zweiten Kalifen Umar) – Gîravî
  • Xalidî (Nachkommen von Khalid bin al-Walid, einer der größten Generäle unter des Propheten Mohammeds) – Mîr von Botan (wird auch von Sheref Khan erwähnt) Zeydan, Pinyaniş
  • Ebbasî (Nachfahren der Abbasidenkalifen) – Mîr von Hekarî und Mîr von Behdînan

     

Sheikh (Şêx)

Die Personen, die diesen Titel führen, sind am häufigsten auf der politische Bühne anzutreffen. Der Sheikh-Titel stellt in der kurdischen Gesellschaft nicht nur eine Position dar, sondern umfasst verschiedene Rollen, wobei die wichtigste Rolle die des religiösen Führers meist in einer mystischen Bruderschaft, wie Derwisch- oder Sufi-Orden, ist. Diese Position, die Inkarnation der Frömmigkeit, ermöglicht ihnen eine Stellung innerhalb der religiösen Gemeinschaft einzunehmen, die man mit dem Propheten oder manchmal sogar mit Gott gleichstellen kann. Nicht selten erhebt das einfach Volk die Sheikh in diese Position.Durch diese hohe Achtung werden sie zu den idealen Vermittlern unter dem Volk, was ihnen damit hohes politische Gewicht verleiht. Außerdem stehen sie durch ihr Amt mit den Derwischen der Orden in Kurdistan in Verbindung, was ihnen einen geographisch weitreichenden Einfluss bescheinigt, den sie nicht selten für die Mobilisierung der Massen nutzten. Anzumerken ist hier, dass in Kurdistan nur zwei Derwisch-Orden existieren, womit alle Sheikhs entweder dem Naqshbandi- oder dem Qadiri-Orden angehören.

Mufti

Der Mufti stellt ein geistliches Amt dar, der sich im hierarchielosem sunnitischem Islam um die Rechtssprechung kümmert. Sein politischer Einfluss ist zwar damit an die Sharia begrenzt, jedoch hat er die Möglichkeit auf politische Ereignisse einzuwirken.Ein Beispiel hierfür nennt van Bruinessen den gescheiterten Aufstand von Mîrê Kor gegen die osmanischen Truppen, wo ein Mufti eine Fatwa veröffentlichte, wo er bekannt gab, dass jeder, der sein Schwert gegen die Osmanen erhebe, sich als Ungläubiger erweise und gemäß der Sharia von seiner Frau geschieden wäre.Dieses Beispiel zeigt, dass der Einfluss des Mufti nicht unerheblich ist, jedoch muss gesagt werden, dass sich die Muftis meist mit den lokalen Herrschern verbanden und sich für Reichtum von ihnen abhängig machten. Wirkliche bedeutende Stammespolitik vollbrachte unter den Muftis laut Bruinessen keiner.

Ein weiterer Titel in der kurdisch islamischen Gesellschaft ist die des Mullahs, jedoch wird durch ihm kaum eine politische Position ausgeführt.


Quelle: Bruinessen, van M.: Agha, Scheich, Staat.  Berlin 1989 S. 266ff und 489ff;

Nicholson, Reynold.A.: The mystics of Islam. Routledge 1963.

Religiöse Titel im sunnitschen Islam und ihr politischer Einfluss

Keine anonymen Kommentare möglich, bitte zuerst anmelden

Für den Inhalt der Kommentare sind die Verfasser verantwortlich.



Die Artikel sind geistiges Eigentum des/der jeweiligen Autoren,
alles andere © 2008 by KURDICA - Die Kurdische Enzyklopädie
Seitenerstellung in 0.1689 Sekunden, mit 18 Datenbank-Abfragen