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Familie/Frauen: Weibliche Genitalverstümmelung (FGM)
Geschrieben am Samstag, 13. September 2008 von rinret

Gesellschaft

Weibliche Genitalverstümmelung (FGM), die vor allem in Südkurdistan vorgenommen wird, wird nur sehr selten und erst in den letzten Jahren thematisiert.

Der Begriff FGM, das Benschneiden, Verstümmeln oder Amputieren von weiblichen Genitalien, wurde von Frauenrechtlerinnen eingeführt, da sie den eigentlich in der Literatur und Medien benutzten gängigen Begriff  „Beschneidung“ für irreführend hielten. Allerdings sollte man hier auch anmerken, dass der Begriff teilweise von den Opfern als diskriminierend angesehen wird.

Die Verstümmelung wird meist bereits im Kindesalter vorgenommen und wird aus diesem Grund vom von vielen einzelnen Organisationen und Abkommen als gebannt angesehen. FGM hat das Ziel, das Lustempfinden der Frau zu unterbinden. Die Opfer leiden häufig an Entzündungen, Schmerzen im Bauch und Genitalbereich, die bis zu dauerhaften Erkrankungen im Genitalbereich führen. Nicht selten führt diese Verstümmelung zur Unfruchtbarkeit und ruft psychische Störungen und post-traumatische Stresssymptome hervor. Auch kurz nach der vorgenommenen Verstümmelung kann es dazukommen, dass die Opfer daran sterben.

In Kurdistan war die anfängliche Aufklärungsarbeit nicht leicht, da das Thema eher tabuisiert wurde und es niemals als Delikt abgesehen wurde. Rigoros unterstützt wird die FGM von den islamischen Geistlichen, die es als Gesetz Gottes ansehen, diese Verstümmelung vornehmen zu lassen, wobei dies immer mit den Wörtern religiöse Pflicht und Ehre der Frau in Verbindung gebracht wird.  Damit wird die FGM als religiöse und traditionelle Notwenigkeit eingestuft, genau die beiden Kategorien, die besonders für Kurden sehr wichtig sind.

Als 2003 mobile Teams aus Sozialarbeiterinnen und Ärztinnen in Südkurdistan die Entdeckung machten, dass hier noch FGM vorgenommen wurde, starteten sie 2004 eine Untersuchung, wobei es für viele Betroffene das erste Mal war, dass sie überhaupt und offen über dieses Thema sprachen. Der Mehrheit der Frauen war zudem nicht bewusst, dass es Musliminnen gab, die nicht beschnitten sind.

Das Ergebnis war erschütternd:  von 1544 Frauen waren 907 Frauen beschnitten worden.

Durch die vorsichtige Annährung des Teams an die Frauen erzählten sie am Ende offener darüber und sprachen auch über die negativen Erscheinungen. Sie bestätigten die oben erwähnten Schmerzen und Probleme und sprachen auch über die Gefühlskälte, die sie gegenüber ihrem Mann empfanden.

Durch die ersten Erfolge, dass die Frauen sich langsam öffneten und bereit waren, darüber zu sprechen, war das Team ermutigt, verstärkter gegen FGM vorzugehen und man erweiterte die Arbeit und dehnte nun die Aufklärungskampagne auch auf andere Regionen in Südkurdistan aus, wie zum Beispiel Kerkuk, Hewler und Suleymaniya.

Unterstützt wird die Arbeit auch mit einem Dokumentarfilm von Nabaz Ahmed „Eine Hand voll Asche“ ,der den Frauen vorgeführt wird. In dieser Dokumentation sprechen Betroffene über ihre Erfahrungen, Leiden und Schmerzen, die durch die Verstümmelung hervorgerufen worden. Neben den Betroffenen kommen auch Ärzte zu Wort und klären über die vorgenommene Operation auf, was sie bewirkt und welche Probleme dabei entstehen können. Außerdem kommen sogar zwei muslimische Geistliche zu Wort, die erklären, dass die FGM nur fälschlicherweise mit dem Islam in Verbindung gebracht wurde.

Im Februar 2005 wurde ein Büro von WADI in Hewler eröffnet um vor Ort die Arbeit besser zu koordinieren und noch besser mit den Opfern zusammenarbeiten zu können. Seitdem werden auch regelmäßig Konferenzen in Südkurdistan zu diesem Thema durchgeführt, dass durch Vernetzung und Erfahrungsaustausch mit anderen Teams eine bessere und schnellere Aufklärung betrieben werden kann.

Unterstützt wird die Arbeit von WADI auch von vielen kurdischen Künstlern und Prominenten, die 2007 mit einer Anzeigekampagne in allen großen südkurdischen Tageszeitungen zur Beendigung der FGM ihre Unterschrift leisteten 


Quelle: http://www.wadinet.de/.de; http://www.cl-netz.de/foren/cl.soziales.frauen/Verbot-weiblicher-Genitalverstuemmelung-in-Irakisch-Kurdistan-in-Aussicht-20704.pdf, http://www.stopfgmkurdistan.org (alle Seiten zuletzt besucht am 8.6.08).

Weibliche Genitalverstümmelung (FGM)

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