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kurdische Politik: Şemdîn Sakik
Geschrieben am Mittwoch, 24. September 2008 von Baran Ruciyar

Politik in Kurdistan

Şemdîn Sakik, bis 1998 ein führendes Mitglied der Arbeiter Partei Kurdistan (PKK), stellte sich 1998 dem türkischen Geheimdienst und ist seitdem in der Türkei inhaftiert.

Şemdîn Sakik ist 1959 in Zengök, ein Dörfchen in der Provinz Mûş, geboren. Sein Vater Sebrî, eine hochangesehene Person innerhalb des Badikan-Stammes, seine Mutter Kevê, war Hausfrau. Sakik ist nur mittelmäßig gebildet, da er nur die Mittelschule besuchte. Sein Bruder Sirrî Sakik ist der Zeit Parlamentarier im türkischen Parlament (vgl. Sirrî Sakik).

In jungen Jahren kam er mit der PKK in Verbindung und schloss sich ihr später an, wo er unter den Codnamen Pamaxsiz Zekî bei der PKK agierte. Binnen dieser 15 Jahren war Sakik laut türkischer Berichte als Kommandant einer ARGK-Einheit in mehr als 80 Kämpfe zwischen der ARGK (Militärischer Arm der PKK, gegenwärtig in HPG unbenannt) und türkischen Millitärs direkt verwickelt. Lange Zeit gehörte er zu den Führungspersönlichkeiten bei der PKK und wurde meist, zumindest von türkischer Seite, als der zweite Mann hinter dem PKK-Chef Abdullah Öcalan gehandelt. Sakik war lange bevor er sich dem türkischen Geheimdienst stellte, aus der PKK ausgetreten. Welche Motiven dabei eine Rolle gespielt haben, ist bis heute ein kontroverses Thema geblieben. Nachdem er zur KDP übergelaufen war, bleib er auch eine zeitlang in den Reihen der KDP-Peşmêrga, stellte sich aber am 13. April 1998 dem türkischen Geheimdienst.

Die türkische Staatsanwaltschaft warf ihm u.a. vor, nachdem er sich freiwillig dem MIT (türkische Geheimdienst Organisation) gestellt hatte, den Befehl zur Ermordung von 33 unbewaffneten Soldaten in der Nähe von Çewlik erteilt zu haben. Am 24. Mai 1993 wurden auf der Landstraße zwischen Çewlik und Xarpet ein Militärkonvoi türkischer Soldaten auf Befehl von Şemdîn Sakik angegriffen, dabei kamen 33 Soldaten ums Leben. Şemdin Sakik und sein Bruder Arif wurden vom Sicherheitsgericht in der Provinz Diyarbakir zum Tode verurteilt, was jedoch nicht vollzogen wurde. Şemdîn Sakik wurde nach Diyarbekir gebracht, wo er bis heute inhaftiert ist.

Seine Ankunft in der Türkei schlug hohen Wellen in der türkischen Presse, lange wurde propagandiert wie er in Zentralkurdistan verhaftet wurde. Er "singe wie eine Nachtigall", behauptete eine türkische Zeitung. Ob dem Verhafteten wirklich nach Singen zumute ist, darf bezweifelt werden. Ob er freiwillig kurdische Geheimnisse verrät oder ob er nicht vielmehr gefoltert wird - man weiß es nicht. Täglich berichteten, getrieben durch das Militär, türkische Zeitungen von Geständnissen Sakiks. Das Ziel war, die Kurden anhand dieser wahrscheinlich erfundenen „Geständnissen“ gegen die PKK zu hetzen. Das türkische Regime verbreitete angebliche Geständnisse Sakiks, die eine innerliche gespaltene PKK der Bevölkerung beweisen sollten. Amnesty dagegen sprach von Folterungen an Sakik und seinem Bruder Arif.

Seitens der Kurden kamen zweierlei Interpretationen auf: Es hieß, „Sakik sei für lange aus der PKK ausgetreten und habe sich freiwillig den türkischen Geheimdienst gestellt, warum sollte die Türkei ihn foltern?“. Letztendlich stellte sich Sakik gegen die PKK. Vor einpaar Jahren wurde ein anti-PKK Buch unter seinen Namen, mit dem auffälligen Titel „Apo“, veröffentlicht - ein Propagandabuch des türkischen Militärs. 

 


Quellen: Zentrum für Türkeistudien: Türkei-Jahrbuch des Zentrums für Türkeistudien 1999/2000. Streit und Legenden um Semdik Sakik. Was geschieht mit ihm in der Haft? In: Kurdistan-Rundbrief, Nr. 9, Jg. 11, 5.5.1998. http://www.kerkuk-kurdistan.com/nuceyek.asp?ser=3&cep=1&nnimre=5206 und http://webarsiv.hurriyet.com.tr/1998/04/17/38502.asp (letzter Besuch 26.06.08).

Şemdîn Sakik

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