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Stämme : Şavak
Geschrieben am Samstag, 27. September 2008 von Baran Ruciyar

Herrschaftsstrukturen

Şavak, ein semi-nomadischer Kurdenstamm der Region Dêrsim. Die Şavak sprechen hauptsächlich Kurmancî. Sie bestehen aus zwei Unterzweigen, einen sunnitischen und einen alevitischen.

savak.jpg

Die Şavak waren ursprünglich gänzlich Nomaden. Im Zuge des gesellschaftlichen Transformationsprozesses in den 80igern des vergangenen Jahrhunderts wurden sie sesshaft bzw. Semi-Nomaden und ziehen nur im Frühling und Sommer umher. Die heutigen Siedlungsgebiete der Şavak liegen nah aneinander und befinden sich in den Landkreise Perteg und Çemîşgezek. Haydar Uc, der die Zahl der Şavak auf 3 bis 4 000. Menschen schätzt, gibt folgende Liste der von den Şavak bewohnter Dörfer wieder: Perteg: Shavak-Avseker, Kurmes, Orcan, Celedor, Sokirik, Koxpinik, Taxsu, Nisirtu, Bahrav, Titenik. Çemişgezek: Vaskivan, Devdirej, Doxkan, Sinsor, Komer. Im Sommer wandern sie mit ihren Herden auf der Suche nach geeigneten Weideplätzen manchmal über die Kalan- und Melan-Ebenen in Dêrsim bis nach Erzingan und Erzirum und kommen im Herbst wieder zurück.

Die Kultur der nomadischen Şavak ist einzigartig in Dêrsim; ein Stück Ursprung der kurdischen Kultur, die stark bedroht ist, da die jüngere Generation kein Interesse für ein nomadisches Leben aufbringt. Um diese einzigartige Lebensweise mit all seinen Farben für die Nachwelt zu dokumentieren, drehte Kazim Öz in Koproduktion mit Arte eine Dokumentation über das tägliche Leben der Şavak. Weiterhin werden die Nomaden typischen Handarbeiten und Milchprodukten der Şavak bei Gürgünay und Gülensoy beschrieben.

savak1.jpg

Einer, der bei Izady (s. 84) unter den Stämmen Dêrsims angeführten Stämme, sind die Şavak. In den Osmanischen Dokumenten wird ein Stamm namens Şakaki/Şakaghi u.a. in Erzirum, Diyarbekir, Qers, Hekarî und Mardîn erwähnt. Für die türkische Nationalisten besteht kein Zweifel daran, dass die nomadische Şavak Überreste einer alttürkischen Volksgruppe sind. Özkan hält sie für die autochthone Bevölkerungsschicht der Region Dêrsim: „die Bevölkerung (von Dêrsim) bestand überwiegend aus semitischen Nomaden. Diese Volksgruppe ist heute noch im Gebiet von Dêrsim anzutreffen. Man bezeichnet sie als ´Şavaklilar´ (Schwaken)“ (s. 32). Diese Annahme wird in der Literatur nicht bestätigt. Wahrscheinlich hat Özkan diese Theorie anhand der Oralhistorie der Lokalbevölkerung aufgestellt. Seyfi Cengiz nach stehen die Şavak mit den Şîkak/Şakak in Verbindung: „so weit ich es weiß, ist der sunnitische Zweig der Şavak als Sekak/Sakak (Sakaki, Sakakyan) bekannt. Es ist offensichtlich genug, dass dieser Zweig mit dem in Irak und Iran beheimateten Stamm Şakak (vgl. Minorsky) in Zusammenhang steht“.

Die Verschiebung des Konsonanten b in ein v tritt öfter in den kurdischen Dialekten auf. Einige wiederum neigen dazu sie mit dem Şabak im Verbindung zubringen. Offenbar stehen sowohl die Şabak (vgl Gergerî) als auch die Şavak tatsächlich mit den Şakak in Zusammenhang.

savak-herden.jpg

Es ist jedoch auch umstritten, ob die Şavak in Dêrsim überhaupt als ein Stamm betrachtet werden können, da sie sich selbst nicht als solchen sehen, viel mehr behaupten sie eine Lineage der Şêx Hasenan-Konföderation zu sein. Bei Firat (s. 99 ff.) werden sie als ein Stamm angeführt. Uc erwähnt drei Clans (oder Namensvarianten) der Şavak: Şavak, Savanî (bekennen sich zu alevitischem Glauben) und Şekak/Sekak (bekennen sich zu sunnitischem Islam). Die Şavak, mit höchster Wahrscheinlichkeit der alevitische Teil der Şavak beteiligte sich an den Aufständen und werden dementsprechend im Aşiret Raporlaru (Gutachtung kurdischer und turkmenischer Stämmen) als „untreu“ eingestuft (s. 303). 

 


Quellen: Özkan, Halis: Völker und Kulturen in Ostanatolien, Wuppertal 1992; Minorsky, V.: Shakak, In: EI1; Cemil Oguz: Şavakların 4 mevsimi, ANF von 12.10.2007; Aşiretler Raporu, Kaynak yayinlari, 2003; Firat: Sozioökonomischer Wandel und ehtnische Identität in der kurdisch-alevitischen Region Dersim. Saarbrücken 1997; Izady, M. R.; The Kurds. Washington DC. 1992; Görgünay, Neriman: Savak Türkmenlerinde Geleneksel Kadın Giyimi, Fırat Havzası Ü. Folklor ve Etnografya Sempozyumu, Elazığ, 1989: FHAM Yayınlan, 125-129. Gülensoy, Tuncer: Savak Türk Kilimciliği ve Kilim Terminolojisi, Erciyes 112, Kayseri 1987, s. 6-9. http://www.kurmesliler.com/savakli.htm (letzter Besuch am 27.03.08); Seyfi Cengiz: Bacilan, Şabak, Şekak ve Şavak, URL: http://f28.parsimony.net/forum68141/messages/6187.htm (letzter Besuch: 09. 07. 08).


Şavak

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