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Freiheitskampf: Seyîd Riza
Geschrieben am Samstag, 08. November 2008 von Baran Ruciyar

Freiheitskampf

Seyîd Riza oder Sey Riza, ehemaliger geistlicher Führer der Dêrsimkurden und Anführer des Dêrsim-Aufstands.

Über das Leben von Seyîd Riza weiß man nicht sehr viel. Der Autor des einzigen Buches über den Aufstand in Dersim, Dr Nuri Dersimi, beschreibt den in Dersim geborenen Seyîd Riza als Sohn des Seyyid İbrahim, der Führer eines der edelsten und wichtigsten Stämme Dersim’s war. Weil der Begriff Seyîd (Anführer einer Gesellschaft, Führer, Nachfahren des Propheten) in den alevitisch-schiitischen Kulten von Dersim, in der Türkei, die gleiche Bedeutung hat, wie der Ausdruck Şêx bei den Kurden im Irak und Iran ist Seyyid İbrahim auch ein Şêx gewesen. Seyyid İbrahim hat in der Ortschaft Deri Ahri gelebt und hat dabei als Wegweiser viel Ansehen gehabt. Seyîd Riza war der vierte und jüngste Sohn der Familie. Er ist mit dem Unterricht des Ulama (Gelehrter der Religionswissenschaften) Mehmet Ali Efendi aufgewachsen. Mehmet Ali Efendi war ein religiöser Führer, nebst dem er viel Respekt vom Volke erhielt, weil er das nationale Bewusstsein stärkte und viel hierzu leistete. Nach dem Ableben seines Vaters hat Seyîd Riza, wie es der letzte Wille seines Vaters war, das Şêx-Dasein übernommen und hat sich in der Ortschaft Agdad, auf dem Tujik Hügel niedergelassen. Nach Nuri Dersimi (die Person, die zur Zeit des Aufstandes als Baytar Nuri bekannt war) war Seyîd Riza ein fröhlicher, aufopfernder, fleißiger und barmherziger Mann. Obwohl die kurdische Fahre in der Ortschaft Agdad dir kurdische Fahne bereits viel vorher gehisst worden ist, hat sich Seyîd Riza nicht aktiv an dem Aufstand von Koçgiri beteiligt – er hatte kein Vertrauen in die Stämme von Hozat. Nachdem aber der Staat sein Wort nicht gehalten hat, ist er mit einer großen bewaffneten Gruppe in das Gefahrengebiet herab gegangen und hat zur Unterstützung der Anforderungen des Adels ein Telegramm gesendet. Als Baytar Nuri inhaftiert worden ist, hat er sein Einfluss genutzt und somit für seine Freiheit gesorgt. Nach 1921 hat er Alişer Efendi und Baytar Nuri in seine Obhut genommen und hat alle Bemühungen Beider bzgl. der Zusammenführung aller Stämme aus Dersim unterstützt. Er ist auch nach 1925, nach dem Aufstand von Şêx Said den Flüchtlingen zur Hilfe geeilt.

Seyîd Riza hat 1926 versucht die Stämme von Dersim daran zu hindern, sich an der Operation gegen den Koçan Stamm mit den staatlichen Kräften zu verbinden. Nach der Operation hat der Generalinspektor İbrahim Tali Baytar Nuri und Seyîd Riza nach Diyarbakir gerufen. Seyîd Riza wurde gefordert, dass das Volk aus Dersim ihre Waffen dem Staat aushändigen, dass nicht gegen die Erbauung von Wachposten und Kasernen stellen, dass die adligen Flüchtlinge, die zur Zeit des Koçgiri-Aufstandes bei ihnen Unterschlupf gesucht haben ausgehändigt werden.

Bei einem 2. Gespräch hat İbrahim Tali ein geheimes Protokoll verlesen, dessen Inhalt zu erkennen gab, dass in Dersim Vorbereitungen für einen Aufstand statt finden würde. Seyîd Rıza hat aus dem Ganzen die Schlussfolgerung gezogen, dass gegen die Kurden eine neue Operation gestartet werden soll. Er hat im Hause des Führers des Ferhadan Stammes, bei Cemşit Agha, mit allen Führern eine Versammlung durchgeführt. Trotz dieser Versammlungen konnte unter den Stämmen keine Einheit gewonnen werden. Nach nur kurzer Zeit hat Meço Ağa, der bereits vorher in die staatliche Erste Kammer als Vertreter von Dersim gegangen ist, den Schwiegersohn von Seyîd Riza, İbrahim Ağayı, vom Stamme der Aşağı Abasan ermorden lassen. Wegen den Konflikt zwischen den Stämmen war Beitrag von Dersim zum Aufstand von Ağrı nur sehr dürftig.
1936 war der Grund für tagelange Versammlungen der kurdischen Stämme, die Entscheidung des türkischen Militärs in der Nähe von Dersim eine neue Garnison zu gründen. Als Vertreter der Stämme, die in der Region kein militärisches Garnison wollten, traf sich dieses mal Seyyid Rıza mit dem General Abdullah Alpdoğan. Der Vertreter der Kurden forderte, dass dieser Beschluss zurück genommen werden müsse. Bei der ersten Versammlung konnte sich Seyîd Riza mit Alpdoğan nicht einigen, er kam zurück und erzählte das allen Stammesführern. Trotz dem lies General Alpdoğan einen Rundbrief umhergehen, der beinhaltete, dass bei den kurdischen Stämmen 200 Tausend Waffen eingesammelt werden sollen. Das Volk hat neue Baustellen von Garnisonen besetzt und die Waffen von den Wärtern beschlagnahmt. Seyîd Riza, verlangte von General Alpdoğan, dass der Rundbrief als nichtig erklärt und dass die nationalen Rechte des regionalen Volkes gewahrt werde müsse; weiter forderte er, dass eine regionale Verwaltung die die Sicherheit des Volkes garantieren müsse.
Die Antwort des Staates auf diese Forderung war der sofortige Einmarsch von vielen militärischen Gruppierungen.
In Begleitung der Erkundungsflüge der Flugzeuge sind die militärischen Operationen gestartet worden. Auch wenn diese mit Beginn des Winters abgebrochen worden sind, ist Dersim weiter unter Belagerung gewesen.
Der Sohn von Seyîd Riza, Bira İbrahim, ist 1937 bei der Rückreise von Elazığ, in das er als Vermittler gereist war, bei einer Operation, die durch die Schmelzung des Schnee’s wieder begonnen hatten, von dem Männern des Geheimdienstchefs Major Şevket ermordet worden. Hierauf beantragte Seyîd Riza die Aushändigung der Mörder seines Sohnes bei den zuständigen türkischen Behörden (vgl. Seyyid Riza, In: Enzyklopädie des Sozialismus / Band 6 / Seite 1912-13).
Seinem Antrag wurde nicht entsprochen und die Auseinandersetzungen begangen auf’s neue. Nach kurdischen Quellen wurde Seyîd Riza im September 1937, als er unterwegs nach Erzingan war, um sich mit den Staatsbeauftragten zu treffen, inhaftiert. Als der neue Generalinspektor İzzettin Paşa ihn gefragt hat, ob er Seyyid Rıza ist, sagte er „Ich bin Rizo aus Dersim“, "in Dersim sind unter jeder Eiche und auf jedem Berg Tausende von Rızo’s. Nach welchem Seyîd Riza fragen sie in diesem Falle?“ Nach 14 tägiger Gerichtsverhandlung wurde er zum Tode verurteilt. Am 18. November 1937, wurde er mit 11 anderen Personen, darunter sein Sohn und sein Bruder, in Elazığ auf dem Buğday Platz hingerichtet. Nach der Hinrichtung wurden die Leichen, nachdem sie vom Galgen herab genommen worden sind, in den Strassen von Elazığ dem Volk vorget und danach verbrannt.

 

by Golan Roj


Seyîd Riza

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