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Identität: Rom/Rûm
Geschrieben am Montag, 11. August 2008 von Baran Ruciyar

Gesellschaft

Rom oder Rûm, die übliche Bezeichnung der Römer und Byzantiner in der Spätantike. Diese Bezeichnung wird in Kurdistan teilweise für die türkischsprachige Bevölkerung angewendet.

Die unterschiedliche Anwendung dieses Begriffs scheint eine lange Tradition unter den Kurden zu haben. Vermutlich geht es auf die ersten Besatzer Kurdistans, die Römer, zurück. Seit dieser Zeit werden fast alle Besatzer, die aus dem Westen kamen als Römer bezeichnet, während die aus dem Osten als Acem oder Firs und die aus dem Süden als Araber bezeichnet wurden.

 

Die Verwendung des Begriffes durch die Araber bringt neuen Antrieb in diese Sache. Gewiss kann es auch eine arabische Entlehnung gewesen sein, die von den Kurden übernommen wurden, denn im frühen Mittelalter bezeichnet Rum = die Bewohner Anatoliens (Griechen) und Bilad-i Rum = Griechenland. Die Kurden dagegen haben anstelle von Bilad-i Rum "Romistan" in ihren Sprachgebrauch übernommen, das ursprünglich Anatolien kennzeichnete.

 

Die Bezeichnung Rom wird aber vor allem für die Türken angewandt. Die osmanischen Besatzer Kurdistans wurden von dem Volk als rûm/rom bezeichnet; so nannte man auch ihre Soldaten Eskerê rome = Soldaten der Rom/Römer. Ehmede Xanî, der erste Dichter der patriotischen Poesie innerhalb der kurdischen Kultur, beschreibt die Osmanen in seinen Gedichten ebenfalls als "rom".:

 

Bi' fkir ji Ereb heta ve Gurcan
Kurmancîye bûye şibhê bircan
Êv Rûm û Ecem Bi wan hesarin
Kurmanc-î hemî Li çar kenarin
Herdu terefan qebîlê Kurmanc
Bo tîrê qeza kirîne amanc


(Blick! Aus Arabien bis nach Georgien,
Kurdistan ist zur eine Ware für Zittadellen geworden.
Diese Türken und Perser lassen sie nicht in Ruhe,
die Kurden sind in vier Ecken,
auf beide Seiten befinden sich die kurdischen Stämme,
mit ihren mörderischen Pfeilen haben sie sich gegenseitig zum Ziel genommen) (Vgl. Mem û Zîn, I, S. 220-222)

 

In vielen kurdischen Klageliedern werden die Türken als gnadenlose Römer beschrieben (zalime Rom). In einem davon, das über die Hinrichtung von Seyid Riza gedichtet wurde, wird folgendes besagt:

 

(...)Daraxacî kurmuşkerdê
Zalimane şare Romê (...)

(Haben den Galgen errichtet,

dieses gnadenlose Volk der Türken)

 

Seit der Entstehung der türkischen Republik wurden deren Soldaten einschließlich der türkischen Behörden in Kurdistan von den Kurden immer als rom bezeichnet. Man betrachtet sie als Besatzer und Unterdrücker. Man kann hier sagen, dass das Wort rom für einen Kurden nichts anderes als Unterdrückung und Vertreibung bedeutet.

 

Auch wenn in manchen Gebieten Kurdistans und die Urbanbevölkerung mittlerweile für die Türken, immer häufiger den Begriff "Tirk", "Tirch" oder "Turk" verwenden - in den ländlichen Gebieten werden sie immer noch "Rom" bezeichnet. Der Begriff ist durch die seine Erscheinung in Tausenden von Klageliedern und Erzählungen so tief verwurzelt, dass es nicht mehr von der kurdischen Terminologie wegzudenken ist.

 

Wichtig ist es hier noch anzumerken, dass heute der Begriff nur die Türken bezeichnet, denn die anderen türkischsprachigen Völker werden divers benannt; die Aserbaidschaner werden Acem, die Turkmenen als Torkman und die Karapapakh werden Terekeme genannt.


Rom/Rûm

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